Uli Hoeneß' Schmetterball gegen Jogi Löw

Die Tischtennisplatte auf dem Mont Blanc

»Ständig ging es in der Vorbereitung darum, welche Tischtennisplatte wohin geflogen werden musste, möglichst noch auf den Mont Blanc«, sagt Uli Hoeneß. Wie viel Spaß aber macht Pingpong auf Europas höchstem Berg? Wir haben das mal gegoogelt.

So langsam wird es unheimlich. Gerade eben musste ich miterleben, wie ich, an meinem Schreibtisch sitzend und mich zugleich selbst von außen betrachtend, die Wörter »Uli Hoeneß, Tischtennisplatte, Mont Blanc« googele. Und das in Vorbereitung auf ein Länderspiel zwischen Deutschland und Irland.

Was hat das noch mit Fußball zu tun? Bin ich etwa endlich verrückt geworden?

Und heißt es überhaupt »googele«? Noch vor zwanzig Jahren hätte man dabei an einen trockenen Kuchen oder einen schwäbischen Vorstopper gedacht. Damals, als es noch kein so genanntes »Netz« gab und die Semantik des Fußballs so durchschaubar war wie das Passspiel von Günther Schäfer.

Doch nun verbirgt sich hinter »ich googele« eine neumodische Tätigkeit, durch die man per Internetsuche einem Zusammenhang auf den Grund geht, den der Zeitgeist zu konstruieren für besonders witzig hält. So wie »Bettina Wulff« und irgendwas mit »P«. Oder eben: »Uli Hoeneß, Tischtennisplatte, Mont Blanc«.

Auch zwischen diesen disparaten Wörtern gibt es seit Montag einen Zusammenhang, in einen Satz gepresst mit einer urwüchsigen Kraft, über die nur die »Abteilung Attacke« verfügt: »Ständig ging es in der Vorbereitung darum, welche Tischtennisplatte wohin geflogen werden musste, möglichst noch auf den Mont Blanc«, so Uli Hoeneß gegenüber dem Magazin »Der Spiegel«.

Verzweifelt über die Dekadenz der Zeit – wie Samuel Beckett

Ein Satz wie aus einem Stück von Samuel Beckett, voller Überdruss und Verzweiflung über die Dekadenz der Zeit, in der wir leben müssen. Beckett hätte ihn seine Figuren in einer Atmosphäre postapokalyptischer Finsternis sagen lassen, Hoeneß sagte ihn im siebten Amtsjahr des Bundestrainers Joachim Löw – was für ihn in etwa das gleiche zu sein scheint.

Ja, der Bayern-Präsident sieht mal wieder die Welt untergehen. Die Tischtennisplatten auf dem Mont Blanc sind bei ihm eine Metapher für Löws »Ideen der flachen Hierarchien«, von denen er »Abschied nehmen« müsse. Denn: »Er muss mehr Druck machen, nicht immer nur auf gute Laune.« 

Wie viel gute Laune Pingpong auf Europas höchstem Berg tatsächlich machen würde, steht dahin. Ebenso wie die Antwort auf die Frage, warum Hoeneß so gern die Sau gibt, die sich an irgendjemandes Stamm wetzt. Sachdienlich sind solche Anwürfe jedenfalls nicht, zu verächtlich, ja, ätzend ist das Vokabular. Oder soll Löw wirklich dementieren, dass er Tischtennisplatten auf den Mont Blanc hat schaffen lassen? 

Mit Hoeneß' Äußerung konfrontiert, entgegnete der Bundestrainer nur trocken: »Mir egal, wer was zu diesem Thema sagt.« Eine gute Antwort. Die einzig richtige wohl. Sie sollte genau so auch am Ende mancher Suchanfrage stehen.

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