Uli Borowka würdigt den »Trainer des Jahres« Jupp Heynckes

Jeden Spieler jeden Tag etwas besser

Jupp Heynckes ist unser »Trainer des Jahres«! An diesem Freitag wird er bei 11FREUNDE-Meisterfeier ausgezeichnet. Nur wenige Bundesligaspieler haben so von der Akribie und dem Fußballsachverstand des amtierenden Triple-Siegers profitiert, wie Uli Borowka. Eine Würdigung.

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Wenn ich heute noch einmal gegen Jürgen Klinsmann antreten müsste, dann hätte ich einen Spruch parat, der ihn sicherlich schon vor dem Anpfiff zur Weißglut bringen würde. »Klinsi«, würde ich ihn anhauen, wenn wir nebeneinander im Spielertunnel stehen würden, »welchen Spieler machst du denn heute ein bisschen besser?« Aber genug der verbalen Zweikämpfe, den Satz aus seiner Antrittsrede hat man Jürgen Klinsmann schon viel zu häufig um die Ohren gehauen.

Dabei ist der Spruch gar nicht so schlecht. Nur kenne ich eigentlich nur einen deutschen Trainer, dem das regelmäßig auch gelungen ist. Ich bin ein gutes Beispiel für seine Fähigkeiten. Ich spreche von Jupp Heynckes, dem Trainer des Jahres!

Heynckes arbeitete wie ein Bildhauer

Im Winter traf ich Jupp zu einem Gespräch an der Säbener Straße. Er opferte seine Mittagspause, um mit mir in alten Erinnerungen zu schwelgen. Ich nannte ihn instinktiv »Trainer«, ein Zeichen des Respekts. Natürlich sprachen wir über meine Anfangstage bei Borussia Mönchengladbach, damals, Anfang der Achtziger, als die Deutschen beim Namen Jupp Heynckes noch an den Spieler, und nicht an den Trainer denken mussten. Er war eine nationale Fußballlegende, ich ein unbedeutender Typ vom Dorf, der bei den ersten Trainingseinheiten nicht gerade glänzte. Erst kloppte ich beim Schusstraining die Bälle über die Fangzäune, dann grätschte ich im Abschlussspiel einen anderen Probespieler so wüst über den Haufen, dass der das Training beenden musste und mich anschließend in der Kabine beschimpfte. Ich war mir damals sicher, meine Chance verbockt zu haben. Aber Jupp, der ja noch ganz frisch im Job war, nahm mich zur Seite und lud mich zum nächsten Training ein. Und zum nächsten. Und zum übernächsten. Bis ich meinen ersten Vertrag unterzeichnen durfte. Irgendwas musste er in mir erkannt haben, für das es sich lohnte, hart zu arbeiten. Wie ein Bildhauer, der mit schwerem Gerät aus groben Klötzen seine Werke schafft, formte er aus mir in den kommenden Jahren einen Stammspieler der Bundesliga. Dafür werde ich ihm ewig dankbar sein.

Viele Menschen haben in den vergangenen Jahren verkündet, dass sich Jupp Heynckes verändert habe. Natürlich, Menschen ändern sich. Mit 45 tickt man anders als mit 65. Aber wie er den FC Bayern in der vergangenen Saison zur erfolgreichsten Saison der Klubgeschichte führte, da habe ich sehr viel von dem Jupp Heynckes wieder erkannt, der sich damals die Zeit nahm, um mit mir noch nach dem normalen Training Extraschichten zu schieben. Ein Arbeitstier mit dem Auge fürs Detail. Einer, der, zumindest, was den Fußball betrifft, in die Zukunft schauen kann. Der weiß, dass harte Arbeit irgendwann belohnt wird.

Bei mir war das der Fall. Ich wäre niemals ein so erfolgreicher Fußballer geworden, wenn mich der Lehrmeister Jupp Heynckes nicht unter seine Fittiche genommen hätte.

Ich behaupte: Auch die Mannschaft des FC Bayern hätte in der Saison 2012/13 niemals drei Titel gewonnen, wenn ihnen Jupp Heynckes nicht gezeigt hätte, wozu sie in der Lage ist.

Dass er jetzt in den Ruhestand getreten ist, hätte ich nicht für möglich gehalten. Ich war mir sicher, dass Jupp Heynckes ohne den Fußball nicht überleben kann. Aber offenbar hat seine Frau Iris ein Machtwort in dieser Angelegenheit gesprochen. Und wenn ich eines gelernt habe in den vergangenen Jahren, dann dieses: Auf kluge Frauen sollte man hören.

Alles Gute, Trainer!

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