Uli-Borowka-Kolumne: »Die Axt« haut dazwischen

»Otto Rehhagel ist der richtige Mann!«

Es gibt keinen alten oder jungen Trainer. Nur gute oder schlechte, sagt unser Kolumnist Uli Borowka und gratuliert Hertha BSC zur überraschenden Verpflichtung von seinem Ex-Trainer Otto Rehhagel: »Er ist jetzt genau der richtige Mann für die Berliner.« Uli-Borowka-Kolumne: »Die Axt« haut dazwischen11FREUNDE

Meinen herzlichen Glückwunsch an die Verantwortlichen von Hertha BSC: Einen besseren Trainer als Otto Rehhagel hätten die Berliner in der derzeitigen Situation nicht verpflichten können. Und da spielen auch die 73 Jahre keine Rolle. Otto, mein ehemaliger Trainer aus Bremer Zeiten, ist quasi die Personifizierung des Sprichworts: »Es gibt keine jungen oder alten Trainer, sondern nur gute oder schlechte.« Und wer würde mir widersprechen, wenn ich sage, dass Otto Rehhagel einer der besten deutschen Fußballtrainer aller Zeiten ist!

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Ich habe mich schon gewundert, dass Otto zwei Jahre lang ohne Fußball leben könnte, ihm ist zu Hause in Essen wahrscheinlich die Decke auf den Kopf gefallen. Jetzt steht er vor seiner nächsten Herausforderung, er hat schon leichtere Aufgaben lösen müssen: Die Karre Hertha steckt nach der völlig missratenen Zusammenarbeit mit Michael Skibbe tief im Dreck. Seit dem kuriosen Abgang von Markus Babbel haben sich in Berlin viele kleine Cliquen gebildet – so etwas ist immer tödlich, wenn eine Mannschaft Erfolg haben möchte.

»Meine Herren, keine Nebenkriegsschauplätze!«

Doch genau das ist Otto Stärke: Seinem Verein und den Spielern, die für diesen Verein arbeiten, den Glauben an den eigenen Erfolg einzuimpfen. Ich höre schon seine ersten Worte vor der neuen Mannschaft: »Meine Herren, wenn wir eines nicht brauchen, dann Nebenkriegsschauplätze!« Eines seiner Lieblingswörter, da wird mir jeder ehemaliger Rehhagel-Schüler zustimmen.

Auf die bisherigen Hertha-Chefs, Manager Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer, kommen nun stürmische Zeiten zu. Denn – und ich bin mir sicher, dass Otto das auch in den ersten Verhandlungen betont hat – wenn er seine Arbeit machen soll, dann nur, wenn er der absolute Boss in Berlin sein darf. Andere Herrscher duldet König Otto nicht neben sich und die Hertha-Verantwortlichen tun gut daran, ihn schalten und walten zu lassen. Ich bin mir sicher, es wird sich lohnen.

Gegen den Studikus Finke brachte Otto sieben Stürmer!

Noch ein Wort zu den Vorwürfen, Rehhagel sei ein Trainer von gestern. Das mag auf sein Alter zutreffen, aber als Fußball-Fachmann können ihm nur sehr wenige Kollegen das Wasser reichen. Ich erinnere mich, wie in der Saison 1994/95 Volker Finke vom SC Freiburg als der moderne Trainer der Zukunft abgefeiert und erfahrene Routiniers wie Otto als Ewiggestrige abgekanzelt wurden. Das hat ihn damals tief getroffen. »Ich bin ein Kind der Bundesliga und die feiern diesen Studierten«, hat er gepoltert. Am 4. Spieltag mussten wir in Freiburg antreten und Otto erlaubte sich ein ganz besonderes Ding: Erst kurz vor dem Anstoß gab er die offizielle Werder-Aufstellung bekannt: Reck, Borowka, Votava, Eilts, Rufer, Bode, Basler, Neubarth, Bestchastnykh, Herzog, Hobsch. Ein Torwart, drei Defensivspieler, sieben Stürmer! Wir gewannen mit 3:1, der »Ewiggestrige« hatte den »Studierten« ausgetrickst. Nach dem Spiel hat sich Otto minutenlang die Frisur gerichtet. »Meine Herren«, hat er stolz wie Bolle gesagt, »ich muss jetzt zur Pressekonferenz!«

Welch ein Triumphzug! Ich wünsche Otto, dass er auch in Berlin ähnliche Glücksmomente feiern darf. Die Bundesliga darf sich auf jeden Fall freuen, dass sie eines ihrer Kinder zurückbekommen hat.

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