Uli-Borowka-Kolumne: »Die Axt« haut dazwischen

»Anleitung zum Grätschen? Der Unsinn des Jahres!«

Dass die englische FA eine »Anleitung zum Grätschen« an ihre Spieler herausgeben will, bringt unseren Kolumnisten Uli Borowka erwartungsgemäß auf die Palme. Er sagt: »Was kommt als Nächstes? Anleitung zum tödlichen Pass durch den DFB-Präsidenten?« Uli-Borowka-Kolumne: »Die Axt« haut dazwischen

Das ist für mich schon jetzt der Unsinn des Jahres: Die englische FA will eine Anleitung zum Grätschen für ihre Spieler veröffentlichen, damit die Herren Fußballer in Zukunft ordnungsgemäß ins Tackling gehen. Ja, sind die denn noch ganz sauber? Männer in Anzügen, die das letzte Mal vor 40 Jahren auf dem Bolzplatz um die Ecke gegen den Ball getreten haben, wollen den Profis vorschreiben, wie sie ihre Arbeit zu tun haben? Manchmal bin ich wirklich froh, dass meine Karriere bereits beendet ist.

Jetzt bin ich gespannt, ob auch unsere Funktionäre auf die glorreiche Idee kommen, so eine Anleitung für die Bundesliga anzufertigen. So wie ich unsere Führungsetage einschätze, ist der Gedanke daran gar nicht mal so absurd, wie man zunächst vermuten könnte.

Ball gespielt, Gegenspieler getroffen? Foulspiel!

Dabei ist der Sport vor lauter Vorschriften ja ohnehin schon kompliziert genug geworden. Jede Woche pfeifen die Schiedsrichter Dinge, von denen zumindest ich gar nicht mehr weiß, warum die nun richtig oder falsch waren. Genauso ist es bei der guten alten Grätsche. Wenn zum Beispiel ein Mats Hummels – für mich einer der drei besten Verteidiger Europas – zu einer Grätsche ansetzt, den Ball sauber trifft, aber anschließend noch seinen Gegenspieler berührt, ist das nach heutigen Maßstäben ein Foul. Warum nur?

Kein Wunder, dass unsere Abwehrspieler häufig extrem vorsichtig zu Werke gehen. Kaum treffen sie den Gegner, droht eine gelbe oder sogar eine rote Karte. Deutsche Defensivspezialisten wie Winnie Hannes oder Karl-Heinz Förster, die heute von der Öffentlichkeit zu Recht glorifiziert werden, würden 2012 mit ihrer Spielweise höchstens zehn Minuten ohne Platzverweis auskommen. Und es ist ja nun mal nicht so, dass beispielsweise meine Generation heute nur noch auf Krücken laufen kann, weil früher so hart getreten wurde. Daran sollten Funktionäre mal denken, wenn sie einerseits die Vergangenheit preisen und andererseits das Regelwerk dermaßen aufweichen.

Schon klar, wir haben früher häufig hingelangt, dass einem heute schon beim Zusehen weh tut. Ich erinnere mich an ein geradezu episches Duell gegen George Weah im Finale um den Europapokal der Pokalsieger 1992. Weah, der spätere Weltfußballer, war damals noch Stürmer beim AS Monaco. Ein unglaublicher Kraftprotz! Der hatte in den Ohrläppchen mehr Muskeln als ich in den Waden. Auf den trat ich ein, als gäbe es kein Morgen mehr. Hat Weah gar nicht gejuckt. Ich schwöre hiermit hoch und heilig, dass mir bei der dritten heftigen Grätsche doch tatsächlich ein Stollen abbrach! So viel zu George Weah.

Und jetzt? Anleitung zur ordnungsgemäßen Kabinenpredigt?

Gegen diesen Ausnahmestürmer hat mir die Grätsche als Werkzeug der Einschüchterung nicht viel genutzt. Bei vielen anderen Gegenspielern schon. Und ich erzähle hier keine Märchen aus 1001 Nacht. Die Grätsche ist für jeden Abwehrspieler auf der Welt ein notwendiges Hilfsmittel. Wenn man nun spezielle Regeln aufstellt, wie Verteidiger gefälligst zu grätschen haben, dann ist das ein elementarer Eingriff in das Spiel an sich.

Was kommt dann als Nächstes? Eine Anleitung für Stürmer zum Tore schießen? Zeigt unser DFB-Präsident den Mittelfeldspielern, wie man den tödlichen Pass spielt? Wird es einen Leitfaden für Fußball-Trainer geben, wie man die Kabinenpredigt in der Halbzeitpause strukturiert? Ich geh dann mal auf die Wiese hinter dem Haus und rutsche ein wenig über den Rasen. Um der guten alten Zeiten willen...

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!