Uli-Borowka-Kolumne: »Die Axt« haut dazwischen

»Der Alkohol hat Socrates vernichtet«

Es war der Alkohol, der das Leben der brasilianischen Fußball-Legende Socrates vernichtet hat. Wer wüsste das besser, als unser Kolumnist Uli Borowka? Selbst trockener Alkoholiker, spricht »die Axt« in ihrer Kolumne über Säufer, Trinker und verpasste Chancen. Uli-Borowka-Kolumne: »Die Axt« haut dazwischenPamela Spitz

Socrates, der große brasilianische Fußballer ist tot. Sein vom Alkohol zerfressener Körper hat den Anstrengungen einer Bakterien-Infektion nicht standhalten können. Das ist so unfassbar traurig. Es zeigt aber auch die große Gefahr des Alkoholmissbrauchs, nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch im Mikrokosmos Fußball. Denn Socrates, der so wunderbar mit dem Ball umgehen konnte, war ein Trinker. Ein Säufer, ein Alkoholiker. Erst vor wenigen Monaten hat er sich das selbst eingestanden. Vielleicht war es zu spät.

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Ich kenne die Problematik aus eigener Erfahrung. Ich bin Alkoholiker, zwar trocken – und das seit mehr als zehn Jahren – aber immer noch suchtgefährdet. Auch ich habe durch den Alkohol den Boden unter den Füßen verloren, ich, der große Uli Borowka, fühlte mich immer stärker als das nächste Bier, der nächste Schnaps. Selbst wenn ich besoffen vom Hocker fiel, fanden mich die Leute noch toll, schließlich war ich ja ein Fußballstar, die Krone der Schöpfung. Ich kann nicht sagen, ob Socrates genauso gefühlt hat, wie ich. Aber ich kenne die Interviews, in denen die Journalisten fast ehrfürchtig davon berichteten, wie Socrates in nur zwei Stunden zehn Gläser Bier vernichtet haben soll. Typisch Alkoholiker: Man kokettiert auch noch mit seiner Krankheit. Warum? Weil man nicht wahrhaben will, dass man überhaupt ein Problem hat.

Hätte man mir 2000 nicht geholfen, wäre ich heute tot

Ich selbst habe es bis zum Schluss nicht wahrhaben wollen, dabei bin ich dem Tod schon mehrfach von der Klinge gesprungen. Wenn mich meine Freunde Christian Hochstätter und Wilfried Jacobs nicht 2000 in die Entzugsklinik Bad Fredeburg gebracht hätten, wäre ich heute wahrscheinlich nicht mehr am Leben. Sie haben mir die Entscheidung meiner Rettung abgenommen. Das war mein großes Glück. Normalerweise brauchen Alkoholiker erstmal einen richtigen Schlag an den Hals, sie müssen mit einem Bein im Grab gestanden haben, der Arzt muss ihnen sagen: »Seien sie froh, dass sie noch am Leben sind!«, damit sie begreifen, wie schlimm es um sie bestellt ist. Sich selbst einzugestehen, dass man Alkoholiker ist und ein Problem hat, ist schlimmer als alles andere. Auch für Socrates wird es die Hölle gewesen sein, als er den mutigen Schritt endlich gewagt hatte. Tragischerweise hat er keine zweite Chance mehr bekommen.

Tragisch ist auch, dass es häufig die engsten Freunde oder Bekannten sind, die einem Suchtkranken – ohne es zu wissen – dauerhaft schaden. Und zwar diejenigen, die man als »Co-abhängig« bezeichnet. Sie sind nicht in der Lage, dem Kranken seine Krankheit zu beichten, damit vertuschen sie die Problematik. Auch Socrates, da bin ich mir sicher, hatte Co-Abhängige in seinem nächsten Umfeld, das gehört leider zum Alkoholiker-Dasein dazu. Wenn man sich selbst nicht stoppen kann oder von anderen Menschen gestoppt wird, ist exzessiver Alkoholkonsum ein Selbstmord auf Raten. Socrates hätte Hilfe gebraucht, aber nun ist es für ihn zu spät.

Der Alkohol hat diesen großartigen Fußballer vernichtet.

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