Uli Borowka gratuliert Lothar Matthäus

»Er flog auf die Tartanbahn«

Uli Borowka gratuliert Lothar Matthäus

Ich kenne Lothar Matthäus seit 1981, als ich junger Piepel aus dem Sauerland meinen Vertrag bei Borussia Mönchengladbach unterschrieb. Lothar ist ja nur ein Jahr älter als ich, war aber schon damals eine beeindruckende Persönlichkeit auf dem Platz. Wenn der den Turbo angeworfen hat, sahen die Gegenspieler nur noch den Kondensstreifen. Und nie habe ich jemanden getroffen, der ein Spiel so schnell durchschaut hatte wie Lothar. Das war fast schon unheimlich, wie der die Taktik des Gegners erahnte, und uns Mitspieler entsprechend darauf einstellte!

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1984 standen wir gemeinsam mit Borussia Mönchengladbach im DFB-Pokalfinale gegen die Bayern. Lothars letztes Spiel, der Vertrag mit den Münchener lag schon sauber abgezeichnet im Büroschränkchen von Uli Hoeneß. Ich spielte gegen Karl-Heinz Rummenigge, der sein letztes Spiel bei den Bayern machte – er wechselte in diesem Sommer zu Inter Mailand. Klar, dass ich ihm gleich nach dem Anpfiff deutlich machte, wer heute Chef im Ring sein würde: »Du Flasche gehst nach Italien und das ist auch besser so. Heute machst du hier keinen Stich.« Meine Fresse, habe ich den genervt, herrlich! Rummenigge machte tatsächlich keine Bude, Frank Mill schoss uns in Führung, Wolfgang Dremmler glich kurz vor dem Abpfiff für die Bayern aus. In der Verlängerung fielen keine Tore – wir mussten ins Elfmeterschießen.

Natürlich hatten wir zuvor im Training Elfmeter geübt, unser Trainer Jupp Heynckes hatte auch eigentlich seine Schützen parat. Aber was passiert, als sich Jupp nach seinen Auserwählten umschaut? Keiner mehr da, die hatten sich alle dünne gemacht und sich irgendwo versteckt! Irgendwie haben wir dann doch ein paar Leute zusammenbekommen, der erste Gladbacher Schütze war: Lothar Matthäus. Und was macht der Lothar? Nagelt den Ball über das Tor! Später hat Norbert Ringels nur den Pfosten getroffen, wir verloren das Endspiel auf denkbar tragische Art und Weise. Lothar saß anschließend auf dem Rasen wie ein Häufchen Elend, er wusste ja auch, was die Presse jetzt schreiben würde: Der junge Nachwuchsstar, der seinem neuen Klub zum Titel verhilft. Aber ganz ehrlich: Wir waren damals alle heiß auf den Pokal, die Vorwürfe, Lothar habe den Ball mit Absicht über das Tor gejagt, waren vollkommener Quatsch. Er wollte sich mit einem Titel verabschieden, jetzt war er fix und fertig. Wie wir alle. In der Kabine sagte keiner ein Wort. Später schoss ich mich noch ab, ganz toll. Ein Abend zum Vergessen.

Ein paar Monate später sahen Lothar und ich uns wieder. Diesmal als Gegenspieler und nicht als Kollegen und gute Kumpels. Nach diesem Spiel hat er mir die Freundschaft gekündigt. Warum? Nun, er dachte wohl, ich würde ihn der alten Zeiten wegen auf meiner Seite durchlassen. Stattdessen grätschte ich ihn standesgemäß auf die Tartanbahn.

Alles Gute zum Geburtstag, Lothar!

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