Uefa beschließt Rauchverbot bei der EM

Fluppe raus!

Ja, was denn noch? Die Uefa hat das Rauchen bei der EM 2012 verboten, weil sie die Gesundheit der Zuschauer schützen möchte. Scheren sich die Fußball-Bosse denn kein Stück mehr um die Bedürfnisse der Fans? Eine Empörung eines Nichtrauchers. Uefa beschließt Rauchverbot bei der EM

Wir haben es gewusst, den Verbandsbossen gehen die Fußballfans am Allerwertesten vorbei. Der Beweis: Für die anstehende EM 2012 in Polen und der Ukraine hat die Uefa in allen Stadien Rauchverbot ausgerufen. »Es geht darum, die Gesundheit der Zuschauer und aller Menschen zu respektieren, die an der EM beteiligt sind«, wird Uefa-Chef Michel Platini zitiert. Die Fluppe davor, dazwischen und danach ist ab sofort tabu. Erst bei der EM, wohl bald in allen Stadien europaweit. Freier Durchzug für alle? Hustekuchen!

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Es ist ein großer, gelber Mittelfinger für all diejenigen, die bisher so naiv waren zu glauben, dass die Fankurve der letzte Ort der freien Meinungs- und Willensäußerung in dieser durchreglementierten Welt sei. Die letzte, uneinnehmbare Bastion des Ungehorsams, das letzte bisschen Anarchie im großen Verwirrspiel der alltäglichen Bürokratie.

Am Bahnhof in den Regen gestellt, im Restaurant verächtlich belächelt, müssen Raucher nun auch im Stadion draußen bleiben, sich menschenunwürdig in zugigen Nischen zusammenrotten, angegafft wie Heroin-Abhängige vor dem goldenen Schuss, hastig mit zwei, drei schnellen Zügen das Lungebrötchen inhalierend. Die Würde des Menschen ist unantastbar? Der Grundsatz unserer zivilisierten Welt wird nun auch im Stadion mit Füßen getreten. Der rauchende Fan ist damit endgültig aus der Spezies Mensch wegsubtrahiert. Denn mit Würde haben die Raucherzonen weltweit in etwa so viel gemeinsam wie die Wahl des Fifa-Präsidenten Sepp Blatter mit einer demokratischen Abstimmung.

Riesenscampi statt Kippe

Doch die Verbandsoberen haben mit ihrem Glimmstengel-Verbot mal wieder viel zu kurz gedacht. Und auch darin zeigt sich, wie weltfremd die Könige des Weltfußballs mittlerweile in ihren Elfenbeintürmen vor sich hinleben. Fernab der Realität, mit dem Riesenscampi im Mund, verabschieden sie Sanktionen und Regeln, so nachvollziehbar wie das passive Abseits. Doch würden sie mit ihren Brioni-Schuhen nur einmal in die normale Welt hinausgehen, könnten sie sehen, was den Fankurven fortan europaweit droht: Die Stimmung, bisher eines der Hauptargumente für die milliardenschwere Vermarktung des Fußballs, wird kippen.

Ein Blick in die zahlreichen rauchfreien Clubs und Kneipen hierzulande zeigt das ganze Elend der Rauchverbotswelle: An diesen durch und durch korrekten Orten liegt weder blauer Dunst noch Spaß in der Luft, dafür der Geruch von Käsefüßen, Matetee und Achselschweiß. Im gedimmten Licht wird hier über Weltbewegendes diskutiert, Rotwein geschlürft und Erfahrungen aus den Yogastunden ausgetauscht. Wer um 23 Uhr noch nicht eingeschlafen ist, geht nach Hause. Hier ist die Luft raus, in vielerlei Hinsicht.

Die Luft ist raus

Die schönen Mädchen, die verwegenen Typen, die bestimmt auch schon paffend den Mount Everest erklommen haben, die Cowboys und Weltreisenden, die Verruchten, die Spannenden, die Abenteurer, die Lustigen und Peinlichen, jene, die überall für Unterhaltung und ausschweifende Stimmung sorgen, treffen sich längst in Raucherkneipen und vernebelten Clubs. Sie wollen keine Regeln, sie wollen ausbrechen aus ihrem Alltag, nur einmal in der Woche – und jenseits aller politisch korrekten Normen. Warum sonst wird das Epizentrum jeder WG-Party früher oder später in der Küche verortet? Weil hier geraucht werden darf. Ja, jeder weiß, dass Rauchen extrem gesundheitsgefährdend ist. Niemand will das bestreiten, aber kann nicht einfach jeder für sich selbst entscheiden, ob er sich Eine anstecken möchte? Noch dazu, wenn er sich, wie im Stadion, unter freiem Himmel befindet?

Nur einmal in den blauen Dunst geraten: Sollte sich das Rauchverbot im Stadion wirklich europaweit durchsetzen, findet die ganz große Party bald vor den Toren statt. Und während sich im Inneren des halbleeren Rundes Familien und Gesundheitsfanatiker gegenseitig anöden, fragend in die Runde blicken, immer auf der Suche nach der Stimmung, die sie einst ins Stadion lockte, stehen die Raucher wie Outlaws draußen vor den Toren. Sie feixen, lachen, singen. In ihren Mundwinkeln hängen glimmende Fluppen, als stille Zeugen einer besseren Zeit.

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