Über die schleichende Ticketpreiserhöhung der Bundesligisten

Schluss mit billig

Die Eintrittspreise in der Bundesliga steigen rasant. Das hatte bereits den Protest der Initiative »Kein Zwanni – Fußball muss bezahlbar sein« geweckt. Ihr Mitinitiator Arne Steding erklärt, mit welchen Tricks die Klubs an der Preisschraube drehen.

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Im Vergleich zu vielen ausländischen Ligen, besonders der englischen Premier League, sind die Eintrittspreise in der Bundesliga günstig. Darauf verweisen die Manager der Klubs immer wieder, und das ist auch nicht falsch. Dennoch sind die Preise deutlich gestiegen. Bedenklich dabei ist vor allem: Teurer geworden sind insbesondere die Plätze in den unteren Ticketkategorien, während das obere Segment beinahe stabil geblieben ist. So kostet in Dortmund die Stehplatz-Jahreskarte in der kommenden Saison rund 40 Prozent mehr als im Jahr 2005. Für die günstigste Sitzplatz-Dauerkarte in München, Stuttgart und Bremen liegt die Erhöhung zwischen 30 und 40 Prozent. Zum Vergleich: Die allgemeine Preissteigerung betrug im selben Zeitraum nur rund 17 Prozent.

Noch viel stärker als bei den Dauerkarten sind in den letzten zehn Jahren die Preise für Tageskarten gestiegen. Steigerungen von 60 bis 80 oder in den Topspielen gar deutlich über 100 Prozent sind eher die Regel als die Ausnahme. Stolze 19,50 Euro verlangt der VfB Stuttgart heute für den teuersten Stehplatz, 79 Prozent mehr als 2005. Beim VfL Wolfsburg hingegen hat sich das Entgelt für den billigsten Sitzplatz bei Spielen gegen Bayern und Dortmund sogar fast verdreifacht.


(Grafik: Preiserhöhung Stehplätze – Zum Vergrößern anklicken)

Das hat auch mit einer Preisgestaltung zu tun, wie man sie von Kinos oder Musicals schon länger kennt. War früher noch von »Topspielzuschlägen« die Rede, gibt es heute eine variable Preisbildung je nach Attraktivität des Gegners, vor allem auf den Sitzplätzen. Das folgt der Logik des Marktes, denn alle wollen die Gastspiele des FC Bayern oder von Schalke sehen aber längst nicht so viele die von Augsburg oder Hoffenheim. Das hat Folgen für die Gästefans. Für mitreisende Anhänger des FC Bayern sind Gastspiele in der niedersächsischen Provinz oder im Breisgau weit entfernt von einem Topspiel, und doch müssen sie ständig Höchstpreise bezahlen. Unter 30 Euro können sie kaum noch irgendwo einen Sitzplatz ergattern. Wenn der Rekordmeister etwa nach Mönchengladbach kommt, kostet der billigste Sitzplatz 47,50 Euro. Gegen weniger renommierte Mannschaften nehmen die Borussen dort nur 19,90 Euro.

Über die Saison betrachtet zahlen Fans des FC Bayern selbst in der günstigsten Sitzplatzkategorie durchschnittlich gut zehn Euro mehr pro Karte als die des SC Freiburg. Der FC Bayern ist also, um im Bild zu bleiben, der 3D-Blockbuster am Samstagabend, ein Gastspiel der Freiburger hingegen gilt ligaweit als Kinotag. In Leverkusen sind die Schwankungen besonders extrem, dort kostet ein und dieselbe Karte gegen die Bayern 76 Euro, während gegen den SCF nur ein Drittel des Eintrittsgeldes fällig wird (26 Euro).

Preise orientieren sich an mobiliserten Fanmassen

Doch nicht nur hochklassiger Fußball und namhafte Stars sind ein Kriterium für die Einstufung zum Topspiel. Denn wie ist sonst der Umstand zu erklären, dass ausgerechnet die Anhänger des chronisch unter seinen sportlichen Möglichkeiten bleibenden Hamburger SV nach denen des FC Bayern, von Borussia Dortmund und Schalke die vierthöchsten Auswärtspreise zu zahlen haben? Da scheinen die gastgebenden Vereine offenbar weniger auf die spielerische Attraktivität des Gegners zu schielen als auf die mitreisenden Fanmassen. An ein Top-Spiel mit HSV-Beteiligung können sich schließlich selbst jene, die die Raute tief im Herzen tragen, nur noch schwach erinnern. An schwarz-weiß-blaue Völkerwanderungen quer durch die Republik hingegen schon.

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