Über das Wechselspiel im Tor

Die neue Funktionalität des Bundesliga-Torwarts

Die Zeiten, in denen die Torhüter eine komplette Saison als Nummer 1 spielten, sind lange vorbei: Heute müssen sich die Keeper im Mannschaftskontext beweisen. 11FREUNDE-Redakteur Jens Kirschneck fragt: Kann man das gut finden? Über das Wechselspiel im Tor

Früher war das ja so: Da wurde ein Torwart zur Nummer 1 erklärt und blieb es für den Rest der Saison, wenn nicht für die nächsten fünf Jahre – Ausnahmen wie die vor allem von den eigenen Mitspielern gefürchteten Mladen Pralija (Hamburger SV) oder Olli Isoaho (Arminia Bielefeld) bestätigten die Regel.

[ad]

Heute sieht das ganz anders aus, wovon schon die von Trainern verwendeten Sprechblasen Kenntnis geben. Da sind die Keeper »auf Augenhöhe«, liefern sich ein »Kopf-an-Kopf-Rennen« oder »beginnen bei Null«: gerne auch mal mitten im Winter, als ob die Menschen zu dieser Jahreszeit keine anderen Probleme hätten.

Die Torwart-Wechsel in der Bundesliga


So kommt es, dass gleich vier Bundesliga-Vereine vor der Rückrunde die Männer zwischen den Pfosten gewechselt haben. Bevor aber gleich ein Trend daraus gestrickt und Trendforscher angerufen werden, gilt es wie so oft im Leben den Einzelfall zu betrachten:

1. Köln: Der vormalige FC-Hüter Faryd Mondragon, selbsternannter Jesus, spielt fortan in Amerika. Die Lücke im Tor füllt Michael Rensing, einstiger Münchner Kronprinz. Der war zuletzt tief gefallen. Ein angebotenes Engagement beim englischen Fahrstuhlklub Leicester City lehnte Rensing ab: dann doch lieber arbeitslos. Stattdessen heuerte er in Köln an, also quasi beim Leicester City von Deutschland. Wir wünschen viel Glück.

2. Mainz: Heinz Müller, in der Vorsaison die unbestrittene Nummer 1 der 05er, fiel gleich zu Beginn dieser Spielzeit mit einem Kreuzbandriss aus. Seitdem wurde er von Christian Wetklo vertreten, und zwar in ausgezeichneter Weise. Jetzt ist Heinz Müller wieder gesund und hat seinen Platz von Trainer Tuchel zurückbekommen. Das muss man nicht gut finden, vor allem dann nicht, wenn man Wetklo heißt. Aber es zeugt von Loyalität.

3. FC Bayern: Vor seiner Zeit bei den Bayern galt Hans-Jörg Butt schon mal als Auslaufmodell. Jetzt hat er noch ein paar schöne Jahre verlebt, die ihm von Herzen gegönnt seien. Warum Franz Beckenbauer sich so über Butts Degradierung echauffiert, dass er gleich zu den Herzpillen greifen muss, bleibt sein Geheimnis. Der Wechsel zum jungen Thomas Kraft ist eine ganz normale Wachablösung. Wenn man Louis van Gaal heißt, traut man sich das.

4. Hannover: Florian Fromlowitz hat seinen Platz im Tor an Ron-Robert Zieler verloren, ohne dass er sich etwas zuschulden kommen ließ. Manche finden das absurd. Vor ein paar Jahren hat Mirko Slomka als Trainer auf Schalke Frank Rost aus dem Tor genommen und durch Manuel Neuer ersetzt. Auch das fanden manche absurd. Vielleicht sollte man einfach mal davon ausgehen, dass Slomka weiß, was er tut.

In der Bundesliga verlieren Torhüter ihren Status


Die Moral von der Geschicht’? Vier Bundesligisten haben in der Winterpause den Torwart gewechselt, aus unterschiedlichen Gründen. Wenn es einen gemeinsamen Nenner gibt, dann den, dass die Keeper ihren vom Rest des Teams losgelösten Status mehr und mehr verlieren: Sie müssen im Mannschaftskontext funktionieren und sich beweisen wie jeder andere auch. Ob man das gut findet, hängt vielleicht davon ab, ob man Torhüter ist.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!