Über bizarre Stadionnamen deutscher Fußballklubs

GRMBLF-Arena

Die Namen ihrer Stadien meistbietend zu verhökern, darin sind deutsche Fußballklubs inzwischen geübt. Doch von Jahr zu Jahr werden die Stadionnamen bizarrer und unaussprechlicher. Über bizarre Stadionnamen deutscher Fußballklubs11FREUNDE/Imago
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Man muss den Funktionären des MSV Duisburg Respekt zollen. Sie stehen am 30. Juni 2010 auf der Tribüne des Duisburger Stadions, lächeln freundlich und winken in die Kameras der Fotografen – und wirken nicht im mindesten so, als plage sie ein schlechtes Gewissen. Dabei haben sie soeben den gruseligsten Namen enthüllt, der in Deutschland bislang einem Fußballstadion gegeben wurde. Willkommen in der »Schauinsland-Reisen-Arena«!

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Direkt von Null auf Eins, ein veritabler Charterfolg bei starker Konkurrenz. Denn nicht allein, dass heute gut zwei Drittel der deutschen Profistadien heißen wie Firmenparkplätze. Inzwischen scheint den Klubs auch völlig egal zu sein, wer sich da die Namensrechte unter den Nagel reißt. Hauptsache, die Kasse klingelt. Anders ist nicht zu erklären, dass Zweitligist Dynamo Dresden heute im weder historisch sensiblen noch allzu wohlriechenden »Glücksgas Stadion« kickt, der VfL Bochum allen Ernstes in der Wortspielhölle »Rewirpower Stadion« aufläuft und der altehrwürdige Fürther Ronhof als »Trolli Arena« gedemütigt wird, nachdem zuvor, nicht minder grauenhaft, »Playmobil-Stadion« auf dem Klingelschild gestanden hatte.

Schon drei Mal wurde das HSV-Stadion umbenannt

Seit am 1. Juli 2001 der Hamburger SV den Anfang gemacht hat und das Volksparkstadion an AOL verhökerte, hängt an nahezu jedem deutschen Stadion ein Preisschild. Und immer häufiger ist in letzter Zeit Schlussverkauf, alles muss raus. Bestes Beispiel ist abermals der HSV. Schon drei Mal wurde das Stadion umbenannt, dem neuen Käufer »Imtech« ist allenfalls zugute zu halten, dass das Stadion zuvor als »HSH Nordbank Arena« so holprig benamt war, dass Radiolegende Manni Breuckmann nicht zu Unrecht mutmaßte, es würden demnächst auch noch Öffnungszeiten einzelner Filialen in den Namen integriert.

Ebenso rasant wurde das Düsseldorfer Stadion von LTU an Esprit weitergereicht, während sie in Hoffenheim gleich von Beginn an auf Unaussprechliches setzten. Die TSG kickt nämlich in der sogenannten »WIRSOL Rhein-Neckar-Arena«, was nicht nur jedem Stadionsprecher den Angstschweiß auf die Stirn treibt, sondern auch noch eine andere Frage aufwirft: Wer zur Hölle ist Wirsol? Ein holländischer Wirsing-Gigant mit großen Plänen im Kraichgau? Eine homöopathische Arznei gegen Ohrenschmerzen? Und will man das überhaupt wissen?

Für wen wirbt die »MDCC-Arena«? Und wer ist Coface?

Andere Stadien haben noch rätselhaftere Namen. Die Meppener »MEP-Arena« lässt immerhin noch vermuten, es habe jemand nur versehentlich auf die Hupe gedrückt. Aber für wen, bitte, werben die »MDCC-Arena« in Magdeburg, die Rostocker »DKB-Arena« oder die »SGL Arena« in Augsburg? Und wer ist Coface? Bei anderen Stadionnamen ist man mehr im Bilde, was allerdings auch nicht schön ist. In Nürnberg wird, anstatt an den legendären Glubberer Max Morlock zu erinnern, aggressiv für Billigkredite geworben, während die Arena zu Hannover nach provisionsgetriebenen Drückerkolonnen benannt wurde.

All das ist ein Wahnsinn, der nun immer häufiger auch in die unteren Ligen wandert. Mit fatalen Folgen, weil sich dort fade Sportstätten mit wenig glamourösen Mittelständlern paaren. Das ist noch rührend bodenständig, wenn das Waldstadion des VfR Aalen plötzlich »Scholz Arena« heißt, weil Präsident Scholz ein paar Scheine lockergemacht hat. Aber es grüßt eben auch der VfR Neumünster aus der »Grümmi-Arena«, und beim TuS Sachsenhausen ist das »Elgora-Stadion« ganz offensichtlich nach dem örtlichen Rheumadecken-Hersteller benannt worden.

Im MEGA Stadion kicken die Sportfreunde Bamberg

Lustig auch, wenn die an hektisches New Yorker Börsenparkett gemahnende »Bluechip-Arena« dann doch nur den Zipsendorfer FC Meuselwitz beheimatet. Die wohl größte Produktenttäuschung erlebt der Zuschauer jedoch im »MEGA Stadion«, wo statt Weltstars dann doch nur die Sportfreunde Baumberg in der Niederrheinliga kicken.

Das deutsche Elend wird nicht dadurch erträglicher, dass es das befreundete Ausland noch wilder treibt. Dabei scheinen insbesondere österreichische Klubs darauf erpicht, den auswärtigen Fans schon vor dem Anpfiff ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. In Innsbruck steht das »Tirol Milch Stadion«, in Alzach grüßt als uneheliche Schwester des Nürnberger Billigkredit-Stadions die »Cashpoint-Arena«. Den Vogel allerdings schießt der SV Josko Ried ab, der Gäste in der »Keine-Sorgen-Arena« empfängt.

Beinahe hätte es ein RWE-Stadion in Duisburg gegeben

Womit wir elegant wieder beim deutschen Spitzenreiter, der »Schauinsland-Reisen-Arena« wären. Dass sich der Protest der Duisburger Anhänger gegen die Umbenennung in Grenzen hielt, lag übrigens allein daran, dass es noch schlimmer hätte kommen können. Wie das? MSV-Boss Walter Hellmich hatte einige Jahre zuvor mit dem Einstieg eines Energiegiganten aus der Nachbarschaft geliebäugelt. Und da wäre doch richtig Freude aufgekommen: ein RWE-Stadion, mitten in Duisburg.

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