Typ des Jahres: Thomas Hitzlsperger

Die echte Persönlichkeit

Sein Coming-out war ein weltweites Medienthema. Für den DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach ist es vor allem ein wichtiger Schritt in die Normalität. Heute wird Thomas Hitzlsperger bei der 11FREUNDE-Meisterfeier geehrt.

imago
Heft: #
152

Wenn man von »echten Typen« spricht, denkt man eigentlich zunächst mal an eher kantige Gestalten, bei Thomas Hitzlsperger würde ich aber vielmehr von einer »echten Persönlichkeit« sprechen. Er hat sein Coming-out nicht nur so professionell vorbereitet, als würde er in ein großes Spiel gehen. Er hat sein Anliegen dabei überzeugend, sehr persönlich und zugleich sachlich rübergebracht. Damit hat er vielen anderen einen klaren Weg aufgezeigt, die in einer ähnlichen Situation sind und sagen: »Ich will mich nicht mehr verstecken.«

Eine ganz persönliche Entscheidung

Ich halte nach wie vor die Welle der Berichterstattung, die es in den Tagen nach seinem Coming-out gab, für total übertrieben. Denn ich persönlich kämpfe für einen normalen Umgang damit. Ich habe in meinem Freundes- und Bekanntenkreis sowie auch unter den Kollegen beim DFB Frauen und Männer, die gleichgeschlechtlich orientiert sind, und ich finde das ganz normal. Ich hatte mir deshalb auch kein Coming-out explizit gewünscht oder hätte gar jemanden dazu aufgefordert. Schließlich ist das eine ganz persönliche Entscheidung. Nur: Wenn sich jemand outen möchte, ob in der Kreisliga oder in der Bundesliga, hat er oder sie unsere totale Unterstützung. Deshalb haben wir beim DFB für diesen Fall auch zusammen mit Fachleuten einen Leitfaden mit sehr vielen sachlichen Ratschlägen und Hilfsangeboten entwickelt.

Ich fühlte mich in meiner Einschätzung, dass viel mehr normaler Umgang in dieser Frage angebracht ist, auch bestätigt, als Thomas im März unser Länderspiel gegen Chile in Stuttgart besucht hat. Es gab damals nämlich weder aufgeregte Fotografen noch irgendeinen anderen Trubel um ihn. Und als WM-Experten hat ihn das ZDF sicher nicht wegen seiner sexuellen Orientierung verpflichtet, sondern weil er Ahnung von Fußball hat und sich erstklassig artikulieren kann.

Auf dem Weg zur Normalität

Thomas Hitzlsperger hat sich geoutet, weil ihm das persönlich wichtig gewesen ist. Damit hat er auf dem Weg zu der Normalität, auf die ich so sehr hoffe, enorm weitergeholfen. Deshalb kann ich ihm zu dieser Auszeichnung nur ganz herzlich gratulieren!

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!