13.08.2013

TV-Kritik: Schnauze Simon

Ein Punch mit dem Wattebausch

Steffen Simon macht jetzt Satire. Einmal im Monat. Im WDR. Das Format soll eine pointierte Nachbetrachtung des Bundesliga-Spieltags sein. Reichlich Selbstironie des Protagonisten inklusive. Eine TV-Kritik.

Text:
Benjamin Kuhlhoff
Bild:
WDR

Fußball-Kommentatoren haben es wirklich nicht leicht. Wann immer sie im Zusammenhang mit einem Fußballspiel den Mund aufmachen, hagelt es im Internet Häme und bissige Kommentare. Besonders hart trifft es für gewöhnlich Steffen Simon. Diese Kritik nehme mitunter »menschenverachtende Züge« an, sagte der WDR-Sportchef vor ein paar Wochen in einem Interview mit dem Mediendienst »Meedia«. Das geht an die Substanz. Und wer das aushalten will, braucht entweder ein dickes Fell, ein gesundes Selbstbewusstsein – oder die Waffen, um zurückzuschlagen.

Seit Sonntagabend 22:05 Uhr schießt Steffen Simon nun zurück. Im Anschluss an die Bundesliga-Berichterstattung des WDR holt Simon ab sofort einmal im Monat zum verbalen Rundumschlag aus – Selbstironie inklusive. Der Name des Formats ist dabei Programm: »Schnauze Simon!« Doch unweigerlich durchfuhr den Zuschauer beim Betrachten des Satirikers Simon ein gewisser Schock. Es war dieses kalte, unablässige Kribbeln, welches einen ergreift, bevor man vollkommen der Fremdscham verfällt. Zu oft hat man im GEZ finanzierten Fernsehen mitansehen müssen, wie Satire-Experimente kläglich scheiterten. Gerade der Fußball ist dabei ein gebranntes Kind.

Nun also Simon, mit Anzug, Krawatte und Lehrerbrille. Mit offenem Mund schaute man halb fassungslos, halb gebannt auf den 48-Jährigen, wie er im ersten Atemzug schon Jens Keller mit einem chinesischen Faltenhund verglich. Klarer Wirkungstreffer. Auf einem Laufband tickerte derweil ein Best-Of der Steffen-Simon-Beschimpfungen durch das Bild. Das fordert den Zuschauer heraus, weil man doch ein wenig verlegen sucht, ob man es denn auch selbst in die Bashing-Champions-League geschafft hat. Und so geht das Gesagte leider ein bisschen unter. Dabei geht es neben den Faltenhunden auch um Waldkatzen. Das klingt erst einmal gut. Dann wird eine Kuh angefahren. Ein Youtube-Clip, der vor zwei Monaten die Runde machte. Es ist das Schicksal des Fernsehens, dem Internet immer etwas hinterher zu hinken. Daran hat man sich gewöhnt. Kein Problem. Zwischendurch wirkt das Format kurzweilig, überraschend modern und manchmal auch echt lustig.



Doch kurz bevor einen Steffen Simon so richtig am Schlafittchen gepackt hat und zum finalen Roundhouse-Kick ansetzt, knickt er doch noch ein.

Denn so ganz ohne moralinsauren Zeigefinger geht es dann doch nicht. Selbst nicht bei Satire. Man erfährt, dass Simon nichts von Wetten auf Trainerentlassungen hält, weil er es »befremdlich« findet, »auf das Unglück anderer zu setzen.« Die Causa »Tobias Levels« ist an sich schon traurig genug, Steffen Simon erhöht sie gleich zu einem finalen Duell »Real Life« gegen Internet.  Dass Simon nicht viel von der virtuellen Welt hält, ist bekannt. Dass er sich in seiner Ehre als Fußballkommentator angegriffen fühlt, weiß mittlerweile jeder. Er betont es dennoch auffällig oft. Von ihm stammt zudem der Satz: »Wer diesen Job macht, der sollte, auch aus Selbstschutz, seinen Namen nicht ständig googeln.« Was im Übrigen so klingt, als wäre es eigentlich vollkommen normal, ständig seinen Namen zu googeln. Aber das nur nebenbei.

 
 
 
 
 
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