22.11.2012

TV-Kritik: Eine Entschuldigung für Markus Lanz

Sorry Kate, das war Kacke

Gestern Abend wurde ein neuer Tiefpunkt im deutschen Fernsehen im Limbotanz unterschritten. Beim launigen Talk von Markus Lanz erzählten alte Recken vom Kacken, Saufen und Bumsen. Mittendrin saß eine sichtliche verwirrte Sky-Moderatorin. Eine Entschuldigung.

Text:
Benjamin Kuhlhoff
Bild:
ZDF

Liebe Kate Abdo,

gestern Abend habe ich Sie bei Markus Lanz gesehen. Sie saßen zwischen Ente Lippens, Markus Babbel, Manni Breuckmann und Frank Buschmann und wussten nicht wohin mit sich. Das kann ich nur zu gut verstehen. Sie taten mir einfach nur leid.

Zuallererst kann ich nur erahnen, dass Sie bereits einiges gewohnt sein müssen. Sie sind in England geboren und später durch die Welt gereist. Sie sprechen vier Sprachen fließend, sehen aus wie ein Supermodel und sind das Gesicht eines deutschen 24-Stunden-Sportnachrichtensenders. Sie hätten in den fernen USA eine Karriere bei CNN machen können – und haben darauf verzichtet. Kurzum: Sie haben sich in der Männerdomäne Sport ihren Platz erkämpft.

Was es allerdings heißt, im Testosteronzirkus des Fußballs aufgenommen zu werden, mussten Sie gestern schmerzlich erfahren. Sie saßen da – mit langen Beinen und nettem Lächeln – und hörten zu wie Ente Lippens von früher, Frank Buschmann von heute und Markus Babbel von Hoffenheim erzählten. Als Lippens dann ein bisschen aus dem Nähkästchen plauderte und verriet, mit welcher Art von Trashtalk er sich lästige Gegner vom Hals hielt (»Trittst Du mich noch einmal, bums ich morgen deine Frau!«) lag das Publikum johlend auf dem Boden, Markus Lanz fand es wie immer sensationell (oder war es nur überragend?) und Ihrem hilfesuchenden Blick war zu entnehmen, dass Sie sich in diesem Moment lieber nach New York, Wanne-Eickel oder auf die nächste Müllhalde wünschten. Aber Sie waren gefangen.

Und als sei all das nicht schon peinlich genug, fragte Sie plötzlich Markus Lanz auch noch aus dem Nichts: »Ich habe gelesen, dass Paul Gascoigne dem Spieler Gattuso in die Unterhose gekackt hat. Ist das englischer Humor?« Wir hätten verstanden, wenn Sie ihm eine gescheuert hätten. Stattdessen pfefferte Althauer Manni Breuckmann die betretene Stimmung noch mit der These, dass Engländer bis ins 16. Jahrhundert permanent besoffen gewesen seien und sich das bis in die heutigen Generationen fortgesetzt habe. Ich wollte in diesem Moment nur noch den Herzblatt-Hubschrauber kapern und Sie mit einem Sondereinsatzkommando aus dem Studio retten. Aber es ging nicht, auch ich war gefangen in meinem Ekel.

 
 
 
 
 
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