TV-Kritik: Ein Länderspielabend im ZDF

Wenn's scheiße läuft...

Gestern Abend übetrug das ZDF den Klassiker Deutschland gegen Argentinien. Doch während sich das Spiel zu einer Slapstickeinlage mauserte, bahnte sich im Expertenstudio ein hammerhartes Verbalduell an. Leider wurde daraus nichts.

ZDF

»Es ist so wie es ist«

Endlich wieder ein Länderspielabend im ZDF. Dazu noch »El Klassiker«, Deutschland gegen Argentinien. Messi zu Gast bei Freunden. Einfach herrlich. Die Vorzeichen für diesen Abend standen eindeutig auf Party-Atmosphäre, immerhin wollte die Nationalmannschaft nach dem Halbfinal-Aus gegen Italien zeigen, wie viel Sangeskraft, Willensstärke und Charakterfestigkeit in ihr steckt. Und tatsächlich, Löws Mannschaft spielte erst ganz schön, später ganz schön mittelmäßig – und verlor am Ende fast schon slapstickhaft mit 1:3. Kein Beinbruch, so vernahm man es in den unvermeidlich phrasenbeladenen Field-Interviews. Dass Argentinien mit Messi, Agüero, Di Maria und Co. eine echt spielstarke Mannschaft sei, erfuhr man da von Sami Khedira, und dass es »nun mal so ist wie es ist« (Marc-André ter Stegen). So weit, so langweilig.

Die Enttäuschung macht sich breit

Doch das wahre Hightlight spielte sich anschließend am ZDF-Expertentresen ab. Unter dem Eindruck der Löwschen Interpretation einer Wutrede, mit der er am vergangenen Montag ein ganzes Fußballland wieder einnorden wollte, setzten Kathrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn voll auf die Karte Kritik. Denn trotz der tollen Spiele, des souveränen Auftretens und der großen Leistung für Integration und Volkslaune schleicht sich heimlich, still und leise auch das Gefühl der Enttäuschung heran. Enttäuschung darüber, dass wir nie einen Titel gewinnen und dass wir doch nicht die beste Mannschaft der Welt sind. Das geht schnell, aber so tickt der Schland-Fan eben, jenes Monstrum, das die Nationalmannschaft mit reichlich PR, Eventspielen und starken Kampagnen mitgeschaffen hat. 



Im Studio platzt Oliver Kahn indes der Kragen, er polterte: »Ich kann doch als Spieler nicht immer zufrieden sein. Gegen die Italiener blutleer 1:2 verloren, heute gibt es wieder drei Stück. Da stellen sich die Jungs hin und sagen: ›Morgen geht's weiter‹. Da muss ich mich doch auch mal ärgern. Das muss ich doch auch mal artikulieren.« Jedes Wort hat die Wucht eines Hammerschlags. Titan-Style. Und man merkt ihm die inneren Schmerzen an, die er immer noch hat, wenn jemand in seiner Umgebung keine Eier zeigt. Es ist seine große Stunde, denn nun geht es um seine Kernthemem: Wille, Moral, Kompaktheit, Leidenschaft, das sind die Worte, die niemand so schön herauspressen kann wie der Ex-Titan. »Es ist ja alles schön und gut mit Spielphilosophie, aber der Gegner hat zu viele Torchancen. Ich denke, der Bundestrainer muss sich grundsätzliche Gedanken machen«, blafft er weiter. Das ist eine Generalkritik an der Spielidee vom Wut-Jogi. Und der, oh Herr im Himmel, betritt Minuten später auch noch das Studio. Kahn gegen Löw, freut sich der gemeine Zuschauer, hier geht es gleich ans Eingemachte, hier wird gleich verbal gecatcht, beleidigt, gedonnert. Doch dann: nichts!

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