11.06.2012

Trotz Toren: Zweifel an Mario Gomez

Der umstrittene Held

Mario Gomez erzielte den wichtigen Siegtreffer gegen Portugal. Doch außer dem Tor gelang dem Angreifer vom FC Bayern München nicht besonders viel - er nahm kaum am Spiel der deutschen Mannschaft teil

Text:
Stefan Hermanns
Bild:
Imago

Am Abend des 16. November 2011, um kurz vor halb elf, hat der deutsche Fußball eine Anleihe auf die Zukunft genommen. In Hamburg spielte die Nationalmannschaft gegen Holland, und als in der 82. Minute Miroslav Klose das Feld verließ, hatten die Deutschen keinen einzigen gelernten Stürmer mehr auf dem Platz. Für Klose rückte Thomas Müller in die Spitze, ein Mittelfeldmann, dessen größte Qualität ein nicht zu bändigender Bewegungsdrang ist.

Müller schafft Räume, er ist immer anspielbar und hält das Spiel dadurch stets auf Touren. Als »die Fluidität der Neuzeit« hat der Taktikblog »Spielverlagerung.de« diese Entwicklung bezeichnet: Alles ist im Fluss, die Grenzen verwischen.

So sieht die Moderne aus.

Gomez Wert bemisst sich allein an Toren

Am Abend des 9. Juni 2012 hat der deutsche Fußball noch einmal die Vergangenheit bemüht. Gegen Portugal bot Bundestrainer Joachim Löw Mario Gomez, einen wuchtigen Strafraumstürmer, als einzige Spitze auf. Klose, der den Sprung aus der Vergangenheit in die Zukunft längst geschafft hat, saß auf der Bank. Nach dem klassischen Fußballmodell durfte sich Gomez später als Matchwinner feiern lassen. »Eine Chance, ein Tor – das spricht für seine Qualität«, sagte Löw. Der Münchner hatte den einzigen Treffer erzielt, seine Geschichte bekam dadurch eine fast kitschige Note. Für den 26-Jährigen war es das erste Tor überhaupt bei einem großen Turnier. »Es war ein weiter Weg bis hierhin«, sagte Gomez.

Eigentlich war der Weg am Samstag schon wieder zu Ende. Klose stand zur Einwechslung bereit, der Vierte Offizielle hielt die Tafel bereits in der Hand. Und wenn Gomez nicht in seiner mutmaßlich letzten Aktion getroffen hätte, wäre wohl jede Menge Kritik auf ihn eingeprasselt. Vor allem aber hätte ihn vermutlich das gleiche Schicksal ereilt wie bei der EM 2008 und bei der WM 2010: Gomez wäre fortan nur noch Ersatz gewesen.

Gomez hat seinen Wert für die Mannschaft nachgewiesen, doch der bemisst sich allein an Toren, und das ist ein Luxus, den sich auf höchstem Niveau niemand mehr leisten kann. Gerade in engen Spielen stößt Gomez an seine Grenzen. In der Bundesliga erzielte er in dieser Saison 26 Tore. Doch in sieben Einsätzen gegen die Mannschaften aus den Top Five traf er kein einziges Mal.

Mit ihm hat man einen Mann weniger

 
 
 
 
 
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