Trainer des Jahres: Jupp Heynckes

Das letzte Einhorn

Wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören. Zumindest vorerst. Hans Meyer gratuliert in unserer 11FREUNDE-Ausgabe #140 dem Trainer der Saison 2012/13, Jupp Heynckes, zur Krönung seiner Karriere und gibt ihm Tipps für die Zeit danach.

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In meiner langen Karriere als Spieler und Trainer habe ich es nicht geschafft, auch nur einmal wegen des Fußballs zu weinen. Nicht aus Freude, nicht aus Enttäuschung, gar nicht. Aber als Jupp Heynckes am letzten Spieltag in seiner Heimat Mönchengladbach aus der Bundesliga verabschiedet wurde, wäre es fast so weit gewesen. Das war ein berührender, sehr kostbarer Moment in unserem oft allzu oberflächlichen Geschäft.

Aber zugleich bin ich immer wieder erstaunt darüber, wie sich unter dem Einfluss von Erfolg und Misserfolg das Image eines Trainers wandeln kann, auch wenn dieser sich selbst immer treu geblieben ist. Der Fußball stellt eben etwas Seltsames mit seinen Protagonisten an: Man rasiert zwar jeden Morgen das gleiche Gesicht. Doch wenn es nach der öffentlichen Meinung geht, gehört dieses Gesicht mal einem Helden und mal einem Versager.

Auch vor der sensationellen Saison mit dem FC Bayern habe ich Jupps Laufbahn immer mit Hochachtung verfolgt. Mir war vor allem seine sachliche, seriöse Art, mit diesem komplizierten Beruf umzugehen, sehr sympathisch. Wenn es mal nicht so gut lief für die Mannschaften, die er trainierte, wurde ihm jedoch gerade diese Art zu seinen Ungunsten ausgelegt. Dann galt er als verbissen, humorlos, steif und sein Berufsethos als überkommen. Und jetzt, nach der sensationellen Saison, wird dieselbe Ernsthaftigkeit plötzlich von allen gefeiert. Mehr noch: Sie wird geradezu kultisch verehrt.

»Denk an Hund und Familie, Jupp!«

Wenn er so befreit lacht, wie nach dem Pokalsieg gegen den VfB Stuttgart, dann wird das gleich in eine Schlagzeile gegossen, als wäre im Berliner Olympiastadion das letzte Einhorn gesichtet worden. Dabei wissen nicht nur Eingeweihte, dass er auch in den 68 Lebensjahren zuvor schon mal gelacht hat. Und sie wissen auch, dass er bereits länger die Gabe besitzt, die Spieler über sich hinauswachsen zu lassen. Sein einstiger Schützling Ewald Lienen hat mal erzählt: »Nach zehn Minuten bei Jupp im Büro war ich der festen Überzeugung, ich sei der beste Linksaußen der Welt.« Wir sehen also: Jupp hat nicht erst durch den Gewinn der drei Titel den Beweis angetreten, dass er sein Handwerk mit viel Geschick und Begabung ausfüllt.

Natürlich möchte auch ich ihm an dieser Stelle zum Triple und zum Sieg bei der Wahl zum Trainer des Jahres ganz herzlich gratulieren – wobei nur er wissen kann, welcher Erfolg ihm mehr bedeutet. Aber ich kann hier und heute nun mal nichts anderes über ihn sagen, als ich auch schon vor zwei oder zehn Jahren gesagt hätte: Jupp Heynckes ist und bleibt ein großer Trainer. Punkt.

Nun tritt dieser große Trainer ab, zumindest vorerst. Und viele wünschen sich, dass er noch einmal ein Amt übernimmt. Doch vor dem Hintergrund meiner wesentlich größeren Lebenserfahrung rufe ich ihm zu: Denk an deinen Hund und deine Familie, Jupp! Wenn ein Scheich anruft, sag »Ich kaufe nichts« und leg wieder auf! Und hör auf Thomas Müller, der viel zu jung ist für solche Weisheiten, aber trotzdem mal wieder Recht hat: »Selbst wenn er 25 wäre, müsste er jetzt aufhören!«

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