Torhüter und ihre Klatsche

Otto, Fatty und der Santa Claus

Torhüter sind verrückt, das wissen wir längst, aber es geht hier nicht um Keeper mit Normabweichungen wie Wiese oder Kahn. Es geht um eine liebenswerte Art, die leider ausgestorben ist: um sogenannte Originale.

Um 1900 lebte eines dieser Originale in England, sein Name war William Foulke, aber alle nannten ihn nur Fatty, weil er immer sehr stämmig war und seine Karriere als Erstliga-Torhüter mit einem Gewicht von 178 Kilogramm beendete. Andere Quellen meinen, er hätte nur 150 gewogen, aber das tut nichts zur Sache.

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Er war jedenfalls so schwer, dass solche Sachen passierten: Einmal ging ein Fernschuss drüber, aber um sicher zu gehen, hüpfte Foulkes ein wenig in die Höhe und hielt sich dann an der Querlatte fest. Tore waren damals noch aus Holz, und dieses Holztor brach zusammen, krachend vermutlich. Als er einmal ein Gegentor kassierte, schnappte sich Foulkes den Schützen, hob ihn mit einer Hand hoch, drückte dann dessen Kopf in den Schlamm und setzte sich auf ihn - bis der Schiedsrichter kam, um ihn zu verwarnen. Mit 33 Jahren beendete Foulkes, der ein Länderspiel bestritt, seine Laufbahn, wurde Wirt in Sheffield und starb mit erst 42 Jahren, weil er - ja, wir sagen es, wie es war - zuviel gesoffen hatte.

Reitmaier träumt noch immer von seinem Comeback

42 Jahre war Uli Stein alt, als er sein letztes Bundesligaspiel bestritt - älter war niemals ein Bundesligatorhüter, aber viele wollten diesen Rekord. Claus Reitmaier zum Beispiel, der mit 40 bei Gladbach aufhören musste und mit 41 nach Norwegen zu Lilleström ging, wo er zum besten Torhüter der Saison gewählt und nur »Santa Claus« gerufen wurde; Reitmaier - er wird nächsten Montag 44 - ist jetzt Torwarttrainer beim HSV, träumt noch von einem letzten Bundesligaspiel (oder auch mehreren, so wie wir ihn kennen), und wenn Frank Rost mal krank wäre und sein Stellvertreter Hesl auch, dann... Reitmaier wiegt nicht mal die Hälfte von Foulke.

Wolfgang Kleff hat mit 39 Jahren für den VfL Bochum sein letztes Bundesligaspiel gemacht, das war 1986. Zuvor war er bei Gladbach, Hertha, Düsseldorf und Nationaltorwart. Sie nannten ihn Otto, weil er dem Komiker ähnlich sah, und weil er immer lustige Sachen machte; er war ein Original. Als sie dem damals 37-Jährigen bei Fortuna Düsseldorf sagten, sein Vertrag würde nicht verlängert, ließ er sich in seinem letzten Spiel mit einer erfundenen Verletzung auswechseln, hüpfte dann quicklebendig vor die Haupttribüne, wo Fortuna-Präsident Bruno Recht saß - und reckte ihm den nackten Hintern entgegen.

Ein Schussel war er auch: 1971, bei einem Europacup-Spiel der Gladbacher in Everton, säuberte er seinen Strafraum von den Klopapierrollen, die Zuschauer dorthin geschleudert hatten. Kleff warf sie ins Aus und achtete nicht mehr aufs Spiel. Bis er seine Mitspieler rufen hörte: »Geh zurück ins Tor!« Ein Fernschuss flog aufs Gladbacher Gehäuse zu, und der Kleff konnte nur noch zusehen, wie der Ball über die Linie segelte. Gladbach schied aus.

Sepp Maier musste seinen Hund einschläfern


Als Claus Reitmaier im Alter von 39 Jahren bei Wolfsburg rausflog und glaubte, seine Bundesliga-Karriere sei zu Ende, sagte er: "Mir wurde das Herz herausgerissen!" Er ging nach Gladbach, Erfurt und Lilleström und hofft heute noch. Auch Kleff konnte nicht aufhören, das Tor zu hüten, vielleicht liegt es an seinem Namen, von dem man ableiten könnte, dass dieser Mann brüllend etwas verteidigen muss. Schon sein ewiger Rivale Sepp Maier hat Namenswitze mit ihm gemacht. »Ich musste meinen Hund einschläfern«, sagte Maier einst, »denn immer wenn ich ihn fragte, wer die Nummer eins in Deutschland ist, hat er Kläff, Kläff gesagt.«

Am letzten Sonntag hat Wolfgang Kleff, bis 46 in unteren Ligen aktiv und heute 61, noch einmal ein Pflichtspiel gemacht, für den Landesligaklub FC Rheinbach. Rheinbachs Torhüter waren ausgefallen, der Sportdirektor bat Kleff um Hilfe, und Kleff sagte zu. Er spielte 35 Minuten lang, dann musste er aufgeben: blaue Flecken und ein Bluterguss am Oberschenkel. »Ich habe das Vertrauen gerechtfertigt und zu null gespielt«, sagte Kleff. Nach 35 Minuten stand es 1:0 für die Rheinbacher. Ohne Kleff kassierten sie noch vier Tore.

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