Togo nach dem Anschlag

Die Angst in den Straßen

Seit dem Terroranschlag auf das Nationalteam Togos in der angolanischen Exklave Cabinda wollten die Fans nur noch eines: ihre Stars nach Hause holen. In Sicherheit. Doch gibt es die? Aus Lome berichtet Philippe Boisson. Togo nach dem Anschlag Ein junger Fan steht tränenüberströmt auf einer Straße der togolesischen Hauptstadt Lome. Wut, Entsetzen und Panik spiegeln sich in seinem Gesicht, mit beiden Händen spannt er trotzig ein schmutziges T-Shirt vor der Brust.

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»Auf geht's, ihr Sperber«, ist auf dem gelben Stoff noch zu lesen. Doch der Wunsch nach sportlichen Großtaten beim Afrika-Cup ist blanker Angst gewichen.

Seit Freitag trägt Togo Trauer. Seit dem tödlichen Terroranschlag auf die Fußball-Nationalmannschaft in der angolanischen Exklave Cabinda wollten die Fans nur noch ihre Stars nach Hause holen. »Bringt unsere Jungs zurück«, war die Forderung zwischen Dapaong im Norden und Tsevie im Süden – das Land befindet sich in einer Schockstarre. Am Sonntagmittag sprach Togos Premierminister Gilbert Fossoun Houngbo ein Machtwort und beorderte die Mannschaft nach Hause. »Das Team muss abreisen und nach Togo zurückkehren.« Zuvor hatte sich der Premier in einer Videobotschaft an das Volk gewandt und seinen etwa sechs Millionen Landsleuten aus dem Herzen gesprochen. Houngbo ordnete eine dreitägige Staatstrauer für den erschossenen Assistenztrainer und den Pressesprecher der Mannschaft an.

»Die Regierung hat sich heute zu einer landesweiten Trauerphase entschieden, die am Montag beginnen wird«, sagte Houngbo im Staatsfernsehen. Fast überall hängen die gelb-grünen Flaggen mit dem roten Stern auf Halbmast. Der junge Fan, Mitglied eines Supporter-Klubs der Nationalmannschaft, ist völlig schockiert. »Ich bin zutiefst erschüttert«, sagt er: »Ich kann einfach nicht verstehen, was passiert ist.« Ein weiterer junger Mann fordert die Absage des Afrika-Cups: »Es darf nicht gespielt werden. Niemals. Die Sperber müssen nach Lome zurückfliegen. Es wurden Spieler verletzt, allen anderen geht es auch sehr schlecht.«

Im Viertel Kodjoviakope, in dem Superstar Emmanuel Adebayor aufwuchs, ist die Anteilnahme riesengroß. Auf den Straßen gibt es nur ein Thema. Gruppen von Jugendlichen versammelten sich schon am Freitag zu gemeinsamen Gebeten, am Wochenende schlug die Stimmung in Hass auf die Terroristen um. »Das war pure Willkür, ein Zufall, dass es uns getroffen hat«, sagt einer. »Ständig rufen Leute aus Europa an, um uns zu informieren«, sagt Evariste, der einen Adebayor-Fanklub gegründet hat. »Das ganze Viertel war alarmiert und in Sorge.« Doch Adebayor geht es gut, erwischt hat es andere - ein ganz schwacher Trost.

Mitglieder der Regierung sprachen von »unfassbar schmerzlichen Geschehnissen«, ständig wurden im Fernsehen neue Entwicklungen verlesen. Doch die Nachrichtenlage war eine glatte Katastrophe. Viele Angehörige wussten nicht, ob ihre Lieben noch leben. Erst am frühen Samstagnachmittag gab es Stück für Stück Aufklärung - Erleichterung für die Einen, Hiobsbotschaften für die Anderen. Ab Montag steht das Leben in Togo für drei Tage still.

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