Timo Horn im Interview

»Ich scharre mit den Hufen«

FC-Torwart Timo Horn ist die Symbolfigur des Kölner Aufschwungs. Doch der 23-Jährige will mehr. Ein Gespräch über die Qualitäten von Manuel Neuer, die Rivalität zu Gladbach und Premier-League-Stadien.

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Timo Horn, von Oliver Kahn ist überliefert, er habe jedes Gegentor persönlich genommen. Geht Ihnen das auch so? 
Natürlich ärgere auch ich mich über jedes Gegentor.

Aber? 
Die Zeiten, in denen der Keeper das Spiel sehr emotional und theatralisch begleitet hat, sind vorbei. Oliver Kahn hat auch gesagt, es gebe keine unhaltbaren Bälle. Das sehe ich ebenfalls ein bisschen anders.

Wird man als moderner Torwart zur Besonnenheit erzogen? 
Gar nicht. Ich bin ja in einer Zeit Torwart geworden, als Olli Kahn noch gespielt hat. Wenn bei den Standortgesprächen meine Jugendtrainer etwas auszusetzen hatten, hieß es meist: »Du musst lauter werden.« Ich sollte auch mal einen anbrüllen, mehr coachen.

Ihre Besonnenheit ist also Zufall, weil Sie von Natur aus der ruhige Typ sind? 
Ich habe diese Anmerkungen aufgenommen, aber nie überbewertet. Natürlich bin ich auf dem Platz lauter geworden, aber es hält sich nach wie vor in Grenzen, weil ich glaube, dass es mehr bringt, wenn ich den Jungs Mut zuspreche, als sie durch Kritik zu verunsichern. Spieler wissen selbst, wenn sie einen Fehler gemacht haben. Wenn 50 000 Zuschauer pfeifen, muss ich denen das ja nicht noch erklären.

Brodelt es gar nicht in Ihnen? 
Ich bin nun mal eher ein Freund von Harmonie und reiße mich nicht darum, ständig Dinge anzuprangern. Aktuell läuft’s bei uns als Team auch sehr rund, die Klei-nigkeiten, die es da anzusprechen gibt, klärt der Trainer – oder wir intern. Aber es gibt natürlich Situationen, in denen es auf dem Platz klare Anweisungen braucht. Wenn die Mauer gestellt wird, muss ich zwangsläufig die Vorderleute auch mal anbrüllen, denn das sind spielentscheidende Momente.

Ihr Vorbild ist Edwin van der Sar. Wo erkennen wir Sie in ihm wieder? 
Ich bin kein Freund vom großen Spektakel. An Van der Sar hat mir immer seine Nüchternheit und sein Stellungsspiel gefallen, ohne übertriebene Flugeinlagen. Und dennoch war er ein zentraler Bestandteil im Aufbauspiel. Er hat Bälle zielgenau verteilt, und seine Vorderleute haben ihm blind vertraut, was der Mannschaft ungemein Sicherheit gab. Gerade auf internationalem Niveau macht so ein Torwart oft den Unterschied aus. Auch Manuel Neuer war mit seiner Spielweise essentiell für den WM-Sieg 2014.

Was fehlt Ihnen noch, um dieses Niveau zu erreichen? 
Ich kann sicher noch präsenter werden, mich in den Situationen im Sechzehner noch besser durchsetzen und mir in der Luft mehr zutrauen, ohne groß darüber nachzudenken. Aber ich bin sicher, dass das mit der Erfahrung kommt. Auch der rechte Fuß kann noch besser werden. Ich arbeite zumindest sehr akribisch darauf hin.

Seit Kindesbeinen sind Sie Fan des 1. FC Köln. Dabei haben Sie vermutlich die düstersten Jahre der Vereinsgeschichte auf der Tribüne erlebt. 
(Lacht.) Ja klar, es war ein ständiges Auf und Ab. Von den großen Zeiten, von denen die Älteren schwärmen, habe ich rein gar nichts mitbekommen. Aber so schlimm die Abstiege waren, so toll waren die Aufstiege. Man muss wirklich sagen: Die Südkurve lebt. Und das sind fast alles Mädels und Jungs in meinem Alter. Nicht zuletzt deshalb bin ich stolz, dass ich dazu beitragen kann, dass wir uns nach den Jahren als Fahrstuhlmannschaft wieder in der Bundesliga etablieren.

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