Timo Hildebrands Karriereknick

Wie im Bilderbuch – nur umgekehrt

Timo Hildebrand wurde 2007 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister. Seitdem startete er eine Bilderbuchkarriere – nur umgekehrt. Vor seinem heutigen Pflichtspieldebüt für den FC Schalke zeichnen wir Hildebrands Weg der letzten Jahre nach. Timo Hildebrands Karriereknick

Januar 2007

Hildebrand gibt seinen Abgang vom VfB Stuttgart zum kommenden Sommer bekannt und wird als »Abzocker« gebrandmarkt. Die teils persönliche Kritik setzt dem Torhüter zu, er verliert drei Kilogramm Körpergewicht. Vor allem sein in der Branche umstrittener Agent Dusan Bukovac gilt als Katalysator für den Wechsel. »Sicherlich hatte ich Menschen um mich herum, die in der Branche nicht gut angesehen waren«, erklärte Hildebrand später der »SportBild«.

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März 2007

Trotz des enormen Imageschadens entwickelt sich Hildebrand zu einem echten Rückhalt der Stuttgarter. Im Zuge seiner starken Rückrunde bekommt er immer mehr Fürsprecher, die ihn in der Nationalmannschaft als legitimen Nachfolger von Jens Lehmann sehen.

Juli 2007

Hildebrand verabschiedet sich vom VfB Stuttgart, bei dem er seit seinem 16. Lebensjahr gespielt hatte, mit dem Meistertitel. In Erinnerung bleibt vielen sein unglaublicher Reflex am vorletzten Spieltag, als er aus kürzester Distanz einen Schuss von Christoph Dabrowski abwehrt und damit dem VfB den 3:2-Sieg rettet. Heute sagt er: »Ich hätte Stuttgart nie verlassen dürfen.« Er wechselt zum FC Valencia.

August 2007

Beim Klub in Valencia tobt ein erbitterter Machtkampf zwischen Manager Amadeo Carboni und Trainer Quique Sanchez Flores. Manager Carboni, der sich für eine Verpflichtung Hildebrands eingesetzt hatte, verliert an Einfluss. Im Tor des spanischen Erstligisten steht nicht Hildebrand, sondern Santiago Canizares.

Januar 2008

Bei den gelegentlichen Einsätzen sieht sich Hildebrand harscher Kritik ausgesetzt. Nach einem Fehler beim 01 gegen Atletico Madrid spottet die Sportzeitung »As«: »Am Ende ist er eher ein englischer Torwart als ein deutscher.«

Februar 2008

Doch dann scheint Hildebrand der Durchbruch zu gelingen, im spanischen Pokalhalbfinale wird er zum Matchwinner. Beim 1:1 im Rückspiel gegen Barcelona  liefert der Deutsche eine überragende Leistung ab und verdient sich damit gehörigen Anteil am späteren Pokalsieg. Mit 14 Glanzparaden setzt er sich an die Spitze der dafür bei der Zeitung »Marca« eingerichteten Statistik. Auch in der Bundesliga hält Hildebrand weiterhin einen Rekord: Zwischen 2003 und 2004 blieb er 884 Minuten in Folge ohne Gegentor.

Mai 2008

Per Telefon teilt der Torwarttrainer der Nationalmannschaft, Andreas Köpke, dem Keeper mit, dass dieser für die Europameisterschaft nicht nominiert werde. Hildebrand beendet das Gespräch nach nur einer Minute. Öffentlich kritisiert er, dass Nationaltrainer Löw ihm die Entscheidung nicht persönlich mitgeteilt habe: »Das werte ich als fehlenden Respekt mir gegenüber.«

Oktober 2008

Bundestrainer Joachim Löw, Torwarttrainer Andreas Köpke und Hildebrand sprechen sich aus. Nach dem 90-minütigen Gespräch in Frankfurt sagen die Beteiligten, dass nun alles aufgearbeitet sei. Beim FC Valencia verdrängt Neueinkauf Renan Brito den Ex-Stuttgarter aus dem Tor. Hildebrand muss zunächst auf der Bank, dann gar auf der Tribüne Platz nehmen.

November 2008

Valencia erteilt Hildebrand die Freigabe, am Jahresende ablösefrei zu wechseln. Hoffenheim, Köln und Dortmund gehören zu den Interessenten. Hildebrand gibt derweil die Trennung von seinem Agenten Dusan Bukovac bekannt und wechselt zur Agentur von Marcus Höfl, der auch Franz Beckenbauer berät. Der Beraterwechsel wird nicht unwichtig für die weitere Karriereplanung. »Damit hat Timo gezeigt, dass er etwas ändern will«, sagt Hoffenheims Manager Jan Schindelmeiser.

Dezember 2008

Hildebrand wechselt zur TSG Hoffenheim. Seine Bilanz in Valencia: lediglich 26 Spiele in eineinhalb Jahren, aber immerhin der Pokalsieg steht zu Buche. Er erlebt beim spanischen Klub in seiner kurzen Zeit vier Trainer und zwei Manager.

Januar 2009

Gespräch mit der »Sport Bild«. Erste Frage: »Herr Hildebrand, wir sitzen in Stuttgart, im Restaurant Amici. Hier haben Sie im Mai 2007 die Meisterschaft mit dem VfB gefeiert. Dann wechselten Sie nach Valencia. Und der Albtraum begann.« Ein Gesprächseinstieg, auf den später noch zurückgegriffen werden sollte.

März 2010

Hildebrand übt Kritik an seinen Mitspielern – öffentlich und intern. Auch die Klubführung bekommt ihr Fett weg: »Man muss mehr investieren, wenn man Erfolg haben will.« Mit Kollegen, die Trainingseinheiten verschlafen, geht er hart ins Gericht. Später wird er einräumen, sich dabei auch mal im Ton vergriffen zu haben. Das Verhältnis zu Trainer Ralf Rangnick, der ihn in Stuttgart gefördert hatte, bekommt nachhaltige Risse.

April 2010

Trainer Ralf Rangnick und Manager Jan Schindelmeiser teilen Hildebrands Berater, mittlerweile Roman Grill, mit, dass sie nicht mehr mit Hildebrand planen.

August 2010

Hildebrand hält sich beim Regionalligisten Stuttgarter Kickers fit. Ein Angebot des Bundesliga-Aufsteigers FC St. Pauli schlägt er aus. Stattdessen wechselt er nach Portugal zu Sporting Lissabon. Auch dort kommt er nicht zum Zug und kündigt an, seinen Vertrag zum Saisonende nicht verlängern zu wollen.

Juli 2011

Hildebrand ist arbeitslos. Die »Sport Bild« bittet zum Gespräch, der Einstieg kommt bekannt vor. »Herr Hildebrand, wir sitzen hier im Stuttgarter Restaurant Amici. Hier feierten Sie 2007 die Meisterschaft mit dem VfB...«

November 2011

Hildebrand wird mittlerweile von Jörg Neblung beraten. Nach Trainingswochen bei Manchester City und Eintracht Frankfurt landet er beim FC Schalke 04 als dritter Torhüter. Im Gespräch mit der »SportBild« verkündet er: »Mein Ziel ist es, die Nummer eins zu werden.« Wenigstens findet das Interview nicht im Stuttgarter Amici statt, wo Hildebrand 2007 die Meisterschaft mit dem VfB feierte.

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