Tim Wiese und sein großes Transfer-Geheimnis

Ich kaufe ein Fragezeichen

Seit er bekannt gegeben hat, seinen Vertrag mit Werder Bremen nicht zu verlängern, macht Nationaltorwart Tim Wiese ein großes Geheimnis um seine Zukunft. Wohin er geht, verrät Wiese nur häppchenweise. Das geht unserem Autoren langsam auf die Nerven.

Vielleicht läuft es irgendwann so: Peter Bond begrüßt die Reporter von RTL, Bild, Weserkurier und Hamburger Morgenpost mit schneidigem Lächeln am Glücksrad, dahinter leuchtet funkelnd das Kleid von Maren Gilzer, neben ihr, hinter einer weißen Wand, erkennt der Zuschauer die Silhouette von Tim Wiese. Der Mann von der Bild dreht am Rad und kauft ein »F«, seine Kollegen anschließend ein »C« und ein »S«. Bond lächelt sein Zahnpasta-Lächeln, Maren Gilzer dreht mit ihren Zahnpasta-Fingern sanft die Buchstaben um, bis der Bild-Reporter triumphierend sagt: »Ich möchte lösen: FC Schalke!« Leider falsch. Hinter der weißen Wand fängt Tim Wiese an zu kichern.

Seit er Anfang April bekannt gegeben hat, den SV Werder im Sommer 2012 nach sieben Jahren verlassen zu wollen, macht Tim Wiese ein großes Geheimnis um seine Zukunft. Häppchenweise verteilt der Nationaltorwart seitdem neue Informationen über seinen neuen Verein. Eine einzigartige Geheimniskrämerei, die stark nach System stinkt. Zur Erinnerung:

»Da sind sehr gute Vereine bei, aber dazu sage ich nichts. Zumindest habe ich schon einen Favoriten im Kopf.« (5. April)

»Ich gehe davon aus, dass ich wieder Champions League spielen werde.« (7. April)

»Ich habe dort langfristig unterschrieben. Es ist ein Klub, der dauerhaft um den Titel mitspielen wird und finanziell nicht am Hungertuch nagt.« (10. April)

»Den Wechsel bekannt zu geben, überlasse ich meinem Verein.« (10. April)

Was wir bis jetzt wissen (dürfen) ist a.) Wiese verlässt Werder. b.) Er hat bereits bei einem anderen Klub unterschrieben. c.) Dieser Klub spielt in der nächsten Saison wahrscheinlich in der Champions League. d.) Wieses neuer Verein hat viel Geld und ist so gut, dass er Chancen hat, Landesmeister zu werden.

Was soll dieser Unfug? Selbstverständlich haben auch die Medien eine Teilschuld, schließlich wird Wiese mit Fragen über seinen neuen Arbeitgeber regelrecht überschüttet. Allerdings kennt auch Wiese die Schachzüge, um der Informationsgeilheit Einhalt zu gebieten. Ein kurzes »Über meine Zukunft werde ich mich zu diesem Zeitpunkt nicht äußern« wäre vollkommen ausreichend gewesen. Stattdessen gibt Wiese dem Affen Zucker und spannt damit die Öffentlichkeit ganz gezielt auf die Folter – selbst wenn der die Zukunft des Torhüters piepegal ist. Um Wieses Fragezeichen kommt man als Fußballfan in diesen Tagen nicht herum.

Maren Gilzer schiebt jetzt Überstunden

So ist gekommen, was kommen musste: Die Medien drehen am großen Glücksrad und Maren Gilzer muss Überstunden schieben. Der AC Mailand, Real Madrid und Schalke 04 sind bereits als mögliche Kandidaten genannt worden, Schalkes Manager Horst Heldt musste sich gar gegen die Spekulationen wehren (»Das nervt mich«), um seine eigenen Torhüter in Schutz zu nehmen (»Die lesen auch Zeitung«). Und auch Wieses Noch-Arbeitgeber Bremen hätte allen Grund dazu, sich über den Gerüchte-Koch aufzuregen, tat das aber bislang noch nicht. Trainer Thomas Schaaf reagierte gewohnt gelassen. Angesprochen auf Wieses Wechselspielchen antwortete Schaaf: »Ja, das habe ich registriert.« Mehr nicht.

Tim Wiese, der Mann hinter der weißen Wand, hat sich übrigens noch einmal zur Sachlage geäußert. »Ich kommentiere das nicht«, zitierte »Spiegel Online« den Torwart am Mittwoch. »Das ganze Thema nervt mich nur noch.«

Das, lieber Tim Wiese, sind die Geister, die Sie selbst gerufen haben.

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