26.06.2014

Tim Howard, Weltklassetorwart mit Tourette-Syndrom

»...and he says: Fuck you!«

US-Keeper Tim Howard hat das Tourette-Syndrom. Kann man damit professionell Fußball spielen? Sehr gut sogar!

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imago

In der 44. Minute hätte sich in Manaus alles drehen können. Die Portugiesen führten mit 1:0. Tim Howard, der Keeper der Amerikaner, lenkte einen Schuss der Portugiesen an den linken Pfosten, der Ball prallte ab, genau auf Portugals Eder. Die rechte Hälfte des Tores war frei, Howard rappelte sich hoch und bewegte sich dorthin.

Der Reflex gegen Portugal

Doch Eder schoss hoch, gegen Howards  Laufrichtung. Der Torwart trippelte, stieß sich mit dem rechten Bein ab und riss in Sekundenschnelle den linken Arm hoch. Mit letzter Kraft, den Körper schon im Fallen, wischte Howard den Ball übers Tor. »Sensationell, übernatürlich«, riefen die Kommentatoren. Ein 0:2 – und die USA wären wohl nicht mehr zurückgekommen. Tim Howard hielt Klinsmanns US-Team im Spiel - mit einem unglaublichen Reflex.

»Ich habe mit 18 oder 19 Jahren verstanden, dass ich bestimmte Bewegungen schneller drauf habe als andere und dass diese Reflexe mit meiner Erkrankung zusammenhängen«, sagte Howard vor gut einem Jahr im Interview mit dem »Spiegel«. Der Torwart leidet am Tourette-Syndrom, einer Verhaltens- und Emotionsstörung. Es komme vor, dass sein Arm oder ein Auge während des Spiels heftig zucken. Mediziner nennen dies einen »Tic«. Doch: »Sobald es vor dem Tor ernst wird, habe ich keine Zuckungen, da gehorchen meine Muskeln.«

Der Trainer schätzt seine umgängliche Art

In den Vereinigten Staaten ist der Umgang mit Howards Tourette-Syndrom entspannt, sagt er. Die Mitspieler machen ihre Späße, doch der Torwart nimmt es mit Humor und kontert mit Bemerkungen über deren Macken. Nicht selten reagieren die amerikanischen Fans auf die unglaublichen Paraden ihres Schlussmannes mit dem doppeldeutigen Ruf in Richtung der Gegner: »We've got Tim Howard. And he says: ›Fuck you‹.«

Das Fluchen und der Gebrauch von Schimpfwörtern gehören zwar zu den landläufig bekanntesten Merkmalen der Krankheit, doch Howard hat damit keine Probleme. Im Gegenteil: Mitspieler und Trainer schätzen seine ruhige, umgängliche Art.

 
 
 
 
 
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