03.05.2013

Ticketbörse Viagogo spaltet Klubs und Anhänger

Tickets aus der Grauzone

Seite 2/3: Viagogo als kleineres Übel?
Text:
Matthias Wolf
Bild:
Imago

Viagogo ist in 28 Ländern aktiv; eine riesige Karten-Krake, die exakte Zahlen über Umsatz und Gewinne verheimlicht. Roest sagt, man verkaufe Jahr für Jahr mehrere hundert Millionen Tickets. Die Seite der Firma ist eine Plattform, auf der meist anonyme Verkäufer Karten für Veranstaltungen jeglicher Art vom Barbra-Streisand-Konzert bis zum Zweitligaspiel anbieten. Nicht selten wird für solche Karten das Zehn- bis Zwanzigfache des normalen Preises verlangt. Viagogo verdient dabei jedesmal mit. Vom Verkäufer kassiert die Firma zehn Prozent Gebühr, vom Käufer 15 Prozent.

Zweifellos tummeln sich auf diesem Portal professionelle Schwarzhändler. Früher haben die Fußball-Vereine solche Internet-Tickethändler verklagt – auch deshalb verstehen viele Fans nicht, warum nun Geschäfte mit Viagogo gemacht werden. Viagogo unterhält mit neun deutschen Erst- und Zweitligisten offizielle Partnerschaften. In den Verträgen fordert Viagogo Exklusivität im Ticketweiterverkauf. Auf Schalke musste deshalb eine Ticket-Tauschbörse von Fans für Fans geschlossen werden. Künftig läuft es so: Der Klub gibt 300 Karten für zehn Heimspiele an den Händler, der danach selbst als Verkäufer auftritt. Für die Karten darf er vertraglich geregelt maximal den doppelten Preis verlangen.

Zusätzliche Einnahmequelle für die Vereine

Einige Klubs nutzen so ganz offen die Chance, auf dem finanziell eigentlich ausgereizten Markt der Eintrittsgelder doch noch zusätzlich zu verdienen, »über Sponsoring oder Kartenverkäufe über Viagogo, an denen die Klubs beteiligt werden«, weiß der Ticketmanager Nicolaus Pham, der auch schon für DFB und Uefa in diesem Segment tätig war. Pham sagt auch, in gewisser Weise würde so »aus dem Schwarzmarkt ein zusätzlicher Vertriebskanal« für die Vereine. Schalkes Marketing-Vorstand, Alexander Jobst, formuliert es so: Der Ticketmarkt im Internet wachse immer weiter, die Klubs könnten ihn kaum noch bekämpfen. »Weshalb wir mit der größten Ticketonlinebörse eben diese Partnerschaft eingehen – um ein Stück weit auch eine Kontrolle in diesem Markt bekommen zu können.« Viagogo als kleineres Übel?

In Dortmund sieht man, welche Auswüchse der Kampf um die Tickets treiben kann. Dort prügelten sich Fans unlängst vor der Geschäftsstelle um die letzten tausend frei verkäuflichen Karten. Zeitgleich wurden bei Viagogo mehr als 2000 Tickets angeboten – zu Preisen ab 250 Euro und bis weit über 1000 Euro. Borussia Dortmund hat sich von Viagogo distanziert und erklärt, dem Händler keine Karten verkauft zu haben. Wie also kommen dann so viele Tickets auf die Seite?

Matthias Saathoff ist Vorsitzender des 1100 Mitglieder zählenden BVB-Fanklubs Deutschland. Er arbeitet in seiner Heimat Ostfriesland als Detektiv und sagt: »Viagogo hat dem Schwarzmarkt das Schmutzige genommen und ihn auf die heimische Couch, an den eigenen Computer, verlagert. Kein Schwarzhändler muss sich mehr bei Wind und Wetter vors Stadion stellen und riskieren, erwischt zu werden.« Käufer und Verkäufer bleiben anonym, anders als zum Beispiel bei Ebay.

 
 
 
 
 
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