Thomas Tuchel vs. DFB

Der Kampf gegen die dunklen Mächte

Thomas Tuchel wettert gegen die Schiedsrichter und den DFB – wieder einmal. Ein Kommentar über die Parallelen zur Kreisliga und mögliche Verschwörungen um Yoko Ono.

Die Wahrnehmungen von Spielen können vor allem in den unteren Ligen weiter auseinander liegen als der Mond und die Sonne. Während der Trainer des Heimteams ein Chancenverhältnis von 20:4 für seine Mannschaft ausmacht, konstatiert der Gästetrainer zum gleichen Spiel: »Die kommen ein Mal vors Tor und machen den rein.«

Nun kann man in der Bundesliga die Sicht auf die Ereignisse anhand von Videoaufzeichnungen leicht verifizieren. Das allerdings hindert so manchen Trainer der obersten Spielklasse nicht daran, die Litanei seiner Kreisklassen-Kollegen bedingungslos zu übernehmen. Wenn Holger Schwattinski in Diensten vom SV Untermurchingen eine 0:5-Niederlage mit »fünf glasklaren Abseitstoren« erklärte oder in Recklinghausen-Stuckenbusch nach einem ausgebliebenen Elfmeterpfiff die große CIA-Verschwörung gewittert wurde, schmunzelte der Beobachter über die Schrullen des unterklassigen Fußballs.

Jetzt kommt Thomas Tuchel und beweist: Absurdität kennt keine Liga.

Seine Mannschaft werde »krass benachteiligt«, sagte der Mainzer Trainer am Montag. In einer nicht mehr tolerierbaren Dimension und Häufigkeit habe es in letzter Zeit Entscheidungen gegen den FSV gegeben, führte Tuchel aus. Ob Schiedsrichterpfiffe oder Strafzahlungen – der Verband und sein Schiedsrichterwesen haben es wohl auf den Skalp der Mainzer abgesehen. Und nur Gott weiß, wer noch alles mit drin steckt – Scientology, der Papst oder gar Yoko Ono?

Tuchel mag seine Anklage zwar auf einige diskutable Entscheidungen der Schiedsrichter stützen können. Doch bleibt der Eindruck, dass er sich in seiner Rolle als Zorro verrannt hat. »Das muss aufhören«, sagte er in einem seiner letzten Kämpfe gegen die dunklen Mächte Ende 2011. Oder auch: »Im Umgang zwischen mir und den Schiedsrichtern wird es nie persönlich oder abfällig.« Um Sekunden später den Beweis anzutreten: »Das Verhalten des Vierten Offiziellen war unter aller Kanone.«

Eine erste Auswertung von Indizien und Hinweisen aus der Bevölkerung muss Tuchel dann am Montag zu seinem schockierenden Verdacht hinsichtlich der Gründe für die Benachteiligung geführt haben: »Ich habe die Vermutung, dass das an mir liegt«, sagte er am Montag.

Irgendjemand muss Tuchel gesteckt haben, dass er nicht in der Beliebtheitsskala der Schiedsrichter steigt, wenn er sie öffentlich angreift oder am Seitenrand angeht. Tuchels Reaktion am Montag: Er griff die Schiedsrichter öffentlich an. Sympathien sollten zwar nie die Entscheidungen eines Schiedsrichters oder Verbandes beeinflussen, doch es gibt neben dem DFB-Regelwerk eben noch ein ungeschriebenes Gesetz, das die »New Radicals« mal besungen haben: »You only get what you give«.

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