TeBe trennt sich von seinem Sponsor

Die Schuldigkeit getan

Vor dem Aufstieg in die Regionalliga trennt sich Tennis Borussia Berlin von seinem bizarren Hauptsponsor – der Verbindungsmann sitzt im Gefängnis. Er hat laut Urteil seinen damals achtjährigen Sohn sexuell missbraucht. TeBe trennt sich von seinem Sponsor
Heft #88 03/2009
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Der Aufstieg ist so gut wie geschafft, ein Punkt im Heimspiel am Freitag trennt Tennis Borussia noch von der Regionalliga. Aber wie wird eigentlich der Hauptsponsor gratulieren? Der Verein hat schließlich nur einen Verbindungsmann zur Treasure AG, den Mitinhaber Thomas Thiel. Er kann jedoch am Freitag nicht ins Mommsenstadion kommen. Er kann nicht einmal ein Fässchen Bier vorbeischicken oder ein Glückwunschtelegramm senden. Thiel sitzt jetzt im Gefängnis, am Anfang einer dreijährigen Haftstrafe. Er hat laut Urteil seinen damals achtjährigen Sohn sexuell missbraucht.

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Am Mittwoch ist der Verein Thiel ganz offiziell losgeworden. Tennis Borussia hatte Thiels Anwalt gebeten, seinem Mandanten im Gefängnis auszurichten, er möge doch auf seinen Posten im Aufsichtsrat verzichten. Diesem Wunsch hat Thiel entsprochen und gleich auch noch seinen Vereinsaustritt erklärt. Von seinem Sponsor Treasure AG wird sich der Verein zum Saisonende trennen. Der Deutsche Fußball-Bund hat Tennis Borussia auch schon einen besorgten Brief geschrieben. Von der Regionalliga an übernimmt er die Lizenzierung der Vereine. »Wir haben uns an den Verein mit der Bitte um Aufklärung gewendet«, sagt Sprecher Stephan Brause.

Die wird der Verband wohl schnell bekommen. »Wir beschäftigen uns seit langem mit der Akquise von neuen Sponsoren und stehen auch kurz vor Vertragsabschluss mit einem neuen Brustsponsor«, sagt der Vereinsvorsitzende Mario Weinkauf. Der Gesamtetat von 1,3 Millionen sei jedenfalls gedeckt. 500 000 Euro hatte die Treasure AG dem Verein pro Saison seit 2007 überwiesen.

»Der Treasure AG ging es um ein Risikoinvest«

Mit der Trennung von der Treasure AG geht ein besonders bizarres Kapitel im deutschen Fußball-Sponsoring zu Ende. Die Treasure AG wollte schließlich öffentlich nicht in Erscheinung treten und tauchte dann doch auf dem Trikot auf. »Der Treasure AG ging es um ein Risikoinvest«, sagt Peter Antony, der ehemalige Präsident des Klubs und Geschäftsführer der TeBe Sportmarketing GmbH. Die Treasure AG hätte mit Tennis Borussia Geld verdienen wollen, wenn der Klub in einer höheren Liga angekommen wäre. Und warum die Werbung auf den Trikots? »Sie haben das einfach noch mitbezahlt, weil es keinen anderen Sponsor dafür gab«, sagt Antony.

Wie das Unternehmen sein Geld verdient, das kann der Klubvorsitzende Mario Weinkauf immerhin ungefähr sagen: »So weit wir wissen, ist es ein Consulting-Unternehmen, das berät und vermittelt.« Weinkauf war gemeinsam mit der Treasure AG zu Tennis Borussia gekommen, denn zuvor war Weinkauf Präsident beim Konkurrenzklub BFC Dynamo. Auch dort hatte er die Treasure AG ins Boot holen wollen, doch er scheiterte damit am Protest der Mitglieder.

Dann holte Antony beide zum Klub nach Charlottenburg. Der Sponsor sei einer genauen Prüfung unterzogen worden. Außerdem könne man im Amateurfußball nicht immer so wählerisch sein, woher man sein Geld nehme. »Wenn Scientology käme, würden wir nicht ja sagen. Aber ich würde gerne mal wissen, was der Berliner Senat sagt, wenn Goldman Sachs ihnen ein Milliardeninvest anbietet«, sagt Antony. Mit ihrem Sponsor seien sie jedenfalls immer zufrieden gewesen. »Die Treasure AG ist ihren Verpflichtungen in vollem Umfang nachgekommen«, sagt Antony.

Kurios war die Verbindung jedoch auch deshalb, weil Tennis Borussia schon einmal mit einem Sponsor auf die Nase gefallen war. Die Göttinger Gruppe stieg 1995 ein und investierte insgesamt 70 Millionen Mark, um den Klub in die Bundesliga zu führen. Das hätte auch beinahe geklappt, nur hatte die Göttinger Gruppe die Spieler mit so viel Grundgehalt zugeschüttet, dass ihnen die letzte Motivation zum Gewinnen fehlte. Trainer Winfried Schäfer bekam die Mannschaft nicht in den Griff, und den Trainer vorzeitig rauszuwerfen, das war selbst der Göttinger Gruppe zu teuer: Vier Millionen Mark Abfindung hätte Schäfer kassiert. Inzwischen ist die Göttinger Gruppe insolvent.

Aus der Liaison mit der Göttinger Gruppe hätten sie schon gelernt, sagt Antony: »Die Treasure AG hat sich aus allem herausgehalten. Die haben nur einen Posten im Aufsichtsrat besetzt.« Und außerdem haben sie ihr sportliches Ziel so gut wie erreicht. Ein Unentschieden gegen den Tabellenfünften LFC Berlin sollte am Freitag zu schaffen sein.

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