Taktikschule: Spanien vs. Italien

Kampf der Systeme

Bereits in der Vorrunde standen sich Spanien und Italien gegenüber. Das mitreißende Spiel zu Beginn des Turniers offenbarte zwei völlig unterschiedlich ausgerichtete Teams. Hier Kurzpässe, dort lange Bälle, hier ein »falscher Stürmer«, dort eine potenzielle Dreierkette - wir blicken auf die wichtigsten taktischen Begleiterscheinungen vor dem EM-Finale.

Das Endspiel ist auch ein Kampf der Systeme. Hier die kurzpassenden Spanier um Xavi, der – wenig überraschend – bislang die meisten Pässe aller Spieler bei dieser EM gegeben hat. Dort die Italiener, die mit langen Vertikalpässen dem Gegner keine Chance bieten, nach einem Ballgewinn aus einer guten Position einen eigenen Angriff zu starten. Quer- und Rückpässe gibt es bei ihnen kaum, nicht nur Andrea Pirlo versucht meist, direkt in die Spitze zu spielen. Die Italiener verlieren bei diesen Risikopässen häufiger den Ball als der Gegner, es sind dann aber acht Italiener hinter dem Ball.

Vorne sind zwei Stürmer, Antonio Cassano und Mario Balotelli, so hat kein anderes Team bei diesem Turnier gespielt. Balotelli sucht etwas weiter in der Spitze mit horizontalen Läufen die Lücken für die langen Pässe. Eher auf den Flügeln direkt anspielbar ist der leicht zurückgezogene Cassano, die beiden Angreifer bieten durch ihre Laufarbeit immer eine Möglichkeit für ein Zuspiel. Das mitreißende 1:1 beider Teams in der Vorrunde war auch deshalb hochinteressant, weil die Italiener mit einer Dreierkette in der Abwehr und den aufgerückten Außenverteidigern den Spaniern im Zentrum den Raum für ihr Tika-Taka nahmen.

Die auch im Finale mögliche, aber in den anderen Spielen nicht praktizierte Dreierkette hat allerdings den Nachteil, dass Raum auf den Außenbahnen bleibt, in den die vorstoßenden spanischen Außenverteidiger für die in die Mitte drängenden David Silva und Andres Iniesta laufen können. Sie (oder ein Außenstürmer wie Pedro oder Jesus Navas) unterstützen den zentralen Stürmer oder den im Sturmzentrum auftauchenden Cesc Fabregas, falls die Spanier sich ohne echten Angreifer aus dem Mittelfeld zum Titel durchkombinieren wollen.

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