Taktikanalyse: VfL Wolfsburg - FC Bayern München
13.08.2011

Taktikanalyse: VfL Wolfsburg - FC Bayern München

Magath mag es englisch

Mit einem Tor in buchstäblich letzter Minute wenden die Bayern gegen Wolfsburg die große Krise ab. War es die Rückkehr der Dusel-Bayern oder ein taktisches Glanzstück von Jupp Heynckes? 11FREUNDE-Taktikexperte Tobias Escher wirft einen genauen Blick auf das Spiel.

Text:
Tobias Escher
Bild:
Imago/spielverlagerung.de

Die erste Halbzeit gehörte den Wolfsburgern. Defensiv zeichneten sie sich durch viel Aggressivität und Kampfkraft aus. Ihre Offensivstrategie war simpel gestrickt: Wahlweise Kjaer oder Schäfer spielten lange Pässe nach vorne, welche die stämmigen Stürmer Mandzukic und Helmes gewinnen und verarbeiten sollten.



Obwohl Kick’n’Rush unter Fans und Experten größtenteils verpönt ist heutzutage, war es gegen das Münchner Star-Ensemble ein wirkungsvolles Mittel. Die Münchner Leidensgeschichte mit hohen Bällen ist lang in den letzten zwei Saisons – erst letzte Woche fügte Gladbachs de Camargo ihm ein weiteres Kapitel hinzu.

Selbst wenn Badstuber und Boateng die Kopfballduelle gewannen, war der zweite Ball doch stets in den Wolfsburger Reihen. So wurde auch in der 39. Minute ein Eckball nicht gut geklärt, der daraus resultierende Treffer von Helmes wurde fälschlicherweise nicht anerkannt. Lange Bälle und viel Grätschen – Magath nutzte erfolgreich alte, englische Tugenden.

Bayerns Offensivprobleme und Heynckes Umstellungen

Über einen Pausenrückstand hätten sich die Bayern also nicht beschweren können. Ihr Spielaufbau war darauf ausgelegt, viel über die Außen zu kommen. Hier war allerdings kein Durchkommen: Magath ließ auf beiden Seiten mit zwei bis drei Mann verteidigen. Sowohl die äußeren Mittelfeldspieler als auch die Sechser halfen den Außenverteidigern.

wob

Die Bayern versuchten es oft über die Außen und selten durch die Mitte. Bayerns 4-2-3-1 System bot gegen Magaths 4-4-2 in der Theorie einen freien Mann im Zentrum. Da Schweinsteiger und Kross jedoch immer wieder auf die linke Flanke abdrifteten, wurde diese Zone nicht ausreichend genutzt.

Erst mit dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit änderte sich das Bayern-Spiel. Heynckes stellte sein System um: Schweinsteiger wurde nun mehr im Zentrum eingesetzt. In vielen Situationen ging er neben Toni Kroos, so dass das bayrische 4-2-3-1 System oft zu einem 4-1-4-1 wurde.

Auch wurde nun nicht mehr so oft der langsame Spielaufbau über die Außen gesucht, da die Bayern versuchten, mit langen Flankenwechseln Lücken zu erzeugen. Dies belebte ihr Spiel.

Last-Minute-Bayern

Wolfsburg wurde mehr und mehr hinten reingedrängt. Ribery und Müller griffen die gegnerischen Außen- und Innenverteidiger energischer an, so dass ihre langen Bälle unpräziser wurden.

Einzig das Herausspielen von Chancen war ein Problem für die Münchner. Gomez war in der Sturmspitze verloren, fand mit nur 13 Ballkontakten nie ins Spiel. Als Wolfsburg in den letzten 20 Minuten die Mitte schloss, indem Mandzukic sich tief fallen ließ, gerieten die bayrischen Offensivbemühungen ins Stocken.

Als Fans beider Seiten sich auf ein 0:0 eingestellt hatten, gelang Luiz Gustavo das entscheidende Tor. Die Wolfsburger Defensive rechnete scheinbar mit einer Flanke und ließ den Rückraum gänzlich unbesetzt. Der einzig gröbere Fehler einer sonst tadellosen Defensive wurde von den Bayern eiskalt ausgenutzt. Die Last-Minute-Bayern sind zurück.

----
Ballbesitzstatistiken, Spielfeldmatrixen und taktische Formationswechsel - für manche Fans ein rotes Tuch, für Tobias Escher eine Leidenschaft. Zusammen mit seinen Kollegen analysiert er die Taktik der Bundesligisten auf dem Blog Spielverlagerung.de.

Nur Text
Nur Bild
 
 
 
 
 
 
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden