Taktikanalyse: Borussia Dortmund - Hamburger SV
08.08.2011

Taktikanalyse: Borussia Dortmund - Hamburger SV

Intensives Pressing

Wieso war der BVB immer ein bisschen schneller am Ball? Warum hatte der HSV Probleme im Spielaufbau? An dieser Stelle analysiert unser Taktikexperte Tobias Escher von spielverlagerung.de das Topspiel des Bundesligaspieltags.

Text:
Tobias Escher
Bild:
Imago/spielverlagerung.de

Der BVB machte so weiter, wie man ihn aus der Meistersaison kennt. Markenzeichen des Spiels ist die hohe Laufbereitschaft, die sich taktisch im intensiven Pressing spiegelt: Auf dem ganzen Platz greifen die Dortmunder ihre Gegenspieler an und versuchen so, das gegnerische Aufbauspiel geschickt zu stören. Das wird nicht nur mit Ballgewinnen in der gegnerischen Hälfte belohnt, sondern zwingt den Gegner auch zu unkontrollierten langen Bällen.



Wichtiger Bestandteil dieser Ballgewinnstrategie ist das so genannte Gegenpressing, was das direkte Attackieren eines Gegenspielers nach eigenem Ballverlust meint. Dass der BVB oft mit drei Spielern auf engstem Raum kombiniert, hat den zusätzlichen Effekt einer Überzahl in Ballnähe bei Ballverlust. So kann der ballgewinnende Gegner sofort unter Druck gesetzt werden.

Die HSV-Defensivtaktik war zu löchrig

Der Unterschied im Pressing zwischen beiden Teams war augenfällig. Der HSV stand in der eigenen Hälfte. Attacken gegen die gegnerischen Innenverteidiger gab es keine. Ein Team betreibt intensiv Pressing und das andere nicht – ein oft gesehenes Schema bei Spielen zwischen einem Außenseiter und einem klaren Favoriten.

BVB

Der HSV ließ den BVB agieren. Die Hamburger Defensivtaktik war jedoch zu löchrig, um gegen kombinationssichere Dortmunder möglichst lange ein 0:0 halten zu können.

Die Hamburger reihten sich defensiv in einer 4-1-4-1 Formation auf.  Dieses System bietet mit drei zentralen Mittelfeldspielern theoretisch die Möglichkeit, das Zentrum dicht zu machen. Die zwei vorderen Spieler, Guerrero und zumeist Kacar, attackierten die Dortmunder Doppelsechs. Der zurückgebliebene Mittelfeldakteur sollte zwischen den beiden Viererketten den Raum für Kagawa verengen.

Löcher wie vor dem 2:0 sind selten zu finden

Diese Spielidee ging nicht auf. Marcel Jansen sagte nach dem Spiel: »Die Dortmunder gehen von den Außenpositionen immer nach innen und kreieren Überzahlsituationen.« Götze und Großkreutz nutzten mit ihren Läufen in die Mitte geschickt aus, dass der Abstand zwischen der Viererkette in der Abwehr und im Mittelfeld zu groß war. Löcher in der Zentrale wie vor dem 2:0 sind in der Bundesliga selten zu finden.

Auch auf den Außenpositionen hatten die Hansestädter Probleme. Dort arbeitete Elia, der mit Töre oft die Flanken wechselte, nicht gut mit nach hinten. Seine Auswechslung zur Halbzeit war auch ein Eingeständnis Oennings, dort zu viel Druck zugelassen zu haben. Die Außenverteidiger mussten zu weit rausrücken, um die oft aufrückenden Löwe und Piszczek zu übernehmen.

Überzahl im offensiven Zentrum und auf den Flanken

Der BVB drückte dem Spiel seinen Stempel auf. Das Offensivspiel des HSV fand aufgrund eigener Einfallslosigkeit und des starken Dortmunder Pressings nicht statt. Nach 50 Minuten war das Spiel bereits entschieden. Individuellen Fehlern beim 0:1 (Diekmeiers Rückwärtsbewegung) und kollektivem Versagen beim 0:2 folgte eine grandiose Kombination der Borussen zum 0:3.

Der Anschlusstreffer war nur Ergebniskosmetik. Der HSV machte zu viele taktische Fehler, um einen Meister in bestechender Frühform zu gefährden.

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Ballbesitzstatistiken, Spielfeldmatrixen und taktische Formationswechsel - für manche Fans ein rotes Tuch, für Tobias Escher eine Leidenschaft. Zusammen mit seinen Kollegen analysiert er die Taktik der Bundesligisten auf dem Blog Spielverlagerung.de.

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