Swansea in der Premier League – 10 Dinge über Wales

Als die Axt noch Ohren biss

Mit dem FC Swansea wird in der nächsten Saison zum ersten Mal in der Geschichte ein walisischer Verein die Premier League beglücken. Man darf gespannt sein, schließlich hat man dem kleinen Königreich fußballerisch schon so einiges zu verdanken... Swansea in der Premier League – 10 Dinge über Wales

1.
Rockin Robin

Wer immer noch glaubt, dass Maskottchen im Fußball so unnötig sind wie ein Kropf, denkt wahrscheinlich in erster Linie an Herthinho, den Berliner Körperklaus in Bärengestalt, der stets goleolesk seine Hose im Schrank vergisst und sein gesamtes Dasein auf sinnloses Rumlümmeln im Stadionrund beschränkt. Weitaus aktiver gab sich da doch Rockin Robin, das ehemalige Maskottchen des Wrexham FC. Der überdimensionierte Vogel tat stets sein Möglichstes, um die Spieler des gegnerischen Teams mit seiner bloßen Präsenz aus der Fassung zu bringen. So tauchte der walisische Piepmatz stets dort auf, wo dem Gegner ein Einwurf zugesprochen wurde. Sicherheitsabstand? Geschenkt! Unterstützt wurde Robin dabei von seiner eiligst ausgebrüteten Maskottchen-Gattin (Tina Turfit) und seinem Sohn Robinson. Für besonders nervenstarke Gegner schwang sich Rockin Robin zudem auf ein winziges Fahrrad, mit welchem er in aufreizender Manier um das Spielfeld kurvte. Dies führte dann schließlich soweit, dass Robin im Spiel gegen die Wycombe Wanderers vom Schiedsrichter des Platzes verwiesen wurde.

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2.
Sprachprobleme

Die walisische Sprache ist eine Sache für sich. Was in Wales selbst als Symbol für Autonomie von England gilt, versteht jenseits von Swansea und Cardiff kein Mensch mehr. So ist es wohl auch zu erklären, dass die Kameras des Sportsenders Setanta 2008 im Spiel der Englischen U21 gegen Wales voller Verzückung zwei walisische Fans einfingen, die ein Stoff-Schaf mit riesigen Augen ins Stadion mitgebracht hatten. Äußerst knuffig. Völlig unbemerkt blieb den Kameramännern scheinbar hingegen die unmittelbar hinter den Fans hängende walisische Flagge mit der Aufschrift »Twll Bin Dob Sais«. Was übersetzt gar nicht mehr unbedingt so knuffig rüberkommt: »Arseholes to the English.«

3.
Vinnie Jones

Keine Aufzählung über die Segnungen des walisischen Fußballs wäre komplett ohne die Erwähnung von Vinnie Jones, der walisischen Axt. Der walisische Selbstdarsteller, der sich gern und stets als harter Mann präsentierte, beschränkte seine Rolle dabei keineswegs nur auf den Fußballplatz. Auch abseits des Spielfeldes präsentierte sich der langjährige Wimbledon-Spieler kompromisslos. So biss er dem aufdringlichen Daily Mirror-Reporter Ted Oliver 1995 während einer Sauftour in Dublin kurzerhand in die Nase. Oliver selbst erwies sich jedoch als knallharter Presse-Profi. Als ein Augenzeuge nach dem Vorfall nach einem Arzt rief, erwiderte Oliver: »Nein, holt mir lieber einen Fotografen.«

4.
Gianfranco Zola

Obwohl Wales gerade einmal knapp 3 Millionen Einwohner zählt, ist die Zahl der hier geborenen Welt-Prominenz doch beträchtlich. So zählt zu den Söhnen des Landes nicht nur Batman-Mime Christian Bale und »Tiger« Tom Jones, sondern auch Rockröhre Bonnie Tyler.  Dass diese ein Herz für den Nachwuchs hatte, bewies sie in ihrem surrealistisch anmutenden Video ihres Hits „Total Eclipse of the Heart“, in welchem sie Edelfuß und Goldkehlchen Gianfranco Zola eine Betätigung jenseits des Strafraums ermöglichte. Nicht nur Zola, sondern seine ganze Schulklasse, die zu dem Zeitpunkt auf Klassenfahrt in England weilte, durfte in Tylers Video ihr schauspielerisches Talent zum Besten zu geben. Jedoch blieb es Zola vorbehalten,  gegen Ende des Musikvideos einer verdutzten »Schulleiterin« Tyler mysteriöse Anwendungshinweise im Bezug auf ihren Regenschirm glockenhell entgegen zu trällern.  Leider nur per Playback. What a heartache.

5.
Total Network Solutions

Jeff Stelling ist möglicherweise der beste Sportreporter des Vereinigten Königreichs. Er  genießt  ein solch hohes Ansehen, dass selbst vermeintlich politisch unkorrekte Aussagen seinerseits gefeiert werden dürfen. So rührte sich nicht einmal der Hauch eines Protests, als er ein Tor von Sheffield Wednesday-Spieler Guylain Ndumbu-Nsungu trocken mit der Aussage »Local Boy makes good« bedachte. Ein weiteres gern-zitiertes Highlight war Stellings Berichterstattung über die Mannschaft von Total Network Solutions, einem Team aus dem walisischen Nest Llansantffraid-ym-Mechain, welches seinen Namen einem aberwitzigen Sponsorendeal verdankte.  Vielleicht war es eine verbale Retourkutsche gegen die Ausmaße der Kommerzialisierung des Fußballs, vielleicht aber einfach nur der einfacheren Aussprache geschuldet, als Stelling nach einem Sieg von TNS bemerkte: »They'll be dancing in the streets of Total Network Solutions tonight!«. Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. Wir geben zurück nach Red Bull.

6.
Elefantenfriedhöfe

Während hierzulande bereits munter drauflos geflucht wird, wenn das heimische Stadion für ein Konzert von Pur zweckentfremdet wird, ist man im walisischen Barry wohl selbst mit deutschen Schmuserockern nicht zu schocken. Schließlich dient das heimische Jenner Park Stadium gleichzeitig auch als altehrwürdige Elefantenbegräbnisstätte eines am örtlichen Trinkwasser zugrunde gegangenen Zirkusdickhäuters. So jedenfalls der örtliche Mythos. Ob dies allerdings eine ausreichende Erklärung für die zeitweise Behäbigkeit und Schwerfälligkeit der Kicker von Barry Town bietet, bleibt dahingestellt.

7.
Ryan Giggs

Einer der zeitlosesten walisischen Fußball-Legenden aller Zeiten ist Ryan Giggs. Der unverwüstliche Giggs brachte es sogar fertig, Spassbremse Berti Vogts zu so etwas ähnlichem wie Humor zu animieren (»Giggs hat nur ein großes Problem, daß er kein Deutscher ist.«). Und dabei muss er noch nicht einmal an seine körperlichen Grenzen gehen. So bekannte Giggs Bruder Rhodri im Jahr 2009, dass Giggs, aufgrund gesundheitlicher Ängste, seit 7 Jahren nicht mehr gesprintet sei. Vielmehr schreite er nun. Reicht doch!


8.
Der »Wegschwimmer«

Der FC Swansea genießt im benachbarten Cardiff ähnliche Sympathiewerte wie die FDP in Bremerhaven. Kaum verwunderlich also, wenn das südenglische Derby somit oftmals in Gewalt ausartet, welche von den beiden Seiten natürlich jeweils mit diversen Legenden und Elogen auf die eigene Stärke bedacht wird. Eine Legende des Cardiff-Anhangs besagt, dass die gegnerischen Fans aus Swansea einst derart Mische bezogen, dass sie sich nur noch in die angrenzende Irische See retten konnten. Seitdem wird von Fans aber auch Spielern des FC Cardiff im Derby bei eigenem Torerfolg gern der Freischwimmer gemimt. Bevorzugte Melodie hierzu ist übrigens: »The lion sleeps tonight! (They swim away, they swim away…)«

9.
Podolskis Watschn

Spiele der deutschen Nationalmannschaft gegen Wales besitzen ungefähr den gleichen Glamourfaktor wie die Teilnehmerinnen von »Frauentausch«. Krampf und Arbeit statt Ballstafetten und Hackentrick. Zur Illustration die Ergebnisse der letzten 5 Aufeinandertreffen: 0-1, 2-0, 0-0, 1-0, 2-0. Dass diese undankbare Dienstleistung am deutschen Fußballfan der deutschen Mannschaft oftmals den letzten Nerv raubt, illustrierte 2009 eine Backpfeife von Podolski an Capitano Ballack. Zum Glück war es das letzte Spiel der Deutschen in der Qualifikation gegen Wales. Etwas anderes wäre aus gesundheitlicher Perspektive auch nicht zu empfehlen gewesen.

10.
Neville Southall

Wer Fußballer nur noch als modelnde Beaus mit Zahnarztgrinsen und perfektem Body-Mass-Index kennt, wird in Neville Southall, dem ehemaligen Keeper des FC Everton (1981-1997) und Rekordspieler der walisischen Nationalelf, wohl kaum einen Fußballer, sondern höchstens den kleinen Bruder von John Candy erkennen. Doch trotz seiner eher fülligen Statur gehörte »Big Nev« wohl zu den besten Torhütern seiner Zeit. Und das nicht durch Frittiertes und Kandiertes sondern durch harte Arbeit und Bodenständigkeit. So verzichtete er 1995, nach dem Gewinn des FA-Cups gar auf die anschließenden Feierlichkeiten, nur um den Abend mit seiner Frau und seinen Kindern verbringen zu können.

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