Durch ein 0:0 im Liberty Stadium schied seine Mannschaft aus. Die Blamage fand in der 78. Minute ein bizarres Sinnbild: Chelsea-Star Eden Hazard trat einem Balljungen in die Rippen, der sich in seinem Übermut, das Spiel verzögern zu wollen, auf den Ball geworfen hatte. Es sollte sich herausstellen, dass es der Sohn von Klubesitzer David Morgen gewesen war, der den großen Star die Selbstkontrolle verlieren ließ.
Der Finaleinzug ist der bislang größte Triumph in der Geschichte des Swansea City FC, das Schillerndste, Aberwitzigste, Beglückendste, was diese Maschine je ausgespuckt hat. »You pretty fucking blow me away«, sangen die Fans ihren Spielern in die Katakomben hinterher – »Ihr blast uns verdammt noch mal weg!« Und auch John van Zweden und David Morgan waren so außer sich vor Freude, dass sie in ihrer Loge Würdenträger abknutschten, die nicht rechtzeitig fliehen konnten. Endlich war der Swansea City FC so schön, wie sie ihn immer gesehen hatten. Lovely, lovely club.
Der Mittelfinger im Gesicht der Großen
Der Verein hat in seiner kurzen Premier-League-Geschichte bereits Manchester City, Liverpool und Arsenal besiegt, sein Wert wird mittlerweile auf 60 Millionen Pfund taxiert – das Zweitausendvierhundertfache dessen, was die fünf wackeren Fans vor elf Jahren investierten. Eine stattliche Gewinnmarge. Aber fragt man Morgan und van Zweden im Zimmer des »Dragon«, wie ihre Antwort ausfallen würde, wenn ihnen ein Scheich oder Oligarch den Verein eines Tages wieder abkaufen wollte, dann sagen sie gallig: »Fuck you very much!«
Der Swansea City FC ist der Mittelfinger im Gesicht des englischen Fußball-Kapitalismus. Hier wird aus wenig viel gemacht – in den Metropolen Manchester, Liverpool und London ist es bekanntlich allzu oft umgekehrt.
Ein Triumph im Pokalfinale am Sonntag wäre für den Verein der erste Titel überhaupt in seiner 101-jährigen Geschichte. Ebenso für Gerhard Tremmel, der bislang nur einen Titel verhindern konnte: Am letzten Spieltag der Bundesligasaison 2001/2002 machte er Bayer Leverkusen als Torwart der SpVgg Unterhaching durch zahllose Paraden zu „Bayer Vizekusen“. »Aber das soll nicht alles gewesen sein«, sagt er.
The ugly, ugly town
Im Londoner Wembley Stadion trifft der Swansea City FC nun allerdings auf den Viertligisten Bradford City. Und plötzlich sieht er sich einer weiteren neuen Situation gegenüber: Er geht als Favorit in dieses Endspiel. Zum ersten Mal wird er die Größe spüren, die er inzwischen erreicht hat, und die Last, die damit verbunden ist: Jetzt wäre eine Sieg keine Sensation mehr, er ist schlichtweg Pflicht. Die Traumerfüllungsmaschine, sie muss funktionieren.
Sollte die Mannschaft das Finale gewinnen, wird es ein großes Bankett geben, im »Grape & Olive«, einem Restaurant oben im Turm am Hafen. Mit Blick auf Swansea. Die ugly, lovely town.