24.02.2013

Swansea City vor dem heutigen League-Cup-Finale

Lovely, lovely club

Seite 2/4: Verrückte Präsidenten
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Kai Senf

Wobei David Morgan das für sich gar nicht beantworten kann. Er ist in Wales geboren und aufgewachsen. So lange er denken kann, ist Swansea City FC sein Klub. Was hätte sich daran je ändern sollen? Mit den Jahren hat er an Pfunden zugelegt und weiße Haare bekommen. Heue ist das 14-jährige Kind nur schwer noch in ihm zu erkennen, das an einem Spieltag der Saison 1977/78 auf der Tribüne des Vetch Field stand, damals die Spielstätte des Swansea City FC, und durch die dürftig zusammengetackerte Stadionzeitung blätterte. Es war der Tag, an dem er eine Annonce entdeckte: »Pen Pal Wanted!« – Brieffreund gesucht! Er riss sie heraus und steckte sie in sein Portemonnaie. Noch am Abend schrieb er dem Jungen aus den Niederlanden, der auf den bizarren Gedanken gekommen war, das Stadionheft einer viertklassigen Mannschaft für eine Kontaktanzeige auszuwählen. »Ich musste es tun«, sagt David. »Schon allein, um zu erfahren, wer dieser Vogel ist.«

Der Junge war John van Zweden. »Ich dachte, bei einem kleinen Klub freuen sie sich mehr, wenn jemand mit ihnen befreundet sein will«, sagt er. Und genauso kam es. 
Morgan half van Zweden nicht nur, sein Englisch aufzupolieren. Indem er ihm einmal in der Woche selbstverfasste Dossiers über seinen Klub schickte, machte er auch ihn zum glühenden Swansea-Fan.

Zwei Jahre nach dem ersten Brief setzte sich van Zweden in Den Haag ins Auto und fuhr nach Wales. »Er kam mit einem orangefarbenen Opel Ascona um die Ecke«, sagt Morgan. »Es war das hässlichste Auto, das ich je gesehen hatte. Aber das war nicht schlimm. Denn auf der Fahrertür war der riesige Swansea-Aufkleber, den ich ihm geschenkt hatte.«

Eine Stadionzeitung für 1000 Pfund

Sie zogen durch die Pubs in der Wind Street, in denen sich schon Dylan Thomas seine Heimat schön getrunken hatte. Sie angelten im Meer, allerdings ohne Erfolg. Manchmal studierten sie mit Kennerblick walisische Schmutzheftchen. Aus den Brieffreunden wurden Freunde fürs Leben und schließlich schwerreiche Eigentümer eines Erstligaklubs.

Gerade hat van Zweden für die letzte Stadionzeitung der »Swans«, die in seiner Sammlung noch fehlte, eine Ausgabe aus dem Jahr 1923, 1000 Pfund ausgegeben. Seine Frau erfahre von solchen außerplanmäßigen Belastungen des Familienkontos erstmal nichts, sagt er. Immer erst, wenn es schon zu spät sei.

So wie damals, als ihr Mann von seinem walisischen Kumpel David  Morgan angerufen und gefragt wurde, ob er mit vier anderen Verrückten nicht gleich den ganzen Verein kaufen wolle. 
Es war die Stunde Null des Swansea City FC, der Moment, da die schon kaputt geglaubte Maschine endlich wieder einen Mucks von sich gab. Drei Ligen ließ der Verein seither hinter sich, im Sommer 2011 drang er bis in die Premier League vor, als erster walisischer Verein überhaupt. Er gehört nun zu den Großen – was nicht heißt, dass er selbst plötzlich groß wäre.  
Das alte Vetch Field ist dem modernen Liberty Stadium gewichen. Und das Maskottchen Cyril, der Schwan, das sich einmal vor Gericht verantworten musste, weil es Zampa, den Löwen vom Millwall FC, mit einem Karatetritt niedergestreckt hatte, ist salonfähig geworden. Doch noch immer besteht die Mannschaft aus Namenlosen, die anderswo durchgefallen sind – zu klein, zu leicht, zu schlecht. 

 
 
 
 
 
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