27.07.2013

Swansea City: Außenstelle der Primera Division

Spanische Schwäne

Der Kader von Swansea City besteht zu knapp einem Drittel aus Spaniern. Durch seine schlaue Transferpolitik und ein stimmiges Spielsystem hat sich der walisische Emporkömmling eine Nische erschlossen.

Text:
Paul Hofmann
Bild:
Imago

Dem ersten Mal haftet eine bestimmte Erwartung an. So auch bei Miguel Pérez Cuestas erster Nacht in seiner neuen Heimat. Gewiss, Mrs. Eames hatte ihn freundlich Willkommen geheißen. Gerechnet hatte der Spanier dennoch mit einer anderen Delegation. Denn Mrs. Eames’ Verdienste um seinen neuen Klub beschränkten sich bis dato auf die Geburt und Erziehung von Michael Eames. Der ist Zeugwart von Swansea City. Cuesta, genannt Michu, nahm es klaglos hin. Und nächtigte im Haus der Mutter des Zeugwarts. Der Abgesandte Swanseas hatte ihn am Flughafen vergessen.

22 Tore und fünf Vorlagen später ist Michus klaglose Eingliederung eine hübsche Anekdote. Und die Verfehlung Nährboden für zwei Mysterien. Wie schaffte es ein Provinzklub von der südwalisischen Küste zum liebeswerten Underdog der Premier League? Und warum spielen sieben Spanier an einem Ort mit 200 Regentagen im Jahr?



Mit vier Spaniern zum Titel



Die »Swans« sind Sinnbild für den bescheidenen Sympathikus im hochkommerzialisierten Konzert der Großen. Der Klub teilt sich das »Liberty Stadium« mit einem Rugby-Team und das örtliche Trainingsgelände mit kletternden Studenten und tennisspielenden Geschäftsleuten – gelebte Sozialromantik. Wildfremde Menschen hätten ihm in der Umkleide schon auf die Schultern geklopft, berichtet der deutsche Ersatztorhüter Gerhard Tremmel: »Sie gratulierten mir zum letzten Sieg und fragten nach dem Befinden meiner Frau.«

Swansea City schafft es, finanzielle Vernunft mit sportlichem Erfolg zu paaren. Vor zehn Jahren konnte der Abstieg in die Fünftklassigkeit erst am finalen Spieltag abgewendet werden. In der Premier League ging es nach dem sensationellen Aufstieg 2011 mit dem kleinsten Etat der Liga auf die Plätze elf und neun. Seinen Gipfel erreichte der unvermutete Aufschwung im Februar. Die »Swans« gewannen den League Cup in Wembley. Das spektakuläre 5:0 im Finale über Bradford brachte die Schwäne in die Europa League. Ein Treppenwitz des britischen Fußballs.

Zu den Säulen der Waliser zählten vier Spanier: Defensivmann Chico Flores, statistisch einer der besten Verteidiger der Premier League, der ungemein lauffreudige Außenverteidiger Àngel Rangel, Flügelstürmer Pablo Hernández, der zehn Tore direkt vorbereitete, und eben Michu. Dessen Qualitäten waren aus seiner Zeit bei Rayo Vallecano bekannt, trotzdem bemühte sich nur Swansea ernsthaft um den großgewachsenen Stoßstürmer. Und machte mit 2,5 Millionen Euro Ablöse ein Schnäppchen. »Viele Vereinsbosse meinen, sie müssten ihren Club mit Geld zukleistern, um Erfolg zu haben«, spottete Swanseas Vorstandsvorsitzender Huw Jenkins. »Wir betrachten es als unsere Mission, diese Denkweise zu enttarnen.«

 
 
 
 
 
12
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden