Supertalent Christopher Buchtmann

Rafa snatched the kid

Die U17-EM in Deutschland ist für die Spieler wie ein Vorsprechen bei den europäischen Top-Klubs. Christopher Buchtmann braucht keinen Termin mehr. Er hat vor drei Wochen einen Profivertrag beim FC Liverpool unterschrieben. Supertalent Christopher BuchtmannImago Aufgewachsen in Hameln, führte Christopher Buchtmanns Weg aus der  Jugend von Borussia Dortmund an die Anfield Road. Nachdem er als 14-Jähriger zwei Jahre lang nach der Schule, vier Mal die Woche insgesamt sechs Stunden pendelte, entschied er sich im Winter 2008, Deutschland zu verlassen. Ein zweiwöchiges Praktikum beim FC Liverpool hatte den Deutschen überzeugt.

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Angekommen in Liverpool, jagte der Verein zum Auftakt gezielt eine Dosis Adrenalin durch die Venen des damals 16-Jährigen. Noch vor dem ersten Training stand der Besuch des Liga-Cup Spiels gegen Cardiff an der Anfield Road auf dem Programm. »When the fans start to sing, you don't know what to say«, sagte der Westfale in teutonischem Englisch nach dem Abpfiff und entschied sich, auf die Insel über zu siedeln.

»He is one of the most talented German players«

Die Homepage des englischen Traditionsklubs meldete anschließend: »Rafa snatched the kid Christopher Buchtmann, he is one of the most talented German players.« Ob Rafael Benitez ihn jemals an der denkwürdigen Fußballstätte auflaufen lassen wird, ist ungewiss. Zu viele junge Spieler scheitern in den Nachwuchslagern der großen Vereine.

Seine erste Spielzeit für Liverpools Junioren macht allerdings berechtigte Hoffnungen, dass er es schaffen kann. Nachdem er zum Auftakt der Spielzeit 2008/09 verletzungsbedingt passen musste, setzte sich Buchtmann durch und ist seitdem Stammspieler. Auch wenn er auf der für ihn ungewohnten Position des linken Verteidigers aufgelaufen ist, waren seine Leistungen so überzeugend, dass er Ende April, pünktlich zum 17. Geburtstag, mit einem Profivertrag beschenkt wurde.  

Sein bisheriges Auftreten bei der U17- EM liefert ebenfalls reihenweise Gründe dafür, dass er wie Rooney oder Fabregas, deren Stern einst beim selbigen Turnier aufging, die Kluft zwischen Jugend- und Profikader auf direktem Weg  überspringen kann.




Nach zwei Gruppenspielen bringt es der 1,72 Meter große Linksfuß auf ein Tor und vier Vorlagen und hat damit maßgeblich zu den beiden Siegen gegen die Türkei (3:1) und England (4:0) beigetragen. Allein sein 2:1 Führungstreffer gegen die Türkei sollte ausreichen, um Jogi Löws Puls aus dem Takt zu bringen. Gleich vier türkische Gegenspieler umkurvte Buchtmann, bevor er lässig aus kurzer Distanz einschob. Kurz darauf führte einer seiner stets gefährlichen Eckbälle zum 3:1 Endstand.

Gegen England untermauerte er seine überragende Form und bereitet drei der vier Tore vor. Buchtmanns Rolle in der Elf von Marco Pezzaiuoli ist eine andere als in Liverpool: Er agiert vornehmlich im offensiven Mittelfeld, wie zuletzt auch im A-Jugend-Team seines Heimatclubs HSC/BW Tündern, die er in der Rückrunde 2008 zum Aufstieg in die Regionalliga führte.

Bei Dortmund nach der Unterschrift bei den Reds nicht mehr wohl gelitten, überbrückte er im familären Umfeld die Wartezeit, bevor er seinen Dienst am Mersey-River antrat. Auf seiner angestammten Position kommen seine Stärken im Dribbling und dem Auge für den Mitspieler effektiver zur Entfaltung als in der Defensive. »Christopher hat schon immer im Mittelfeld gespielt und war in unserer Aufstiegssaison am Großteil der Tore beteiligt«, erinnert sich Tünderns Vorsitzender Marc Dühring.

Spekulationen über mögliche Auswirkungen der bis dato herausragenden Leistungen als Regisseur im DFB-Trikot blockt  Buchtmann ab, auch wenn er in Liverpool mit einer anderen Position als der des linken Verteidigers liebäugelt. »Damit beschäftige ich mich erst nach dem Turnier«, sagte er in der »Süddeutschen Zeitung«.

Letztendlich war es eine Besonderheit des englischen Scouting-Systems, die den FC Liverpool erst auf die Fährte des deutschen Talentes brachte. Englische Klubs dürfen auf der Insel nur im Umkreis von 50 Kilometern scouten. In Deutschland hingegen unterliegen sie keinen Beschränkungen, zum Leidwesen des BVB.

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