02.02.2013

Südafrikas Spätfolgen nach 2010

»Verdammte WM«

Seite 2/3: Nicht einmal Touristen kommen
Text:
Olaf Jansen
Bild:
Imago

Der Stadionbau hier symbolisiert wie vielleicht kein zweites Bauwerk all den Unsinn, den Südafrika im Zusammenspiel mit dem Fußballweltverband Fifa zur WM 2010 angerichtet hat. 100 Millionen Euro verschlang der Bau der 41.000-Zuschauer-Arena. In einer Region, in der es bis heute nicht geschafft wurde, die Bevölkerung komplett mit fließendem Wasser und Elektrizität zu versorgen. Wo Fußball traditionell nie eine Rolle gespielt hat. Wo sich der weiße Teil der Bevölkerung nur für Rugby und Cricket interessiert. Wo es im Fußball noch nicht einmal einen Zweit- oder Drittligaverein gibt.

Insgesamt rund sechs Milliarden Euro hat die WM Südafrika gekostet. Versprochen wurde dem Land ein riesiger Wirtschaftsschub, der ausgeblieben ist. Der Tourismus entwickelt sich seit 2010 sogar rückläufig, in Nelspruit registrierte die Hotel- und Safaribranche seither einen Umsatzrückgang von rund 30 Prozent. Das Weltturnier sollte zudem Südafrikas Fußball voranbringen. Von Grund auf sollten neue Strukturen nach europäischem Vorbild geschaffen werden. Mit Fußballvereinen, in denen schon die Kleinsten das Spiel lernen, und mit einem flächendeckenden System von Jungen- und Mädchenligen, die das Land am Kap zum fußballerischen Vorreiter des ganzen Kontinents pushen sollten.

Der »weiße Elefant«

Mazola und seine Kumpel spielen heute noch genauso auf ihrem kleinen staubigen Platz vor dem Stadion. Im Township gibt es viele solcher Jungengruppen, sie alle spielen ohne Anleitung, ohne Trainer. Wie vor sechs Jahren auch. Das teure Stadion ist zu einem klassischen »weißen Elefanten« geworden, wie nach Großereignissen ungenutzte Arenen genannt werden: Das Mbombela-Stadion steht an mindestens 350 von 365 Tagen im Jahr leer.

Zuletzt waren die Betreiber stolz, dass die Arena für ein Konzert der vor 20 Jahren populären britischen Reggae-Gruppe UB40 und als Zielbereich für einen Halbmarathon genutzt wurde. Derzeit laufen Verhandlungen mit dem Rugbyteam aus dem 150 Kilometer entfernten Witbank. Die »Pumas« sollen ihre Heimspiele ins Stadion von Nelspruit verlegen. Vielleicht klappt es. Wenn nicht, bleibt die Stadt auch weiterhin allein auf den Unterhaltskosten von rund 450 000 Euro jährlich sitzen.

Und was ist mit der versprochenen Fußballentwicklung Südafrikas? »Wir sind auf dem Weg«, sagt Danny Jordaan, 2010 Chef des südafrikanischen WM-Organisationskomitees. Zu Beginn des Afrika-Cups stellten Jordaan und Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke stolz den »Legacy Trust« vor, eine Ende 2010 ins Leben gerufene Stiftung zur nachhaltigen Fußballentwicklung Südafrikas. Rund 70 Millionen Euro vom Fifa-WM-Ertrag flossen damals in diesen Fonds, davon sind heute immer noch 45 Millionen übrig.

 
 
 
 
 
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