02.02.2013

Südafrikas Spätfolgen nach 2010

»Verdammte WM«

Das Stadion von Nelspruit symbolisiert wie vielleicht kein zweites Bauwerk all den Unsinn, den Südafrika im Zusammenspiel mit dem Fußballweltverband Fifa zur WM 2010 angerichtet hat. Morgen findet dort immerhin ein Viertelfinale beim Afrika-Cup 2013 statt

Text:
Olaf Jansen
Bild:
Imago

Mazola Kathlego wohnt nur 100 Meter vom Stadion entfernt, mit seinen Freunden spielt er oft im Schatten der Tribünen Fußball. Auf einem kleinen sandigen Feld, zwei Stöcke als Torpfosten. Vor vier Jahren, während der Vorbereitungen für die WM in Südafrika, ist er oft heimlich auf der Baustelle herumgeklettert, von innen hat er die Arena von Nelspruit aber noch nie gesehen. Heute ist Mazola zwölf Jahre alt und großer Fußballfan, beim aktuellen Afrika-Cup würde er gerne mal ein Spiel im Mbombela Stadium vor seiner Haustür besuchen. »Geht leider nicht«, sagt der Junge. Der Eintritt kostet umgerechnet gut vier Euro, so viel haben die Menschen hier nicht übrig, die Spiele in Nelspruit finden vor fast leeren Rängen statt.

Und auch mit der Weltmeisterschaft verbindet Mazola keine guten Erinnerungen. »Verdammte WM«, sagt Mazola. Das Stadion wurde damals sieben Kilometer außerhalb der Innenstadt von Nelspruit gebaut, mitten im Township Mataffin. Die Hütten der Menschen wurden abgerissen, auch Mazolas damaliger Kindergarten, der einer Grundschule angeschlossen war, musste weg. Die weiterführende Schule seiner drei Jahre älteren Schwester Amanda wurde ebenfalls geräumt, dort zog das Büro der Baufirma ein. Die Leute erhielten ein paar Euro Entschädigung, bauten sich neue Hütten weiter den Berg hinauf. Mazola und seine Freunde wurden monatelang in eilig aufgestellten Containern unterrichtet.

Leere Versprechen

Die Menschen von Mataffin schluckten das damals, schließlich erhielten viele von ihnen tatsächlich einen Job auf der Stadionbaustelle. Außerdem hieß es, es werde nicht nur Südafrikas Wirtschaft angekurbelt, sondern es entstünden für fußballbegeisterte Kinder wie Mazola bald auch Fußballvereine, mit richtigen Jugendmannschaften, die auf Rasenplätzen spielen würden. Nichts von all dem ist passiert. Seit das Stadion fertig ist, liegt die Arbeitslosenquote von Mataffin mit seinen rund 10.000 Einwohnern wieder bei 40 Prozent, wie zuvor. Einen Fußballverein gibt es nicht. Einen schönen Rasenplatz zum Trainieren schon gar nicht.

Nelspruit liegt ganz im Osten Südafrikas, etwa 370 Kilometer von Johannesburg entfernt. In der Umgebung werden Gold und Mangan abgebaut, die Stadt fungiert für Touristen als wichtiges Eingangstor zum Krüger-Nationalpark. Das milde Klima ermöglicht gute Landwirtschaftserträge, die Stadt wächst pausenlos, allein in den letzten sechs Jahren verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf derzeit geschätzte 250.000. Wie ein Ring ziehen sich die Blechhütten der stetig wachsenden Townships rund um die Stadt. Und die WM-Arena liegt wie ein riesiges gelandetes Ufo im grünen Talkessel.

 
 
 
 
 
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