Südafrika und die Erwartungshaltung

Wider die Klischees

Die Reaktionen auf die Massenpanik während eines WM-Testspiels in Johannesburg haben eines deutlich gemacht: Eine sichere und damit erfolgreiche Weltmeisterschaft traut die Welt Südafrika immer noch nicht zu. Südafrika und die Erwartungshaltung Panische Menschen, die sich gegenseitig fast zu Tode trampeln, Chaos an den Eingangstoren, überforderte Ordnungskräfte – die Szenen aus dem Testspiel zwischen Nigeria und Nordkorea in Johannesburg haben Beobachter an die schlimmen Stadionkatastrophen der Vergangenheit erinnert. Am Ende sind die Veranstalter im Makhulong-Stadion noch glimpflich davon gekommen. Wenn man das denn bei 15 verletzten Menschen sagen darf. Ein Todesopfer so kurz vor dem WM-Start ist Südafrika erspart geblieben, wenn auch nur knapp – eine Zuschauerin musste wiederbelebt werden.

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Die Folgereaktionen auf die Beinahe-Katastrophe kamen allerdings wie bestellt. Seit der Vergabe der WM nach Südafrika melden sich ja im Wochentakt Kritiker, die die organisatorische Kompetenz der Ausrichter vor allem in punkto Sicherheit anzweifeln. Uli Hoeneß (»Die Vergabe der WM nach Südafrika war eine der größten Fehlentscheidungen der FIFA.«) ist nur einer von vielen prominenten Mahnern. Eigentlich glaubt niemand, dass die Südafrikaner in der Lage sind so friedliche und stimmungsvolle Stadionerlebnisse zu ermöglichen, wie es vor allem die Deutschen 2006 hinbekommen haben.

Die FIFA sucht die Schuld beim Ausrichter

Das Unglück im Makhulong-Stadion war so knapp vor dem ersten Spiel Wasser auf die Mühlen derer, die noch immer glauben, die Vergabe nach Südafrika sei ein riesengroßer Fehler gewesen. Und die FIFA tut nicht gerade viel, um den Veranstaltern unter die Arme zu greifen. Sepp Blatter sagte nach den Tumulten in Johannesburg: »Wir bedauern den Vorfall, aber die Verantwortung für die Sicherheit liegt einzig beim Ausrichter.« Heißt: Hauen sich bei der WM irgendwo im Stadion zwei Fans die Nasen blutig, ist das allein die Schuld der Südafrikaner.

Südafrika wird in diesen Tagen vom eigenen Klischee eingeholt. Mag das Land in vielen Bereichen als eines der fortschrittlichsten Länder des Kontinents gelten, weltweit kennt die Öffentlichkeit vor allem das enorme Sicherheitsproblem, erschreckende Aids-Raten und den ewigen Konflikt zwischen schwarz und weiß. Und so ein Staat soll die nächste Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten? Wohl kaum.

Vielleicht hilft der Blick auf den deutschen WM-Sommer

Schade eigentlich, dass das Grundvertrauen in den kommenden Gastgeber so gering ist. Die einzige Chance, die Südafrika bleibt, ist tatsächlich das Turnier so farbenfroh, lautstark und vor allem sicher durch den WM-Monat zu leiten, wie es sich der Rest der Welt aktuell noch nicht vorstellen mag. Vielleicht hilft der Regenbogen-Nation der Blick zurück auf den deutschen WM-Sommer 2006. Da befürchtete man aufgrund der günstigen geografischen Lage Überfälle von Hooligan-Horden aus ganz Europa und machte sich aufgrund des allgemein gültigen Deutschland-Klischees (diszipliniert, aber sterbenslangweilig) auf ein ödes Turnier gefasst. Was wieder zeigt, wie viel man auf nervöse Prophezeiungen geben muss.

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