Südafrika scheidet nach Regel-Irrtum aus

Zu früh gefreut

Südafrikas Nationalmannschaft hat am Samstag die Qualifikation für den Africa Cup gefeiert, dabei war die Mannschaft bereits ausgeschieden. Mannschaft, Offizielle und Fans verstanden die Regeln nicht und protestieren nun gegen den Afrikanischen Verband. Südafrika scheidet nach Regel-Irrtum aus

Lars Olof Mattsson, der Trainer von Sierra Leone, hatte es nur gut gemeint, als er seinem Kollegen auf der Pressekonferenz zum Erreichen des Africa Cups gratulierte. Dem Kollegen Pitso Mosimane, Trainer von Südarfrika, war aber gar nicht nach Glückwünschen zumute, er begann ein minutenlanges Lamento über Regeln im afrikanischen Fußball. »Afrika ist ein Dschungel«, sagte er. Der Grund für Mosimanes Furor: Kurz zuvor hatten er und seine Mannschaft das Erreichen des Africa Cups ausgiebig gefeiert – unwissend, dass sie die Qualifikation in Wirklichkeit gar nicht geschafft hatten.

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Im entscheidenden Spiel der Qualifikation zum Africa Cup traf Mosimanes Mannschaft auf Sierra Leone. »Bafana bafana« hatte einen Punkt Rückstand auf Niger, den Tabellenführer der Gruppe G. Während es im Spiel der Südafrikaner lange Zeit 0:0 stand, sprach sich herum, dass Niger deutlich gegen Ägypten zurücklag. Südafrika hätte bei dieser Konstellation wie Niger und Sierra Leone neun Punkte auf dem Konto gehabt – allerdings das bessere Torverhältnis.

Torwart lässt sich für das Zeitspiel feiern

Für Fans, Offizielle und Spieler war dies das Zeichen: Wenn wir das 0:0 halten, dann sind wir sicher beim Africa Cup. Auch Trainer Mosimane setzte nun voll und ganz auf die Devise »Ergebnis halten«, er ließ seinen Stürmer Lehlohonolo Majoro auf der Bank und wechselte stattdessen einen Mittelfeldspieler ein. Südafrikas Torhüter Itumeleng Khune spielte fortan bei jedem Abschlag auf Zeit und machte aus seinem Vorhaben erst gar keinen Hehl: Er wandte sich zu den Fans und deutete mit dem Finger auf eine imaginäre Uhr an seinem Handgelenk.

Nach dem Abpfiff lagen sich Südafrikas Spieler in den Armen, der TV-Kommentator schrie unermüdlich: »South Africa has qualified«, 35.000 Fans jubelten. Als die Spieler auf einer Ehrenrunde tanzten, sendete der Verbandspräsident bereits via TV seine Glückwunschbotschaft. Die südafrikanische Tageszeitung »Sowetan« berichtet gar, dass manche Jubelfeiern bis in die frühen Morgenstunden andauerten. Doch mitten im großen Jubel sprach sich mehr und mehr herum, dass Südafrika gar nicht qualifiziert war. Laut Artikel 14 des Regelwerks zählt bei Punktgleichheit der direkte Vergleich – demnach war und ist nicht Südafrika, sondern Niger für den Africa Cup qualifiziert.

»Hört auf, uns zu blamieren«

Bei aller Häme für diesen Regel-Irrtum der Südafrikaner ist anzumerken, dass hierbei noch eine Besonderheit hinzukommt: So galt nicht der direkte Vergleich zwischen Südafrika und Niger (den hätte Südafrika nach einem 2:0-Sieg und einer 1:2-Niederlage gewonnen), sondern zwischen Südafrika, Niger und Sierra Leone (alle neun Punkte). Aus diesen insgesamt sechs Duellen ergab sich eine neue Tabelle, nach der Niger sechs Punkte, Südafrika und Sierra Leone allerdings nur fünf Punkte holten. Es bedurfte also einer Tabelle in der Tabelle zur endgültigen Klärung.

Die Blamage schmälern kann dieser Umstand nur bedingt, nicht nur wegen des verfrühten Jubels, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass der südafrikanische Verband nun offiziell Protest gegen das »unfaire Regelwerk« eingelegt hat. »Wir werden diese Interpretation und Auslegung der Regeln anfechten«, heißt es in einem Schreiben. Allerdings reagieren selbst in Südafrika viele darauf mit Unverständnis: »Hört endlich auf, unser Land zu blamieren«, sagt ein User in einem Internetforum, auf der Nachrichtenseite »Independent online« heißt es: »Anstatt die Regel anzufechten, sollten sich Mosimane und Südafrika lieber Gedanken über die eklatante Angriffsschwäche machen.«


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