Stromausfall beim Aufstiegsspiel (1)

Stimmen aus der Dunkelheit

Im Aufstiegsspiel zur Regionalliga lagen die Offenbacher Kickers mit 2:3 gegen den FC Memmingen hinten – als plötzlich das Flutlicht erlosch. Auch Kickers-Manager Klaus Gerster stand im Dunkeln. Imago
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»Im Ende der Saison 1996/97 belegten wir den zweiten Platz in der Oberliga Hessen. Das Relegationsspiel gegen den FC Memmingen aus der Oberliga Bayern würde sehr eng werden, soviel wussten wir – und dass die Kickers finanziell nicht in der Lage waren, noch ein weiteres Jahr in der Oberliga durchzustehen. Deshalb war die Anspannung auch bei den Verantwortlichen sehr groß. Aber wir hatten nicht das geringste Vorgefühl, welch ein Ereignis uns bevorstand.

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Memmingen war von Beginn an stark und ging bald in Führung. Wir hielten dagegen, so gut wir konnten, angefeuert von den 10?000 Fans, die mit uns ins Mannheimer Rhein-Neckar-Stadion gereist waren. Aber in der 78. Minute kassierten wir das 2:3. Das war ein Schock – als gleite uns die ganze Saison aus den Händen. Auf den Rängen herrschte Totenstille. Unsere Mannschaft spielte in der Folge extrem nervös, von Minute zu Minute schwand die Hoffnung auf ein sportliches Wunder. Doch dann kam die 89. Minute – und plötzlich saßen wir im Dunkeln. Das Flutlicht und alle Lampen im gesamten Stadion waren ausgefallen. Na gut, dachten wir, das dauert jetzt zwei Minuten, und dann geht es weiter. Ich habe diese Unterbrechung zunächst negativ interpretiert, denn dass wir danach noch ins Spiel zurückfinden würden, hielt ich für ausgeschlossen. Doch die Dunkelheit dauerte an. Die Stimmung war absolut gespenstisch. Wir standen auf dem Spielfeld beisammen, Memminger und Offenbacher, alles war eins. Wir hatten weder Taschenlampen noch sonstige Hilfsmittel. Über den Stand der Reparaturarbeiten waren wir nicht informiert, auch die Ursache des Stromausfalls war zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt. Irgendwann begannen die Kickers-Fans zu singen: »Wir wollen ein neues Spiel!« Dieser Chor der 10?000 aus der Dunkelheit brachte eine einzigartige Atmosphäre hervor – ich bekam eine Gänsehaut.

Die Entscheidung, das Spiel abzubrechen, kam dann aber nicht von sportlicher Seite. Es war der Einsatzleiter der Polizei, der dem Ganzen ein Ende setzte; bei einer Massenveranstaltung, bei der es stockdunkel sei, könne er nicht für die Sicherheit garantieren. 40 Minuten, nachdem die Lichter ausgegangen waren, verkündete der Stadionsprecher den Spielabbruch. Unsere Fans waren natürlich aus dem Häuschen, und unsere Spieler haben sich über die zweite Chance gefreut. Heute weiß man auch, was zum Stromausfall geführt hatte: Die Übertragungswagen des Hessischen Rundfunks hatten das Stromnetz des Stadions überlastet, eine Hauptsicherung war durchgebrannt. Ich selbst wurde ja als Urheber dieses Vorfalls verdächtigt. Das ist geschmacklos! Ich bin Sportsmann und habe im Moment des Spielabbruchs natürlich auch an die Memminger gedacht – so ein Schicksalsschlag ist Wahnsinn. Zwar gab es einige Tage später noch eine Verhandlung – es war aber allen klar, dass ein Spiel, das nicht vom Schiedsrichter abgepfiffen worden ist, wiederholt werden muss. Vor diesem Wiederholungsspiel im Stuttgarter Neckarstadion waren wir natürlich im psychologischen Vorteil. Den Memmingern merkte man an, dass der Frust sie regelrecht lähmte. Wir gewannen 2:0 und stiegen in die Regionalliga auf. Das Offenbacher Fanmagazin »Erwin« schrieb danach, die »Kraft der 10?000 Herzen« habe uns dazu verholfen. Und ich muss auch sagen: Für die Offenbacher Kickers war es wie ein Wunder, als das Licht ausging.«

Protokoll: Dirk Gieselmann

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Hier berichtet Dieter Degenhart, Präsidiumsmitglied des FC Memmingen, aus seiner Sicht von dem Spiel www.11freunde.de/ballkultur/102158 .

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