Stimmen zur Herrlich-Entlassung

»Die Spieler wurden enteiert«

Das war's dann. Heiko Herrlich muss beim VfL Bochum seine Sachen packen. Dariusz Wosz übernimmt zwei Tage vor dem Spiel beim FC Bayern. Wir sprachen mit Ex-Spielern und Fans über Sinn und Unsinn der Entlassung. Stimmen zur Herrlich-Entlassung Imago Thomas Kempe

»Die Trainerentlassung kommt nicht überraschend. Ich habe gestern Abend noch mit Michael Rzehaczek (Ex-Spieler des VfL Bochum, Anm.) zusammen gesessen und wir waren uns einig, dass der VfL jetzt handeln muss. Heiko Herrlich hatte längst den Kontakt zur Mannschaft verloren. Sein größter Fehler war die öffentliche Demontage von älteren Spielerm. Er hatte verkannt, dass man in einer Mannschaft, die gegen den Abstieg spielt, dringend Köpfe benötigt, man braucht Spieler wie Diego Klimowicz oder Joel Epalle. Vielleicht fehlte Heiko Herrlich da die Trainererfahrung. Er hatte ja vor seinem Amtsantritt nichts vorzuweisen. Dariusz Wosz hat im Trainerbereich auch nicht viel vorzuweisen, doch er ist ein Mann, der glaubwürdig ist, ein Bochumer Urgestein. Ich hoffe auf ein Unentschieden in München und dann einen Sieg gegen Hannover.«

Thomas Kempe spielte zwischen 1985 und 1993 beim VfL Bochum und machte 234 Bundesligaspiele für den Klub

[ad]

Lothar Woelk

»Ich habe keine Handschrift des Trainers mehr gesehen. Es hat keine spielerische Verbesserung gegeben und was noch gravierender ist: man konnte in der vergangenen Saison keine Hierarchie auf dem Platz ausmachen. Es gab keine Leithammel. Dabei ist es doch noch gar nicht so lange her, da hatte der VfL mit Thomas Zdebel und Christoph Dabrowski Führungsspieler, die ihre Mitspieler aufwecken konnten. Da hatte man doch gesehen, dass genau solche Spieler wichtig sind. Von Lewis Holtby erhoffte man sich ähnliches, er sollte zumindest in eine solche Führungsrolle hineinwachsen. Anfangs bemühte er sich auch, er ist gerannt ohne Ende, hat sich engagiert, war unglaublich kampfstark. Und was ist jetzt? Der steht völlig neben sich. Da müssen Dinge vorgefallen sein, die nur die Beteiligten kennen.«

Lothar Woelk bestritt zwischen 1977 und 1992 über 400 Bundesligaspiele (385 für den VfL Bochum)


Ben Redelings

»Nach seinem Amtsantritt kehrte Heiko Herrlich zwar ordentlich durch, doch er verscherzte es sich mit der Mannschaft. Es entstand ein Riss, der nicht mehr zu kitten war. Zu keinem Zeitpunkt hatte man das Gefühl, dass da ein Trainer sitzt, der eine klare Linie verfolgte. Er suggerierte Spielern, sie zu brauchen, stellte sie dann aber nicht mehr auf. Andersherum war es genauso. Bestes Beispiel Joel Epalle. Nun prügeln viele Leute in Bochum naiverweise auf die Zeitung mit den vier Buchstaben ein, denn sie denken, dass Heiko Herrlich Opfer einer ›Bild‹-Kampagne war. Doch da vertauschen sie Ursache und Wirkung. Sicher ist, dass schon vorher etwas nicht in Ordnung war. Gegen den FC Bayern gilt es jetzt, das akzeptable Torverhältnis nicht zu verschlechtern.«

Ben Redelings ist Autor von Fußballbüchern (u.a. »Dem Fußball sein Zuhause«), Filmemacher und Fan des VfL Bochum


Christoph Biermann

»Die Verzweiflung muss groß gewesen sein, wenn man diesen Schritt zum jetzigen Zeitpunkt wählt. Es war schon vorher zu hören, dass die Stimmung zwischen Spielern und Trainer nicht die beste gewesen sein soll. Heiko Herrlich hat den gleichen Fehler wie viele junge, unerfahrene Trainer gemacht: Er hat die Aufstellung von Spiel zu Spiel gewechselt, die Spieler zu schnell ausgetauscht.«

Christoph Biermann ist Redakteur beim »Spiegel«, Autor von Fußballbüchern (u.a. »Die Fußball-Matrix«) und Bochum-Kenner


Dieter Eichhorn

»Die Entlassung kam sehr überraschend, damit hatte bei uns niemand gerechnet. Wenngleich es natürlich die einzig richtige Entscheidung des Vorstands war. Der Trainer hatte keine Rückendeckung mehr in der Mannschaft, er untergrub Autoritäten im Team. Spieler wie Marcel Maltritz oder Anthar Yahia, verdiente VfL-Profis waren plötzlich außen vor. Diese Spieler wurden regelrecht enteiert.«

Dieter Eichhorn ist 2. Vorsitzender des VfL-Fanklubs »Blue Hearts«

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!