Stimmen zum EM-Sieg der deutschen Frauen-Nationalelf

»Bin stolz auf meine Homies«

Elfmeter-Heldin Nadine Angerer verschwand nach dem Schlusspfiff in einer riesigen Jubeltraube, Siegtorschützin Anja Mittag verdrückte ein paar Freudentränen, und Silvia Neid freute sich schon auf den Siegertanz mit DFB-Boss Wolfgang Niersbach. Nach dem achten EM-Triumph war bei den deutschen Fußballerinnen die Freude grenzenlos.

Beim 1:0 (0:0) in einem dramatischen Finale gegen Norwegen in Solna/Schweden hielt Torhüterin Angerer zwei Strafstöße (29. und 61.), die eingewechselte Mittag erzielte den entscheidenden Treffer (49.). Beide sorgten dafür, dass die Tränen der Enttäuschung exakt 750 Tage nach dem Viertelfinal-Aus bei der Heim-WM endgültig getrocknet sind.

»Dieser Titel fühlt sich ganz besonders an«

»Es war ein Spiel auf Augenhöhe, ein ganz schweres Finale. Es macht mich sehr stolz, was diese junge Mannschaft wieder geleistet hat«, sagte Bundestrainerin Neid am ARD-Mikrofon: »Dieser Titel fühlt sich ganz besonders an.« Mit Blick auf den angekündigten Tanz mit DFB-Präsidemt Niersbach auf der Party am Abend sagte sie: »Ich bin bereit.« Angerer konnte ihr Glück kaum fassen: »Es ist phänomenal, dass wir es geschafft haben, einfach geil.«

In der Heimat reagierten Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel verzückt. »Feiern Sie! Und lassen Sie sich feiern! Mit Ihnen freut sich ganz Fußball-Deutschland! Mit Ihrer großartigen Leistung haben Sie einmal mehr gezeigt: Der deutsche Frauenfußball gehört zur Weltspitze«, schrieb der erste Mann im Staate an die Mannschaft. Merkel telegrafierte an Neid, das Team des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) habe "eindrucksvoll seine internationale Klasse mit Fußball auf höchstem Niveau unter Beweis gestellt" und »die Menschen in unserem Land mit seiner leidenschaftlichen und kämpferischen Spielweise begeistert«.

Podolski: »Königinnen von Europa«

In die Gratulanten-Schar der »Königinnen von Europa« (Nationalspieler Lukas Podolski) reihten sich auch Männer-Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff ein: »Ich freue mich sehr für Silvia Neid, die es wieder allen gezeigt hat«, erklärte Löw, und Bierhoff ergänzte: »Der Titelgewinn ist der verdiente Lohn und bestes Beispiel dafür, was man mit unbändigem Siegeswillen und Teamgeist alles erreichen kann.«

Um kurz nach 18 Uhr nahm Angerer, die im kompletten Turnier nur im Gruppenspiel gegen die Norwegerinnen (0:1) ein Gegentor kassiert hatte, aus den Händen von UEFA-Präsident Michel Platini freudestrahlend den EM-Pokal entgegen. Und auch Niersbach war »stolz auf unsere Frauen«. Der DFB-Boss zählte zu den ersten Gratulanten: "Der Titel ist ein toller Erfolg und eine Bestätigung für den Frauenfußball in Deutschland. Was das junge Team nach dem Ausfall vieler Stammspielerinnen bei dieser Euro geleistet hat, verdient ein Riesenkompliment."

Die Mannschaft schrieb durch den Sieg vor der EM-Rekordkulisse von 41.301 Zuschauern die EM-Erfolgsgeschichte der DFB-Auswahl fort. Die Deutschen sind bei ihrer achten Final-Teilnahme zum achten Mal als Siegerinnen vom Platz gegangen. Es war der sechste EM-Titel in Folge. Jede Spielerin kassiert dafür 22.500 Euro. In »Europameister«-Shirts begannen die Heldinnen schon auf dem Rasen mit ihrer großen Party.

Schon einen Tag nach dem Finale werden die Europameisterinnen ihren Erfolg mit den Fans auf dem Frankfurter Römer feiern. Die Delegation steigt am Montag in Stockholm in ihre Chartermaschine und wird um 13.45 Uhr am Frankfurter Flughafen empfangen. Danach steigt die Party auf dem Rathausbalkon.

Die deutsche Mannschaft, die bei der Endrunde ohne sechs verletzte oder kranke Stammkräfte auskommen musste, hatte schon nach 53 Sekunden die Chance zur Führung gehabt. Nadine Keßler traf nach einem Freistoß von Dzsenifer Marozsan per Kopf nur die Latte.

Das jüngste Team der Endrunde (23,5 Jahre im Schnitt), bei dem die zuletzt verletzt fehlende Torjägerin Celia Okoyino da Mbabi wieder in der Startelf stand, bestimmte auch danach das Geschehen. Okoyino da Mbabi selbst sorgte in der dritten Minute für Gefahr.

Okoyino da Mbabi vergibt knapp per Kopf

Nach zehn Minuten geriet das Spiel des zweimaligen Weltmeisters, dem unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestrainer Joachim Löw die Daumen drückten, etwas ins Stocken. In dieser Phase kamen die Norwegerinnen dem deutschen Tor mehrfach gefährlich nahe. Erst in der 19. Minute verbuchten die DFB-Auswahl wieder eine Chance durch Okoyino da Mbabi, zwei Minuten später vergab die 25-Jährige knapp per Kopf.

Im Anschluss brachten die Deutschen nicht mehr viel zustande. Norwegen verbreitete immer wieder durch Standartsituationen Gefahr im deutschen Strafraum. Die größte Möglichkeit der Skandinavierinnen entschärfte Angerer. Nach einem angeblichen Foul von Okoyino da Mbabi hielt die Spielführerin den Strafstoß von Trine Rönning mit dem Knie. Drei Minuten später musste die Torhüterin noch einmal gegen Ingvild Stensland in höchster Not retten.

Norwegens Führung lag in der Luft

Zu Beginn des zweiten Durchgangs kam Mittag ins Spiel, Lena Lotzen blieb in der Kabine. Besser wurde das Spiel der Deutschen, die am 21. September in Cottbus gegen EM-Teilnehmer Russland in die Qualifikation zur WM 2015 in Kanada starten, dadurch aber nicht. Die ersten Minuten der zweiten Hälfte gehörten Norwegen, die Führung der Skandinavierinnen lag in der Luft.

Stattdessen traf Mittag nach einem mustergültigen Konter. Kurz darauf hätte Okoyino da Mbabi die Führung ausbauen können. Die Angreiferin konnte aber zwei hochkarätige Möglichkeiten in Folge (57. und 58.) nicht verwerten. Auf der Gegenseite sorgte Jennifer Cramer mit einem Foul an Caroline Hansen dafür, dass Angerer wieder in den Mittelpunkt rückte. Die 34-Jährige parierte auch den Strafstoß von Solveig Gulbrandsen.

Die Norwegerinnen können dagegen nur mit einem kleinen Bahnhof in der Heimat rechnen. Die Mannschaft von Trainer Even Pellerud, die dem DFB-Team zum Abschluss der Vorrunde die erste EM-Niederlage seit über 20 Jahren beigebracht hatte, verpasste den dritten EM-Triumph nach 1987 und 1993.

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