Stillgestanden! Fußballer bei der Bundeswehr

Kalle zieht in den Krieg

Soll ja keiner sagen, unseren Fußball-Idolen würde im Leben nur Zucker in den Hintern gepustet werden! Als es noch echte Feinde und deshalb auch den Grundwehrdienst gab, mussten auch Rummenigge und Co. an die Waffe. Die besten Storys von Fußballern beim Bund! Stillgestanden! Fußballer bei der Bundeswehr

Es ist jetzt erst ein paar tausend Jahre her, da galt es unter deutschen Männern als schick, sich von anderen deutschen Männern mit Abzeichen auf der Uniform durch deutschen Matsch und deutsche Wälder scheuchen zu lassen. Abgerundet mit ein wenig Gebrüll und Stubenkontrolle nannte man das Grundwehrdienst und fand das Prozedere so ergiebig, dass es man eben ein paar tausend Jahre weiterlaufen ließ. Bis jetzt. Die Wehrpflicht ist Geschichte, die deutschen Wälder haben endlich Ruhe.

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Was schade ist: Weil niemand mehr zum Bund muss, werden schon bald die ganzen schönes Bundeswehrgeschichten vergessen sein, niemand kann man sehr seinen Kindern und Kindeskindern am knisternden Kamin von der Freude tagelanger Gewaltmärsche berichten oder sich wehmütig an die feuchte Aussprache des Vorgesetzten erinnern.

Effenberg? Thon? Bierhoff? Haben gedient.

Vorbei ist damit auch der lustige Umstand, dass selbst unsere Fußballhelden, die Götter auf Stollen, bei der Musterung vorbeischauen mussten. Konnte der Kicker noch so begabt und prominent sein, hielt es die zuständige Meldebehörde für angemessen, musste der arme Tropf beim Amt antanzen, um sich entweder mustern zu lassen oder zu verweigern. Natürlich hatten die Helden gewisse Vorteile: Ein paar Einsätze für die Bundeswehr-Nationalmannschaft konnten den Grundwehrdienst erheblich verkürzen und wer selbst darauf keinen Bock hatte, der schrieb sich eben bei der Sportförderkompanie ein und machte seine täglichen Kniebeugen im Tarnanzug. Der ehemalige Oberstabsfeldwebel Toni Pointinger, einst Vorgesetzter solch talentierter Soldaten wie Stefan Effenberg, Olaf Thon oder Oliver Bierhoff, erklärte 1991: »Die Jungs machen zwölf Wochen normale Grundwehrausbildung, anschließend meist nur noch montags und dienstags je zweimal Training. Das wars.«

Die dritte und vielleicht cleverste Variante: Man ließ sich einfach ausmustern. Klingt für einen Schreibtischsportler machbar, aber doch nicht für die kickenden Leistungssportler? Falsch gedacht. Die Liste derer, die sich aufgrund körperlicher Mängel vom Dienst an der Waffe freistellen ließen, ist länger als gedacht.

»Ein Gleitwirbel klemmt den Nerv ein« – Was erlauben Strunz?

Nehmen wir nur Raimond Aumann, langjähriger Bayern-Keeper und 1990 sogar Teil des deutschen WM-Kaders. Die zahlreichen Bänderrisse im linken Knie des Torstehers, sorgten prompt 1986 für die Ausmusterung. Aumann stolz: »Auf das Knie beziehe ich sogar eine Rente!« Einleuchtend auch die Ausrede von Thomas Strunz, der auf Nachfrage der »Sport-Bild« einst klagte: »Ich bin ausgemustert worden, weil ich einen Beckenschiefstand habe und dadurch mein rechtes Bein kürzer ist. Außerdem klemmt ein Gleitwirbel manchmal einen Nerv ein.« Beckenschiefstand! Gleitwirbel! Was. Erlauben. Struunz? Und wir haben es mit homoerotischen Andeutungen oder dem guten alten 15-Liter-Kaffee-Trick versucht.

Ebenfalls ganz oben in der Liste der schönsten Ausmusterungsgründe: Torwart Eike Immel (»Wegen eines Sehfehlers.«), Stürmer Fritz Walter (»Wegen Atemproblemen.«) und Mittelfeldmann Günter Netzer (»Schaden an der Wirbelsäule.«). Geradezu legendär ist die Antwort des ebenfalls ausgemusterten Torsten Legat (Bruch von zwei Lendenwirbeln) auf die Frage, ob er beim Fußball oder Bodybuilding noch Schmerzen an der verletzten Stelle verspüre: »Nee. Nur beim Spazierengehen!«

»Profi in der Bundesliga, aber zu kaputt für die Bundeswehr!«

Klar, dass sich bei so viel Pflichtverweigerung die »Sport-Bild« einmischte und im März 1991 entrüstet (hihi) schlagzeilte: »Profi in der Bundesliga, aber zu kaputt für die Bundeswehr!«. Fallbeispiel Nummer Eins: Weltmeister und Eisenfuß Jürgen Kohler. »Jürgen Kohler, der Inbegriff eines Kämpfers«, trommelte das Blatt, »nur die Bundeswehr lernte seine Fähigkeiten nie kennen. Jürgen Kohler ist untauglich.« Kohler lässig: »Ich wurde ausgemustert. Wegen Kreuzbeschwerden.« Wegen Kreuzbeschwerden. Jürgen Kohler. Hust, bzw.: lach.


Die schönsten Fotos von Fußballern beim Bund – in der Bildergalerie!

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