Stiller Protest beim türkischen Drittligisten Amed SK

Der 24-Sekunden-Triumph

Für den türkischen Drittligisten Amed SK war das Pokalduell gegen Fenerbahce Istanbul das Spiel der Saison. Aber statt eines Fuballfests wurde die Partie zum Symbol des Widerstands.

facebook.com/AMEDSK21

Es ist das Spiel des Jahres für den türkischen Drittligisten Amed SK. Fenerbahce Istanbul, die Millionäre aus der Weltstadt, geben sich die Ehre, hier, in Diyarbakir, Südostanatolien, 120 Kilometer vor der Grenze zu Syrien. Es könnte ein Festtag sein für den kleinen Verein - als erster Drittligist überhaupt gelang der Einzug ins Viertelfinale des türkischen Pokals, mit dem Duell gegen den 19-fachen Meister vom Bosporus geht ein Traum in Erfüllung.

Doch als der Schiedsrichter am Dienstagmittag das Viertelfinalhinspiel freigibt, steigt keine Party, sondern Protest. Während Fenerbahce den Ball zurück in die eigene Hälfte spielt, drehen sich die Spieler von Amed SK zur leeren Haupttribüne ihrer Heimspielstätte und verharren regungslos. Die Fener-Profis zirkulieren den Ball durch die eigenen Reihen. Erst nach 24 Sekunden lösen die Gastgeber ihre Haltung, laufen los, beginnen zu spielen.



Vermutlich endet die Pokalgeschichte des Amed SK im Rückspiel am 2. März, trotz des überraschenden 3:3, das man den Istanbulern in Anatolien abringen konnte. Doch mit den 24 Sekunden vom Dienstag haben sie mehr Aufmerksamkeit erregt, als mit jedem Pokaltriumph.

Verband belegt Naki mit Rekordsperre

Der Fall von Amed SK und seinem besten Spieler, Ex-St.Pauli-Liebling Deniz Naki, sorgte in den letzten Tagen für Schlagzeilen. Ausgerechnet zum Spiel der Spiele hatte der türkische Verband TFF dem Verein mit einem Zuschauerausschluss belegt, wegen Fangesängen, die "ideologische Propaganda" beinhaltet haben sollen. Das Seyrantepe-Diski-Stadion liegt in einer Kurdenregion, Kämpfe zwischen PKK- und Sicherheitstruppen gehören zum Alltag. Einige Anhänger von Amed nutzten den Sport, um auf diese Situation aufmerksam zu machen. »Die Kinder sollen nicht sterben, sie sollen zum Fußball«, skandierten sie. Zu viel für den Verband, der den Klub mit einer Platzsperre belegte.

Auch Deniz Naki wurde Opfer der rigorosen Verfolgung von Menschen, die sich nicht bedingungslos hinter die Regierung Erdogan stellen. Der TFF belegte den in Düren geborenen Stürmer mit einer Rekordsperre von zwölf Spielen. Anlass gab ein Facebook-Post von Naki.  Nach dem Achtelfinalsieg über Bursa hatte er ein Bild auf seine Seite gestellt mit den Zeilen: »Wir widmen diesen Sieg den Menschen, die in den 50 Tagen der Unterdrückung getötet oder verletzt wurden.«

Eine edle Geste. Doch Naki ist Kurde - und damit nicht auf Regierungskurs. Nun muss er monatelang zuschauen.

Es ist nicht der erste Fall von prominenten Sportlern, die für ihre politischen Ansichten ausgebootet werden. Im Sommer 2015 hatte der Basketballstar Enes Kanter dem Verband vorgeworfen, ihn wegen seiner Weltsicht von der Nationalmannschaft ausgeschlossen zu haben. Kanter wirbt öffentlich für die Bewegung von Fetullah Gülen - eine Strömung, die von der türkischen Regierung repressiv behandelt wird.

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