Stilkritik: Wie die ARD den Wettbetrug im Fußball aufdeckt

Wie die Mafia

500 Milliarden Euro werden jedes Jahr durch Sportwetten verdient. Manipulationen sind dabei an der Tagesordnung. Die ARD hat sich diesem Thema angenommen. Mit Erfolg.

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Eigentlich ein Thema zum Verdrängen. Ein Blick hinter die Kulissen der Wettmafia ist für Fußballromantiker und Gelegenheitstipper kaum zu ertragen. Der Spielfilm »Auf kurze Distanz« und die Dokumentation »Wettbetrug im Fußball – Ein Milliardengeschäft für die Mafia« bringen es auf den Punkt: Im Sport wird manipuliert. Die ARD widmete illegalen Geschäften im Fußball einen ganzen Themenabend, der durch einen unglücklichen Sendeplatz leider wenig Beachtung fand.

300 Millionen Euro allein auf deutsche Jugendspiele

Wettbetrug ist ein ungreifbares und verborgenes Geschäft. Das kriminelle Milieu wird häufig mit finsterem Vokabular ausgestattet. Schattenmänner sollen den Wettsumpf kontrollieren und bis heute Spiele in Deutschland verschoben haben, auch nach dem Skandal um Robert Hoyzer aus dem Jahr 2005. Dabei werden gezielt Spiele ausgewählt, die weniger im Fokus der Öffentlichkeit stehen, wie Freundschafts- oder Jugendspiele. Allein auf deutsche Jugendspiele wurden im vergangenen Jahr unglaubliche 300 Millionen Euro gesetzt.

Der Spielfilm Auf kurze Distanz (Regie: Philipp Kadelbach) setzt genau da an und ermöglicht auf eine erschreckend realistische Weise die Selbstverständlichkeit der Wettmanipulationen rund um nationale Sportveranstaltungen zu beleuchten. Der Film zeigt, wie ein verdeckter Ermittler (Tom Schilling) in das verworrene Milieu globaler Wettstrukturen eingeschleust wird.

Dort gerät er zwischen die Fronten mafiöser Banden, die um den begehrten Markt konkurrieren und korrupte Zielpersonen suchen. Die kriminellen Machenschaften werden insbesondere auf dem Rücken labiler und sozial schwacher Sportlerinnen und Sportler ausgetragen. Ihnen wird das schnelle Geld versprochen. Haben sie sich ein Mal ködern lassen, werden sie immer wieder erpresst.

Ein düsterer und mitreißender Film

Im Mittelpunkt des Films stehen allerdings weniger die mafiösen Strukturen als die Wandlung der Zielperson des verdeckten Ermittlers. Es handelt sich um Luca (Edin Hasanovic), ein kleines Licht innerhalb eines serbischen Familien-Clans. Um in der Hierarchie aufzusteigen, muss er sich beweisen und die letzten Züge seiner Menschlichkeit ablegen. Ein moralischer Abstieg. Der Zuschauer erkennt: Gewinner sind nicht die ausführenden Figuren, sondern die unsichtbaren Hintermänner. Auf kurze Distanz ist ein düsterer und mitreißender Film, der sich durch etliche moralische Konflikte auszeichnet. Und durchaus sehenswert.

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