Stellungskrieg in Ravensberg

Neun Freunde müsst ihr sein

Imago
Heft #72 11 / 2007
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Wir fuhren zum Auswärtsspiel der D-Jugend des TuS Eintracht Bielefeld zum TuS Solbad Ravensberg. Mitten im Februar, bei Minusgraden und stocksteif gefrorenem Boden. Aber auch bei strahlendem Sonnenschein und mediterranen Temperaturen wären wir nicht gerne in den Bielefelder Speckgürtel gefahren, denn die Ravensberger waren als Todesgrätscher vor dem Herrn bekannt, allesamt kräftige Bauernburschen mit dicken Oberschenkeln und flackerndem Blick.

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Umso größer unser Entsetzen, als wir beim frühmorgendlichen Durchzählen am Mannschaftsbus feststellten, dass sowohl unser italienischer Mittelstürmer Stefano als auch unsere komplette Mittelfeldreihe es vorgezogen hatten, die Nase ins Kissen zu drücken, anstatt mit frisch gewaschenem Oberhemd zur Dienstreise anzutreten. Also fuhren wir mit einem verlorenen Haufen von acht Eintrachtlern nach Ravensberg, darunter zwei junge Kollegen, die noch neu im Verein waren und dementsprechend kreidebleich ihrem ersten Einsatz entgegensahen. Dazu ein Keeper, der die Angewohnheit hatte, bei Weitschüssen angstvoll in die Luft zu springen. Und schließlich der kleine Dirk, ein Kicker ohne jedes Talent aber mit sagenhaft großer Klappe.

Alles keine guten Voraussetzungen für einen Auswärtssieg, auch wenn unser Betreuer auf der Fahrt im Zwiegespräch mit dem Innenspiegel eine geniale Cattenacio-Technik entwickelt hatte, die im wesentlichen beinhaltete, dass wir kurz vor der eigenen Strafraumgrenze einen schmutzigen Stellungskrieg führen sollten. Mit versteckten Fouls, verbalen Attacken und ständigen Wegschlagen des Balles. Eine grandiose Taktik, mit der Hitler sicher auch den Endkampf um Berlin gewonnen hätte, die allerdings ein wenig durch die Realität konterkariert wurde.

In Schildkrötenformation an den Ravensbergern vorbei

Als wir nämlich auf den halb schlammigen, halb gefrorenen Parkplatz des Ravensberger Sportplatzes holperten, warteten dort bereits die natürlich vollständig angetretenen Ravensberger, allesamt durch gesunde Landluft und deftiges Essen zwei Köpfe größer als unsereins. Wir stiegen zögerlich aus, schulterten verlegen unsere Sporttaschen und marschierten in Schildkrötenformation an den Ravensbergern vorbei. Wir waren schon fast in der Kabine, als Dirk blöderweise die Klappe nicht halten konnte. Im Vorbeigehen kommentierte er das Spalier der Einheimischen: "Na, schon die Melkschemel abgeschnallt?" Fünf Sekunden später waren wir damit beschäftigt, unsere Kabinentür von innen zuzuhalten, während sich von außen immer wieder kräftige Bauernburschen gegen das Holz warfen. Danke, Dirk.

Ein paar Minuten später hatte sich die Szenerie beruhigt und vorsichtig wagten wir uns aus der Kabine. Das Warmmachen geriet allerdings schon nach wenigen Sekunden zum Spiel ohne Ball, denn der war bald in die Hälfte der Ravensberger geflogen, die keine Anstalten machten, ihn zurückzuschießen. Und von uns traute sich niemand in die andere Hälfte.

Das Spiel selbst ist schnell erzählt. Achtzehn Minuten schlugen wir jeden ankommenden Ball in die Botanik, dann preschte der Vorstopper, ein bulliger Schrat mit massigen Oberschenkeln, bei einem Eckball vor und drosch den halbhoch hineinfliegenden Ball mit dem Knie ins Netz. Es folgten Tore beinahe im Minutentakt. Unser Keeper, der das zweite Tor auf dem Gewissen hatte, weil er den Ball direkt zum Gegner geworfen hatte, verlegte sich darauf, erst gar nicht mehr nach dem Ball zu hechten, sondern schon vorher vorwurfsvoll die Arme zu heben. Am Ende hatten wir sagenhaft hoch verloren, 13 oder 14:0, ich erinnere mich nicht mehr ganz genau. Wir zogen uns um und stiegen hastig in den Mannschaftsbulli. Zum Abschied trat uns ein Ravensberger noch mit Schmackes gegen die Stoßstange.

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