Steht es wirklich so schlimm um Werder?

Wie einst im Mai 1980

Das Spiel gegen Darmstadt sollte ein Befreiungsschlag werden. Pustekuchen. Fünf Gründe, die dafür sprechen, dass Werder Bremen dieses Jahr absteigt.

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Pokalsieger 1961, deutscher Meister 1965, Europapokal-Teilnehmer: die sechziger Jahre waren eine gute Zeit für Werder Bremen. In der Hoffnung, die Erfolge wiederholen zu können, kaufte sich Bremen in den Siebzigern eine teure Mannschaft zusammen. Die »Millionentruppe« knüpfte nie an die Erfolge ihrer preiswerteren Vorgänger an. Es folgte der langsame, aber stetige Verfall und letztlich im Mai 1980 der Abstieg.

Die Ausgangslage im Jahr 2016 ist ähnlich: Die Champions-League-Millionen sind aufgebraucht, die Mannschaft stagniert. Die Lage ist so prekär wie seit 1980 nicht mehr. Fünf Gründe, die dafür sprechen, dass Werder der Abstieg droht.

1.
Skripnik hat noch immer keine feste Formation gefunden

Die Saison geht in die heiße Phase. Viele Teams leben jetzt von den taktischen Mechanismen, die sie sich im Laufe der Saison erarbeitet haben. Werder nicht. Viktor Skripnik bastelt noch immer von Spiel zu Spiel an seiner Formation. Manchmal kann man das als kluge Anpassung an den Gegner auslegen. Oft ist es reine Verlegenheit.

Skripnik hat noch immer keine feste Elf gefunden, geschweige denn eine feste Formation. Mal spielt die Mannschaft im 4-4-2, dann wieder im 4-1-4-1 – immer mit einem anders besetzten Mittelfeld. Gegen Darmstadt packte Skripnik mal wieder die Raute aus, eine taktische Variante, die eigentlich bereits fallen gelassen wurde. Kontinuität sieht anders aus.

2.
Das Mittelfeld ist unterbesetzt

Das Mittelfeld ist die Schwachstelle von Werder. Nicht umsonst probiert Skripnik hier jede Woche eine neue Variante aus. Am Wochenende lief Florian Grillitsch auf der Sechser-Position auf. Neben ihm starteten Finn Bartels und Neuzugang Sambou Yatabaré auf den Außenpositionen der Raute. Eingespielt war das Trio nicht.

Werder gelingt es in dieser Saison nicht, das Mittelfeld zu dominieren. Das ist gerade spielerisch ein Problem. Werder muss oft zum langen Ball greifen, da das Mittelfeld schlecht besetzt ist. Das wiederum passt nicht zu den Stürmertypen Claudio Pizarro und Anthony Ujah, die sich bei flachen Pässen wohler fühlen. Werder hat den dritthöchsten Anteil an langen Bällen im Aufbauspiel (20 Prozent) hinter Darmstadt (28 Prozent) und Ingolstadt (22 Prozent). Nur: Ingolstadt und Darmstadt nutzen diese lange Bälle effizienter, richten ihr Spiel darauf aus. Werder gelingt dies nicht.

3.
Spielerische Fortschritte: zu spät, zu wenig?


Trotz der spielerischen Defizite bleibt festzuhalten: Werder arbeitet an den Problemen. Die Passquote hat sich in der Rückrunde verbessert, von katastrophalen 67 Prozent in der Hinrunde auf etwas bessere 73 Prozent nach der Winterpause. Vor allem die Einbindung von Claudio Pizarrio funktioniert besser. Er lässt sich vermehrt fallen und entlastet das Mittelfeld.

Dennoch: Der spielerische Aufschwung könnte zu spät kommen. Das Spiel gegen Darmstadt war ein Spiegel der bisherigen Saison: Erst in der Schlussphase begann Werder, Fußball zu spielen. Lichtblick war der eingewechselte László Kleinheisler. Als Achter fand er die freien Räume im Mittelfeld, die Werder sonst übersieht. Allerdings verhalf der späte Aufschwung Werder nur zu einem 2:2. Zu spät, zu wenig – ein Motto, das für die gesamte Werder-Saison gilt.

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