Stefan Theskers fulminantes Comeback bei Twente Enschede

Einmal Hölle und zurück

Disko-Affäre vor Weihnachten, Krebsdiagnose Ende Januar und nun ein grandioses Comeback. Die Geschichte von Stefan Thesker zeigt, wie schnell es im Fußball gehen kann.

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Wenn die italienische Sportzeitung »Gazetta dello Sport« die europäische Elf des Spieltages präsentiert, werden in der Regel viele namhafte und bekannte Spieler gelistet. Das war auch dieses Wochenende nicht anders: Riyad Mahrez, Jonathan Tah oder Hatem Ben Arfa schafften es in die Auswahl.

Held des Spieltages aber war ein anderer: der deutsche Abwehrspieler Stefan Thesker vom niederländischen Klub Twente Enschede. Mit dieser Nominierung hätte vor ein paar Wochen wohl noch keiner gerechnet. Er selbst wahrscheinlich am allerwenigsten.

Türsteher mit Geld beworfen

Es sind ereignisreiche Wochen, die der ehemalige U-21-Nationalspieler Stefan Thesker hinter sich hat. Kurz vor Weihnachten landete der 24 Jahre alte Verteidiger, der beim Zweitligisten Greuther Fürth unter Vertrag steht und in Enschede auf Leihbasis spielt, negativ in den Schlagzeilen. Im Netz tauchte ein Video auf, das den Profi zeigte, wie er sich vor einer Nürnberger Disko mit den Türstehern anlegte. Der unrühmliche Moment endete damit, dass Thesker sein Portemonnaie rausholte und einen Türsteher mit einem Geldschein bewarf.

Thesker, der zu dem Zeitpunkt stark angetrunken war und seinen persönlichen Stress an den Türstehern ausließ, entschuldigte sich kurz nach Auftauchen des Videos, konnte die mediale Welle aber nicht mehr stoppen.

Gebrandmarkt als arroganter Macho

Zur Vorbereitung auf die Rückrunde wurde Thesker Mitte Januar aus dem Profikader gestrichen. Während die Fürther Profis im spanischen Mijas ein Trainingslager bezogen, trainierte der Aussortierte für eine Weile bei der U23 mit. Der Verein begründete diese Entscheidung mit der »großen Konkurrenzsituation«. Dass Thesker in der Hinrunde mehr als die Hälfte der Spiele bestritten hatte, schien nach den Eskapaden des Profis keine große Rolle mehr zu spielen.

Ende Januar wurde der Verteidiger auf Leihbasis in die holländische Eredivisie zu Twente Enschede abgebeben, wo er bereits in der Jugend gespielt hatte. Thesker, der fließend Niederländisch spricht, wollte wieder Fuß fassen und seinen Ruf rehabilitieren.

Twente Enschede freute sich und stellte sich in Person von Ted de Leeuw, dem technischen Direktor Twentes, demonstrativ vor den Neuzugang: »Wir wissen, dass Stefan zuletzt negativ in den Medien war. Allerdings sind wir sicher, dass das ein einmaliger Vorfall war«. Die Vergangenheit sollte keine große Rolle spielen. Die Vorfreude auf eine gemeinsame, positive Zukunft war groß – auf beiden Seiten. Doch der Plan ging zunächst nicht auf.

Ein Tumor im Unterleib

Am 30. Januar erhielt Thesker eine erschütternde Nachricht: Diagnose Hodenkrebs. Doch er ließ sich davon nicht unterkriegen und spielte nur 24 Stunden nach Bekanntwerden seiner Krankheit im Ligaspiel gegen den FC Utrecht. Dabei wollte er zunächst gar nicht auflaufen, erst nach einem Gespräch mit seiner Familie entschied er sich für einen Einsatz.

Unmittelbar vor Anpfiff erzählte Thesker seinen Mannschaftskameraden von seinem Tumor. Er wollte ihnen nichts verheimlichen. Twente Enschede gewann mit 3:1, und der Abwehrspieler, der kurz nach der schlimmen Diagnose sein erstes Pflichtspiel nach der Diskoaffäre bestritt, stand eine gute Stunde auf dem Platz. Am Tag nach dem Sieg verließ der Deutsche die Niederlande und reiste in seine Heimat. 

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