Stany Falcone – Vom Profi zum Pornostar

Le Cock Sportif

Mit 26 Jahren beendet der belgische Zweitligaprofi Jonathan de Falco abrupt seine Fußballkarriere. Wenige Monate später taucht er wieder auf: als Pornostar Stany Falcone. Dies ist seine Geschichte.

Nick Hannes / imago

Als Stany Falcone noch Jonathan de Falco hieß, war er ein Fußballstar. Ein kleiner jedenfalls. Er spielte in der zweiten belgischen Liga, war Außenverteidiger und konnte so schnell rennen wie David Odonkor. Einmal, als er in einem Pokalspiel Sporting Charlerois Stürmer Orlando ausschaltete, saß die belgische Fußballlegende Marc Degryse auf der Tribüne. »Wer ist dieser Spieler?«, fragte er, mehr sich selbst zwar, doch sein Sitznachbar antwortete voller Stolz: »Das ist Jonathan! Jonathan de Falco! Ein Kumpel von mir!«

Diesem Jonathan de Falco ging es damals nicht gut, und als der Kumpel ihm später vom begeisterten Degryse erzählte, stockte ihm der Atem. Was hatte er da gesagt: ein Kumpel, ein Freund, mein Freund? Die ganze Sache war viel zu riskant geworden. Jeder Blick, jede Berührung, jeder Satz auf der Tribüne – alles konnte missverstanden werden, alles konnte ihn verraten. Nur: Was war denn überhaupt sein Geheimnis? De Falco wusste ja selbst nicht mal, wer er war und was er wollte.

Eine Zeit lang lebte er mit einer Frau zusammen, er mochte sie, doch in seinen Träumen schlief er mit Männern. Es fühlte sich falsch an, denn Schwule, so dachte er, das waren Typen, über die seine Mitspieler mit verstellten Stimmen Witze machten, und die aussahen wie Boy George oder sprachen wie Albin in »Ein Käfig voller Narren«. Das war er nicht, so viel wusste er, und so herrschte in De Falcos Kopf in jenen Jahren ein heilloses Durcheinander.

Er wollte werden wie Enzo Scifo

Das ist die eine Geschichte. Sie ist gerade mal sechs Jahre her, doch sie erscheint heute wie aus einem anderen Leben: der geradezu ängstliche Jonathan de Falco, ein Fußballer, der werden wollte wie Enzo Scifo. Und ein Junge, der nicht wusste, wohin mit sich und seinen sexuellen Fantasien.

Die andere Geschichte handelt von einem Mann, der einer der bekanntesten Pornodarsteller der Welt wurde: Stany Falcone.

Ende Dezember 2013 steht Jonathan de Falco auf der Terrasse einer Brüsseler Gay-Sauna direkt hinter dem Zuid-Bahnhof. Hier, im »Club 3000«, gibt es keine Geheimnisse. Am Eingang serviert ein großer schwarzer Mann Cocktails. Er trägt nichts als eine Fliege und eine weiße Ivan-Lendl-Tennishose. Hinter ihm plätschert ein Whirlpool, Schatten huschen durch die Gänge, und Männer lugen aus Privaträumen, für die sie fünf Euro extra gezahlt haben. In der ersten Etage befindet sich der Clubbereich, ein DJ legt House und Progressive auf. An der Bar steht ein 120-Kilo-Koloss im Stringtanga, auf dem Tresen eine Schüssel mit Kondomen. Eine Etage höher das Kino, gedimmtes Licht, zwei Männer im Publikum, beide nackt, einer hat den Penis des anderen im Mund. Alles kann, nichts muss.
Jonathan de Falco, 29, Fünf-Tage-Bart, kurzes braunes Haar, Brillantstecker in den Ohrläppchen, dazu Polo-Shirt, Anzughose, Lederschuhe, ist Veranstalter dieser Party. Er spricht leise, fast nach innen. Er wirkt manchmal noch wie der schüchterne Junge von damals, dabei gilt er hier als internationaler Topstar, für den einige Fans aus Frankreich oder Deutschland angereist sind.

»Das ist doch nicht unnormal, oder?«

Von der Terrasse schweift der Blick über die Dächer Brüssels, im Sommer könnte man ewig hier sitzen. De Falco hat in dieser Gegend lange über sein Coming-out nachgedacht. Er kannte die tragische Geschichte des schwulen Fußballers Justin Fashanu, den man im Mai 1998, acht Jahre nach seinem Coming-out, erhängt in einer Garage im Londoner East End fand. Er hatte viele Wochen und Monate überlegt, was passieren würde, wenn die Medien erführen, dass ein ehemaliger Fußballprofi nun Pornos drehte, Schwulenpornos. Würde es nicht all die homophoben Hetzer bestätigen? Typen, die glauben, dass jeder Homosexuelle sich die Hose runterreißt, sobald er vor einem gut gebauten Mann steht? Die ihn behandeln würden wie einen Kranken? Andererseits: Er mag nun mal Sex. So einfach ist das. »Das ist doch nicht unnormal, oder?«

Natürlich nicht. Und trotzdem muss die Frage erlaubt sein, ob es normal ist, dass aus einem schüchternen Zweitligafußballer ein international bekannter Pornostar wurde. 

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