06.04.2007

Spielervermittler belagern Englands Talente

Bad Boys auf dem Spielplatz

In der Premier League machen Spielerberater Jagd auf immer jüngere Talente. Unser Kolumnist und England-Experte Matthias Paskowsky fragt sich: Ist das noch zu verhindern?

Text:
Matthias Paskowsky
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Imago
Lange bevor die Präferenz für schwarz, blond oder brünett im Leben des Mannes eine Rolle zu spielen beginnt, wird er mit anderen Fragen konfrontiert. Schon die frühe Phase der beruflichen Orientierung verlangt Entscheidungen: Indianer oder Cowboy? Kicker oder Kosmonaut? Ist diese Hürde genommen, wird es nicht etwa einfacher, wie all jene Sportfreunde wissen, die sich für die steinige Laufbahn des Profifußballers entschieden haben und bei Manchester United in die Lehre gehen.



Vor dem Tor der ManU-Academy warten nämlich oft wohlgesinnte väterliche Freunde, denen ihre sportliche Zukunft offenbar eine Herzensangelegenheit ist und die sich deshalb gern vertraglich an sie binden würden. Sir Alex Ferguson wollte seiner U13 kürzlich etwas Entscheidungsdruck nehmen und hat den aufdringlichsten Spielerberatern Hausverbot erteilt.

Am System der allzu frühen Vertragsbindung ändert das freilich wenig, und vielleicht ist seinem Captain deshalb der Kragen geplatzt. Gary Neville schnaubte seine Zweifel an der Existenzberechtigung der Berater lauthals der Presse entgegen. Die saugten den Fußball nur aus und ihren Job könne ja schließlich auch die Spielergewerkschaft machen, so der Nationalspieler. Neville ist zufällig im Vorstand eben jener Gewerkschaft PFA und hat mit seiner Philippika schon mal eine lautstarke Initiativbewerbung für einen zukünftigen Managementposten abgegeben.

Die Bad Boys werden den Spielplatz nicht verlassen

Seine Kritik ist ebenso berechtigt wie unoriginell. Seit die BBC einer breiten Öffentlichkeit erklärt hat, wie der schmierige Zirkus hinter den Kulissen funktioniert, können keine klebrigen Details mehr schocken. Ungefähr ein Drittel aller Trainer der Liga hält bei Transfers angeblich die Hand auf. Und es gehört nur wenig Phantasie dazu, den Plot des nächsten Aktes zu skizzieren. Die aggressivsten Seelenverkäufer werden Spieler selbst unter Vertrag nehmen und dann entweder verleihen oder an die Klubs weiter veräußern. Ihr Einfluss wird weiter steigen und die Schmierenkomödie in die nächste Staffel gehen. Dabei ließe sie sich sehr einfach beenden, wenn eine Handvoll sehr einfacher Regeln durchgesetzt würde. Das Transparenzgebot zum Beispiel. Sämtliche Zahlungen und Beteiligungen müssen aufgedeckt werden. Solange Bauordnungsverfahren an der ukrainischen Riviera einer intensiveren Kontrolle unterliegen als die Spielertransfers der Premier League, werden die Bad Boys den Spielplatz nicht verlassen. Darüber hinaus sollte es einen selbstverpflichtenden Kodex für Berater geben, der simple Grundsätze formuliert und auf dessen Einhaltung Liga und Klubs pochen müssen. So erscheint ein Mindestalter des Spielers von 16 Jahren für Beraterverträge angemessen. Und es sollte endlich verboten sein, in Vertragsgesprächen beide Seiten zu vertreten. Die Branche täte sich und ihrem Image mit dieser Katharsis einen Gefallen. Ein guter Agent mit Balance und Augenmaß kann für einen Klub durchaus ein wertvoller Partner sein. Beim Scouting zum Beispiel, oder bei der Einfädelung sensibler oder logistisch schwieriger Transfers. Ganz zu schweigen vom Nutzen eines guten Agenten für das Konto und den Seelenfrieden der Spieler. Welcher Profi verhandelt schon gern Werbeverträge oder wimmelt das Autohaus ab, das die Anlieferung der sonderlackierten Sportedition unbedingt in Anwesenheit des Nationalstürmers feiern möchte?

Gary Neville hat die Klärung seiner Angelegenheiten weder der PFA noch dem Zufall überlassen. Seine Interessen lässt er allein durch den Mann vertreten, der ihm bereits bei der »Cowboy oder Indianer«-Entscheidung zur Seite gestanden hat: Daddy.

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