Spieler, die nur einmal für den DFB aufliefen

Männer für eine Nacht

Vor 100 Jahren fand das erste Länderspiel der deutschen Fußballgeschichte statt. Ein Grund zum Feiern. Doch 238 Spieler durften sich den Adlerdress nur einmal überstreifen, manche für Minuten. Wir sprachen mit den Unglücklichsten. Spieler, die nur einmal für den DFB aufliefenimago

Was verbindet Karl Zilgas mit Martin Max, Viktor Weißenbacher mit Zoltan Sebescen oder Hans-Jürgen Sundermann mit Bernd Martin? Sie hatten alle den Traum von einer großen Karriere im Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft - doch nach nur einem Länderspiel war dieser Traum schon wieder zu Ende.

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Insgesamt 238 deutsche National- bzw. Auswahlspieler (DFB und DFV der DDR) teilen bisher dieses Schicksal. Auf die kürzeste Karriere in der 100-jährigen Länderspiel-Geschichte blickt der ehemalige Stuttgarter und Bayern-Profi Bernd Martin zurück. Beim EM-Qualifikationsspiel der DFB-Auswahl am 2. Mai 1979 in Wrexham gegen Wales wurde der heute 53-Jährige von Jupp Derwall in der 88. Minute für Ulli Stielike eingewechselt und brachte es auf nur drei Einsatzminuten im DFB-Trikot. »Ich erzähle den Leuten immer, dass ich Rekord-Nationalspieler bin«, sagt Bernd Martin heute mit einem Schmunzeln. Es sei aber schon »tragisch und schade gewesen, dass ich auf diesen drei Minuten sitzen geblieben bin«. Warum es keine Fortsetzung gab, liegt für Martin auf der Hand. Drei Tage nach seinem DFB-Debüt hatte er sich im Bundesligaspiel gegen den VfL Bochum einen Knöchelbruch zugezogen, »danach wurde ich nicht mehr so richtig fit. Dies war im wahrsten Sinne des Wortes der Knackpunkt in meiner Karriere. Ansonsten wären garantiert mehr Länderspiele dazu gekommen«. Zudem habe es in der damaligen Zeit eben keine Vielzahl von Länderspielen gegeben, »in denen ein Bundestrainer viele Neulinge einsetzen konnte. Es gab einen Stamm, da war es schon eine Ehre als Nummer zwölf dabei zu sein«, sagt Martin. Immerhin habe er es bis zu seiner Verletzung geschafft, »Manni Kaltz den Platz streitig zu machen«.

Nicht viel besser als Bernd Martin erging es Thomas Ritter. Der frühere Kaiserslauterer durfte sich über vier Minuten als Nationalspieler freuen. Der Abwehrspieler kam beim 5:0 in Karlsruhe gegen Uruguay am 13. Oktober 1993 in der Schlussphase für einen gewissen Stefan Effenberg ins Spiel. Bundestrainer zu dieser Zeit war Berti Vogts.

Martin Max und die fehlende Lobby


Auf Platz drei der Kurzarbeiter in der deutschen Elf liegt Martin Max. Der Stürmer von 1860 München war als Torschützenkönig der Bundesliga immer wieder von den Medien gefordert worden. Am 17. April 2002 feierte Max unter dem damaligen Teamchef Rudi Völler in Stuttgart gegen Argentinien (0:1) schließlich sein Debüt. Für Torsten Frings eingewechselt, durfte der Löwen-Angreifer acht Minuten sein Können zeigen - doch damit hatte sich die DFB-Karriere von Max schon wieder erledigt. Völler gab bei der WM 2002 in Südkorea und Japan Miroslav Klose, Oliver Bierhoff, Carsten Jancker und Oliver Neuville den Vorzug. »Natürlich ist es eine große Ehre, das DFB-Trikot zu tragen. Aber diese acht Minuten waren schon ein bisschen lächerlich gewesen. Was soll man in dieser kurzen Zeit zeigen?«, fragt Max. Er habe festgestellt, »dass man ohne Fürsprecher nicht weiterkommt. Wahrscheinlich habe ich im falschen Verein gespielt - oder ich hätte 40 Tore in der Bundesliga schießen müssen.«

Noch heute werde er oft darauf angesprochen, »warum und wieso ich nicht mehr Länderspiele habe«, meint der 39-Jährige: »Ich weiß selbst keine Antwort darauf.«

Wie schnell der Traum von der Nationalmannschaft vorbei sein kann, musste auch der ehemalige Leverkusener Zoltan Sebescen schmerzlich erfahren. Am 23. Februar 2000 wurde er im Länderspiel gegen die Niederlande vom damaligen Teamchef Erich Ribbeck regelrecht geopfert. Beim 1:2 in der Amsterdam-Arena spielte ihn Boudewijn Zenden derart schwindelig, dass Ribbeck nach 45 Minuten ein Einsehen mit seinem Abwehrspieler hatte. Sebescen blieb eine Eintagsfliege - und mit ihm bisher 237 weitere National- bzw. Auswahlspieler.


Die Top Ten der DFB-Eintagsfliegen im Überblick:

Bernd Martin (3 Minuten)

Thomas Ritter (8)
Martin Max (8)

Frank Neubarth (9)

Wilhelm Sturm (13)

Bernd Hobsch (14)

Christian Schreier (17)

Georg Schumann (19)

Ferdinand Keller, Karlheinz Pflipsen (beide 21) Eine fiktive


Die Nationalmannschaft aus Bundesliga-Profis mit nur einem Länderspiel:

Oliver Reck (Werder Bremen)

Thomas Ritter (1. FC Kaiserslautern), Dietmar Beiersdorfer (Hamburger SV), Paul Steiner (1. FC Köln), Bernd Martin (VfB Stuttgart)

Bernd Nickel (Eintracht Frankfurt), Bernd Gersdorff (Eintracht Braunschweig), Christian Schreier (Bayer Leverkusen)

Martin Max (1860 München), Bernd Hobsch (Werder Bremen), Klaus Wunder (MSV Duisburg)

Ersatz: Manfred Bockenfeld (Fortuna Düsseldorf), Arno Steffenhagen (Hertha BSC Berlin), Uwe Kliemann (Hertha BSC Berlin), Zoltan Sebescen (Bayer Leverkusen), Kurt Niedermayer (Bayern München), Thomas Wolter (Werder Bremen), Marco Reich (1. FC Kaiserslautern)


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