Spielanalyse: Schalke-Wolfsburg

Der Huntelaar-Trick

So schnell dreht sich die Fußballwelt: Wurde in der vergangenen Woche noch der FC Schalke in der 11FREUNDE-Taktikanalyse gnadenlos niedergeschrieben, ist das Opfer dieser Woche der Gegner der Schalker: Beim 0:4 zeigten Magaths Wölfe eine defensiv indiskutable Leistung. Spielanalyse: Schalke-WolfsburgImago/spielverlagerung.de

Taktisch war besonders die Wolfsburger Viererkette ein Problem: Russ & Co. verteidigten fast an der Mittellinie. Eine hoch stehende Abwehrreihe funktioniert jedoch nur, wenn ich weiter vorne ein funktionierendes Pressing aufziehe. Durch die aufgerückten Abwehrspieler verkleinert sich das Spielfeld für den Gegner, im Idealfall zwingen die angreifenden Stürmer den Gegner zu unkontrolliertem Spiel. Allerdings war Wolfsburgs Pressing zu schwach, sie gewannen in der gegnerischen Hälfte nur ein Drittel der Boden- und 45 Prozent der Luftzweikämpfe.

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Offene Flanken beim VfL

Die fehlende Aggressivität gegen die Schalker Verteidiger war eine Einladung für diese, lange Bälle bzw. Schnittstellenpässe hinter die aufgerückte (und nicht besonders schnelle) Viererkette zu spielen. Sie beackerten besonders die Flügel: 79 Prozent ihrer Angriffe liefen über eine der beiden Flanken, nur jeder fünfte Pass im Spielaufbau ging ins Zentrum.

Sie nutzten aus, dass Rodriguez und speziell Träsch gerne einen bis zwei Meter vor ihren Kollegen standen, da die Außenstürmer nicht gut genug nach hinten halfen und sie die Außenstürmer abdecken mussten. Die schnellen Schalker Außenverteidiger rückten weit auf und wurden hinter der Abwehr angespielt. Die Auswechslung Hasebes bereits in der 28. Minute beim Stande von 0:2 war ein Eingeständnis von Magath, dass über die eigene linke Flanke zu viel zugelassen wurde.



Stürmer Huntelaar setzte in solchen Situationen auf einen interessanten Trick: Er blieb zwei bis drei Meter hinter der Wolfsburger Viererkette im vermeintlichen Abseits stehen. Dies konnte er sich erlauben, da sein Team ohnehin über die Flanken angriff. Wenn dort ein Schalker Flügelspieler hinter die hoch stehende Abwehrreihe angespielt wurde, hatte Huntelaar im Zentrum die entscheidenden Meter Vorsprung.



Der Flügelspieler ging an die Grundlinie durch und flankte quer auf den freistehenden Torjäger. Höwedes bestätigte im Interview mit Sky nach dem Spiel, dass dieses Muster eine Vorgabe von Trainer Stevens war. Ein guter Einfall des Niederländers, genau auf diese Weise erzielte Huntelaar das 0:2.

Wolfsburg nicht chancenlos, aber defensiv chaotisch

Wolfsburg seinerseits hatte auch Chancen: In beiden Halbzeiten war das Schussverhältnis ausgeglichen (6:5 pro Schalke in Halbzeit eins, am Ende 13:12). Schalkes Viererketten waren oft zu nah am Mann, mit schnellem Ein-Kontakt-Fußball überlistete Manzukic sie ab und an. Doch wer derart nachlässig im eigenen Sechszehner verteidigt, hat gegen eine Mannschaft wie den FC Schalke 04 keine Chance.

Vor allem die Raumdeckung bei Eckbällen funktionierte nicht: Die Wölfe waren zu passiv, so dass die Schalker sich nur die Freiräume zwischen den am Fleck klebenden Verteidigern suchen mussten. Dass in einem Spiel zwei Eckballtore fallen, bei denen der angeflankte Spieler im Strafraum den Ball zu einem offen stehenden Kollegen weiterleiten kann, hat Seltenheitswert. Scheinbar hat sich zu Magath nicht herumgesprochen, dass Schalke nach den Bayern die zweitmeisten Treffer nach Standards erzielte.

Nach diesem defensiv völlig verkorksten Spiel möchte man nicht in der Haut der VfL-Verteidiger stecken – Feinfühler und Menschenfreund Magath wird sicher den ein oder anderen Medizinball in dieser Woche im Training parat haben.

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